Ana Paula Gomes de Oliveira (geboren 1976 oder 1977) ist eine brasilianische Menschenrechtsaktivistin. Sie wurde 2025 mit dem Martin Ennals Award ausgezeichnet.
Biographie Ana Paula Gomes de Oliveira ist als Pädagogin und Forscherin tätig. Sie lebt in der Favela Manguinhos in Rio de Janeiro.
Im Mai 2014 wurde ihr Sohn Johnatha getötet, als die Polizei wahllos auf Bewohner schoss, die gegen Polizeigewalt in der Favela protestierten. Der 19-Jährige wurde dabei im Rücken getroffen, als er vorbeiging. Die Medien und die Polizei stellten den Vorgang verfälscht dar und kriminalisierten das Opfer, was als gängiges Muster gegen Schwarze und Bewohner von Favelas gilt. Nach einem sich über 10 Jahre hinziehenden juristischen Verfahren gab das Gericht im Prozess gegen die Todesschützen im Jahr 2024 einem Antrag der Verteidigung in letzter Minute statt, die Anklage von vorsätzlichem Mord auf Totschlag (ohne Tötungsabsicht) herabzustufen.
Seit dem Tod ihres Sohnes entwickelte sich Ana Paula Gomes de Oliveira zu einer wichtigen Aktivistin im Kampf gegen Polizeigewalt und institutionellen Rassismus. Gemeinsam mit anderen gründete sie die Bewegung Mães de Manguinhos (Mütter von Manguinhos), einem Zusammenschluss schwarzer Frauen, deren Kinder und andere Verwandte durch Polizeigewalt umkamen. Mães de Manguinhos setzen sich für Gerechtigkeit, Erinnerung und Wahrheit sowie für die Rechenschaftspflicht des Staates in Fällen von Mord, Freiheitsberaubung und anderen Formen rassistisch motivierter Polizeigewalt ein. Sie fordern legislative und politische Reformen auf institutioneller Ebene und bietet betroffenen Familien und Gemeinschaften Solidarität sowie rechtliche und emotionale Unterstützung.
Ana Paula Gomes de Oliveira hat maßgeblich dazu beigetragen, viele Müttergruppen in ganz Brasilien zu inspirieren und zu organisieren, eine der am schnellsten wachsenden sozialen Bewegungen des Landes. Sie ist aktives Mitglied des Rede de Atenção a pessoas Afetadas pela Violência de Estado (Netzwerks zur Unterstützung von Opfern staatlicher Gewalt) (Raave), das Familien psychosoziale Hilfe anbietet und erfolgreich Gesetzesreformen zur Bekämpfung von systemischem Rassismus und zur umfassenderen Unterstützung von Opfern vorangetrieben hat.
Laut UN haben sich die Tötungen durch die Polizei in Brasilien in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt; in den vergangenen sechs Jahren wurden jährlich über 6.000 Menschen getötet. Schwarze Menschen, überwiegend Männer, werden dreimal häufiger von der Polizei getötet als andere Bevölkerungsgruppen und stellen mit 82,7 % einen erschreckenden Anteil der Tötungen durch die Polizei im Jahr 2023 dar.
Ana Paula Gomes de Oliveira engagiert sich international bei der Global Initiative Against Transnational Organized Crimei (GI-TOC). Sie leitet dort als Analystin das Projekt Assassination Witness, das Attentate durch organisierte Kriminalität dokumentiert, Opfer sichtbar macht und internationale Aufmerksamkeit schafft.
Auszeichnungen 2025: Martin-Ennals-Award
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Einzelnachweise
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