Die Liste der Präsidenten am Reichskammergericht enthält die Präsidenten, die in der Zeit des Bestehens dieses Amtes (Anfang des 16. Jahrhunderts bis 1806) den Senaten des Gerichts vorstanden. In der Regel arbeiteten zwei Senate parallel. Im Zeitalter des Konfessionspluralismus im Reich wurde strikt darauf geachtet, dass immer je einer der beiden Präsidenten je einer der im Reich offiziell zugelassenen christlichen Konfessionen angehörte – römisch-katholisch (rk.) und lutherisch (luth.), ab 1648 dann evangelisch (ev.).
Liste mini|Amtstracht von Präsident (links) und Kammerrichter (rechts) im 18. Jahrhundert, Reichskammergerichtsmuseum
Präsident Lebensspanne Amtszeit Kon-fes-sion Anmerkung Graf Bernhard III. von Eberstein 1510–1519 rk. Johann von Hattstein um 1447–1546 1519–1546? rk. Großprior der deutschen Ordensprovinz des Johanniterordens Graf Adam von Beichlingen 1465–1538 1521–1535 rk. Graf Wilhelm IV. von Eberstein 1497–1562 1546–1555 rk. 1556 führte Wilhelm IV. in der Grafschaft Eberstein die Reformation ein. Georg II. von Helfenstein 1518–1573 1547–1551 luth.? Helfenstein, Georg Graf von in ADB, Bd. 11, S. 686f. Friedrich von LöwensteinJost Hausmann: Die Geschichte des Kameralbauwesens. In: Jost Hausmann (Hg.): Fern vom Kaiser. Städte und Stätten des Reichskammergerichts. Böhlau, Köln u. a. 1995, ISBN 3-412-07695-3, S. 45–76 (56). 1528–1569 1554–1562 rk. ab 1562 Kammerrichter des Reichskammergerichts Philipp von Winneburg-BeilsteinIngrid Scheuermann: „Mit rothem Sammet und goldenen Borden“. In: Jost Hausmann (Hg.): Fern vom Kaiser. Städte und Stätten des Reichskammergerichts. Böhlau, Köln u. a. 1995, ISBN 3-412-07695-3, S. 77–90 (78). um 1524–1583 1561–1582 rk. ab 1582 Kammerrichter des Reichskammergerichts Johann VIII. von Hoya 1529–1574 1562–1564 rk. Fürstbischof von Osnabrück (1553), Münster (1566) und Paderborn (1568) Graf Schweikhard von Helfenstein, Freiherr von und zu Gundelfingen 1539–1599 1562–1564 luth. 1565 konvertierte er zur römisch-katholischen Konfession. Freiherr Georg Theseres von Fraunhofen † 1599 1569–1583 rk. Fraunhofen, Georg Theser von: † um 1600; Reichshofrat auf Bavarikon Freiherr Cuno von Winnenberg und Beilstein 1580–1583 rk. Markus Fugger (der Jüngere)Hans-Helmut Görtz: Reichskammergerichtspersonal und andere Personen in den Taufbüchern von Predigerkirche und St. Georgen zu Speyer 1593–1689. Historischer Verein der Pfalz – Bezirksgruppe Speyer, Speyer 2015. ISBN 978-3-00-050130-2, S. 3 u. Anm. 2. 1564–1614 1589–1594 rk. Graf Georg III. von Helfenstein, Freiherr von und zu Gundelfingen 1571–1607 1591–1607? rk. Graf Froben Christoph von Helfenstein, Freiherr von und zu Gundelfingen 1573–1622 1595–1601 (oder 1603?) rk. Graf Philipp II. von Leiningen-Westerburg-RixingenHans-Helmut Görtz: Reichskammergerichtspersonal und andere Personen in den Taufbüchern von Predigerkirche und St. Georgen zu Speyer 1593–1689. Historischer Verein der Pfalz – Bezirksgruppe Speyer, Speyer 2015. ISBN 978-3-00-050130-2, S. 4. 1591–1668 luth. Karl Fugger 1597–1662 1605–1612 rk. Hans-Helmut Görtz: Reichskammergerichtspersonal und andere Personen in den Taufbüchern von Predigerkirche und St. Georgen zu Speyer 1593–1689. Historischer Verein der Pfalz – Bezirksgruppe Speyer, Speyer 2015. ISBN 978-3-00-050130-2, S. 3, Anm. 2. Freiherr Moritz von Büren 1604–1661 1629–1632 (1644) rk. Seine Tätigkeit am Reichskammergericht ruhte seit 1632, als er nach dem Tod seiner Mutter die Verwaltung der Herrschaft Büren selbst übernahm. Graf Emmich XIII. von Leiningen-DagsburgHans-Helmut Görtz: Reichskammergerichtspersonal und andere Personen in den Taufbüchern von Predigerkirche und St. Georgen zu Speyer 1593–1689. Historischer Verein der Pfalz – Bezirksgruppe Speyer, Speyer 2015. ISBN 978-3-00-050130-2, S. 4. 