Karl Winter (geb. 17. Oktober 1908 in Nitzau/Nicov; gest. 25. Juli 1977 in Neumarkt-St. Veit) war ein deutscher Mundartdichter und Lehrer.
Leben Karl Winter wurde am 17. Oktober 1908 als viertes Kind der Bauerneheleute Alois Winter und seiner Frau Maria, geborene Krückl, auf dem „Wirtshofe“ in Nitzau bei Bergreichenstein geboren. Von 1914 bis 1919 besuchte er die Volksschulen in Nitzau und Langendorf bei Schüttenhofen. Dann trat er in die staatliche Oberrealschule in Bergreichenstein ein, wo er sich gründliche Kenntnisse in der Mathematik (Rechnen) und in der darstellenden Geometrie erwarb. Auch für Zeichnen und Schönschreiben hatte er eine besondere Vorliebe. Nachher war er Zögling der staatlichen deutschen Lehrerbildungsanstalt in Budweis. Dort legte er im Juni 1927 die erste Lehrerprüfung ab.
Infolge der Aufhebung von tausenden deutscher Schulklassen durch die Tschechen gab es damals in Böhmen einige tausend stellenlose deutsche Lehrer. Winter tat, was hunderte andere auch taten: Er suchte um eine Anstellung an einer deutschen Schule in der Slowakei an. Am 1. September 1929 war er als Aushilfslehrer in Oberstuben tätig, später in Paulitsch in der Mittelslowakei. Von 1930 bis 1932 diente er bei der tschechischen Wehrmacht. Nach der Ablegung der zweiten Lehrerprüfung im Jahre 1933 heiratete er eine Frau aus der Slowakei. In den bewegten Tagen des Frühlings 1938 (Sudetenkrise) wurde wegen seiner politischen Betätigung ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet. Winter wurde nach Münnichwies, Kreis St. Martin, versetzt. Der Zerfall des tschechischen Staates im Jahre 1939 bewahrte ihn vor weiteren Verfolgungen. Erst am 1. September 1939 durfte er nach Paulisch zurückkehren.
In den armen Sprachinseldörfern der mittleren Slowakei gab es wenige Möglichkeiten für eine kulturelle Betätigung. Um in einen größeren Ort versetzt werden zu können, legte er im April 1942 in Pressburg die Fachlehrerprüfung für Bürgerschulen (III. Gruppe) ab. Noch im selben Jahr wurde er an die staatliche deutsche Knabenbürgerschule in Pressburg berufen.
Im September 1944 wurde er zur Wehrmacht eingezogen. Aus seiner Ehe gingen vier Kinder hervor, eine Tochter und drei Söhne. Von ihnen leben nur die zwei älteren Kinder in Bayern. Die jüngeren Söhne Adolf und Roland waren seit dem Rückzug der Deutschen aus der Slowakei im Jahre 1944 vermisst. Die Ehefrau starb im Sommer 1945. 1946 heiratete Winter in Bayern die Tochter eines Pressburger deutschen Übungsschullehrers.
Seit 1937 war Winter als Mitarbeiter am Sudetendeutschen Wörterbuch und an den Wörterbuchkanzleien Wien und München tätig. Auch das deutsche Volksliederarchiv (Freiburg im Breisgau) fand seine Unterstützung."Böhmerwalddichter Karl Winter ist nicht mehr" in Zs."Hoam!" 30. Jg. Sept. 1977
Nach der Aussiedlung brachte er sich längere Zeit als Schnitzer durch. Am 21. Januar 1947 wurde er in Neumarkt-St. Veit wieder als Lehrer angestellt. In den letzten Lebensjahren arbeitete er an einer Neufassung des Nitzauer Christkindlspiels. Karl Winter starb am 25. Juli 1977 in Neumarkt-St. Veit.Adolf Webinger: Karl Winter, ein Böhmerwalddichter, Zs. „Hoam!“, 1953, Nr. 12, S. 5–7.
Ehrungen 1939: Ehrenzeichen der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Gold 1962 Ehrenmitgliedschaft bei der akademischen Landsmannschaft "Böhmerwald" 1964 Ehrennadel des Heimatverbandes der Böhmerwäldler in Gold Kulturpreis der Stadt Passau
Werke
Licht muss wieder werden – Weihnachtsspiel, Eigenverlag K. Winter Neumarkt-St. Veit 1951 Böhmerwold! Hoamatlond! Selbstverlag K. Winter Neumarkt-St. Veit 1954 Woldbauernjohr - Gedichte in d. Mundart d. mittleren Böhmerwaldes, Eigenverlag K. Winter Neumarkt-St. Veit 1957 Woldsträußla Gedichte in böhmerwäldlicher Mundart, Verlag W. E. Weinmann Bonlanden b. Stuttgart 1969 Zsommklaubte Ei‘sichten - Gereimte Rückschau in einer Mundart der Wäldler, Verlag: Selbstverlag des Autors, Neumarkt-St. Veit 1972 Schwere Stunden leicht empfunden - Heitere Reime, Verlag: Meumarkt/St. Veit, Verlag Otmar Döring, 1974 Wiar uns da Schnóbl gwóchsn is - mundartkundl. aus d. Böhmerwald mit heiteren Reimereien, Verlag Die fünfblättrige Rose, Reutlingen 1975
Literatur Adolf Webinger in Zs. „Hoam!“ Jahrgang 6, Folge 12, Dezember 1953, S. 5 ff. Dr. Leo Hans Mally in Zs. "Hoam!" 30. Jg. Okt. 1977 - Wir waren Drei ... "Böhmerwalddichter Karl Winter ist nicht mehr" in Zs."Hoam!" 30. Jg. Sept. 1977
Weblinks
Karl Winter im Katalog der DNB Gedichte Dokumente
Einzelnachweise
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