1612–1661 luth. Freiherr Adolf von Mylendonk vor 1604–1657 1624–1657 (1647) rk. amtsenthoben wegen StraftatenJahns, Teil I, S. 677. Graf Philipp Salentin von Manderscheid-Gerolstein 1615–1680 1641–1664 rk. zurückgetreten, u. a. wegen ausstehenden GehaltsJahns, Teil I, S. 677. Graf Johann Eusebius Fugger 1617–1672 1649–1672 rk. Graf Emich von Leiningen-Dagsburg-Falkenberg 1612–1657 1653–1657 ev. Graf Philipp von Leiningen-Westerburg-Rixingen 1591–1668 1658–1665 ev. Vater von Ludwig Eberhard von Leiningen-Westerburg-Rixingen, zu dessen Gunsten er zurücktrat.Jahns, Teil I, S. 679. Graf Ludwig Eberhard von Leiningen-Westerburg-Rixingen 1624–1688 1665–1672 ev. Wegen privater Affären zum Rücktritt genötigt, 1673 zur rk. Konfession konvertiert.Jahns, Teil I, S. 679. Freiherr Philipp Franz Eberhard von Dalberg 1635–1693 1671–1693 rk. Graf Johann Kasimir von Leiningen-Dagsburg-Falkenberg 1619–1688 1672–1688 ev. Vetter von Emich von Leiningen-Dagsburg-Falkenberg, Präsident 1653–1657 Graf Johann Anton zu Leiningen-Westerburg 1655–1698 1688–1698 luth. Onkel des Karl von Wied-Runkel, Präsident 1724–1764 Graf Karl Ferdinand von Manderscheid 1644–1697 1694–1697 rk. Graf Franz Adolf Dietrich von Ingelheim 1659–1742 1698–1730 rk. 1730 bis 1742 folgte von Ingelheims Amtszeit als Kammerrichter am Reichskammergericht. Graf Friedrich Ernst von Solms-Laubach 1671–1723 1699–1723 luth. Graf Karl von Wied-Runkel 1684–1764 1724–1764 luth. Neffe von Johann Anton von Leiningen-Westerburg, Präsident 1688–1698 Franz Adolf Dietrich von Ingelheim 1659–1742 1698–1730 rk. ab 1730 Kammerrichter des Reichskammergerichts Graf Ambrosius Franz von Virmont 1684–1744 1732–1742 rk. Anschließend war von Virmont von 1742 bis 1744 Kammerrichter des Reichskammergerichts. Freiherr Philipp Carl Anton von Groschlag zu Dieburg 1692–1757 1743–1757 rk. Graf Franz Joseph von Spaur, Pflaum und Valeur 1725–1797 1757–1763 rk. Anschließend war er von 1763 bis zu seinem Tod Kammerrichter des Reichskammergerichts. Graf Rudolf Waldbott von Bassenheim 1731–1805 1763–1777 rk. Christian Albrecht Kasimir, Burggraf von Kirchberg, Graf zu Sayn-Hachenburg 1726–1772 1765–1772 luth. Freiherr Johann Sigmund Karl I. von Thüngen (1730–1800) 1772–1800 luth. Freiherr Adolf von Trott zu Solz 1729–1790 1778–1790 rk. Er war bereits von 1766 bis 1778 Assessor am Gericht. Graf Philipp Karl von Oettingen-Wallerstein 1759–1826 1791–1797 rk. Anschließend war er von 1797 bis 1801 Kammerrichter des Reichskammergerichts. Graf Heinrich Alois von Reigersberg 1770–1865 1797–1803 rk. Er war seit 1796 Assessor und ab 1803 letzter Kammerrichter des Reichskammergerichts und damit der einzige, der alle protokollarischen Stufen des Richteramtes im Gericht je durchlaufen hat. Freiherr Franz Paul Christoph von Seckendorff 1750–1823 1800–1806 luth. Freiherr Adam Friedrich Schenk von Stauffenberg 1767–1808 1804–1806 rk.
Siehe auch Liste der Kammerrichter am Reichskammergericht Liste von Assessoren am Reichskammergericht
Literatur Sigrid Jahns: Das Reichskammergericht und seine Richter. Verfassung und Sozialstruktur eines höchsten Gerichts im Alten Reich – Teil 1: Darstellung (= Friedrich Battenberg, Albrecht Cordes, Ulrich Eisenhardt, Peter Oestmann, Wolfgang Sellert (Hg.): Quellen und Forschungen zur höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich, Band 26). Böhlau, Köln u. a. 2011. ISBN 978-3-412-06403-7 Georg Schmidt-von Rhein: Das Reichskammergericht in Wetzlar (= Schriftenreihe der Gesellschaft für Reichskammergerichtsforschung, Heft 9), 1989., S. 41f.
Einzelnachweise
Reichskammergericht