Adolf Georg Blümcke (* 24. Februar 1899 in Vielbach, Unterwesterwald; † 7. Januar 1990 in Pfullingen) war ein deutscher Ingenieur, Fachhochschuldozent und Autor.
Familie Adolf Blümcke war der Sohn des Maschinen- und Mühlenfabrikanten August Blümcke und seiner Ehefrau Emma, geb. Diels.Kriegsstammrollen-Auszug 27. Januar 1919
Am 3. Mai 1930 heiratete er in Delmenhorst Alice Violette Gesell (* 13. März 1904; † 1. Februar 2001), jüngste Tochter des Fabrikdirektors (Technischer Leiter der Norddeutschen Wollkämmerei) Eduard Gesell und seiner Ehefrau Maria Theresia, geb. Rinck. Aus der Ehe gingen vier Kinder (1935–1942) hervor.Standesamtliche Urkunden Delmenhorst und Sorau
Jugend Mit drei Schwestern und einem älteren Bruder wuchs Blümcke in einer bürgerlichen, evangelisch geprägten Familie im Vielbacher MühlenhausZur Geschichte der Vielbacher Mühle … Zusammengestellt nach den Akten der Vielbacher Mühle, Quirnbacher Mühle, Hundsdorfer Mühle des Staatsarchivs zu Wiesbaden von Dipl. Ing. Adolf Blümke (sic!), Sorau … Abschrift erstellt durch Rolf Willmanns … im November 2008 auf. Von Ostern 1905 bis 1912 besuchte er die dortige einklassige Volksschule. Ab 1909 erhielt er von Pfarrer Ilgen in der 3 km entfernten Amtsstadt Selters Privatunterricht in Latein, Französisch und Mathematik. Wie zuvor sein Bruder August wurde er zu Ostern 1912 am Realgymnasium Wiesbaden in die Untertertia aufgenommen und lebte dort bei Kost und Logis bei einer Familie unweit der Wohnung seiner Großmutter und Tante. In dieser Zeit erlernte auch das Cello-Spielen.Memoiren des Sohnes Martin Blümcke: Mein Vater Adolf Blümcke (1899–1990), S. 48–50 Wegen seiner Einberufung zum Heeresdienst legte er am 25. Mai 1917 das Notabitur ab.Lebenslauf (Einträge bis 1934 – möglicherweise erstellt für den am 14. September 1938 beim Versorgungsamt Frankfurt (Oder) gestellten Antrag auf weitere Heilbehandlungen wegen seiner Kriegsverletzungen)
Am 14. Juni 1917 wurde er zum Reserve-Infanterie-Regiment 88 eingezogen, das 1916 durch die Schlacht um Verdun Berühmtheit erlangt hatte. Ein Fronteinsatz blieb ihm zwar erspart, aber während der Grundausbildung erlitt er am 14. Juni 1917 einen tragischen Unfall. Beim Üben mit Handgranaten rutschte ihm eine aus der Hand und explodierte in unmittelbarer Nähe, Eisensplitter drangen in seinen linken Unterschenkel. Die folgenden 12 Monate verbrachte er im Lazarett, wo ihm ein Splitter nach dem anderen herausoperiert wurde. Einen Monat nach Kriegsende wurde er am 18. Dezember 1918 aus dem Heeresdienst entlassen.
Studium und Berufsausbildung Vom Krankenbett aus hatte er sich gegen den ursprünglichen Wunsch des Vaters, die Kinder an die Firma zu binden, wie auch seine Schwester Martha das Privileg erstritten, studieren zu dürfen. Also belegte er ab Februar bis August 1919 das erste Semester an der Technischen Hochschule Hannover mit den Schwerpunkten Maschinenbau und Mathematik.
Unmittelbar im Anschluss musste er sich erneut in medizinische Behandlung begeben, um weitere Splitter aus seinem Bein herausoperieren zu lassen. Weil das Heer nach seiner Entlassung keine Kosten mehr übernahm, musste sein Vater den Lazarett-Aufenthalt in Cochem von September 1919 bis März 1920 bezahlen.
Danach machte er ein viereinhalbmonatiges Praktikum im väterlichen Betrieb Maschinenfabrik und Mühlenbauanstalt Jac. Diels Nachf. in Vielbach, dann zwei Wochen beim Ingenieurbüro Taphorn & OhligStadtarchiv Montabaur Digital: Taphorn & Ohlig in Montabaur sowie zwei Monate bei der Gutehoffnungshütte in Oberhausen. Ab Oktober 1920 setzte er das Studium an der TH Hannover fort und legte da am 20. Oktober 1921 die Diplom-Vorprüfung und am 12. Februar 1924 die Diplom-Hauptprüfung ab, was ihn zum Führen des Titels Diplom-Ingenieur berechtigte.
Praktische Berufstätigkeiten Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Konstrukteur für allgemeinen Maschinenbau und Hartzerkleinerung über ein Jahr im väterlichen Betrieb mit.Arbeitszeugnis Jac. Diels Nachf. vom 1. September 1931 Um sich in einem Arbeitsgebiet weiterzubilden, übernahm Blümcke am 15. Mai 1925 für viereinhalb Monate die Stelle eines Assistenten von Professor Friedrich, dem Direktor des Instituts für Sozialpsychologie an der Technischen Hochschule Karlsruhe, den er wohl schon aus seiner Studienzeit kannte. Dieser hatte sich in Hannover mit der Schrift Die wertschaffenden Methoden der industriellen Psychotechnik habilitiertArchiv KIT 27015 – Nachlass Adolf Friedrich und wurde damit Ideengeber für Blümckes spätere Lehrtätigkeit.
Am 1. Oktober 1925 trat er als BetriebsingenieurREFA: Betriebsingenieur - Aufgaben, Gehalt und Weiterbildung in die Dienste der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Delmenhorst und legte damit einen weiteren Markstein für seine beruflicheWollproduktion auf der Nordwolle ► Verarbeitung, Spinnerei und private Zukunft, denn dort lernte er auch seine Frau Alice kennen. Der von den Brüdern Lahusen zu verantwortende Konkurs des damals bedeutenden Familienunternehmens machte auch ihn zum 31. Dezember 1931 arbeitslos.
Blümcke empfand dies nicht als Tragödie, sondern als Chance. Nachdem er bereits bei Professor Friedrich die Dozententätigkeit kennengelernt hatte, orientierte er sich in diese Richtung. Diese Chance fand er in Sorau / Niederlausitz, einem bedeutenden Textilstandort mit 50 Webereien und 7000 Mitarbeitern, bei der Preußischen Höheren Fachschule für Textilindustrie.Höhere Fachschule für Textilindustrie in Sorau N/L. - Bericht - Deutsche Digitale Bibliothek Er bewarb sich und konnte bereits zum 1. Februar 1932 eine – wenn auch gering dotierte – Stelle als Studienratsanwärter antreten.Memoiren des Sohnes Martin Blümcke: Adolf und Alice Blümcke in Sorau/Niederlausitz, S. 68–72
Dazu absolvierte er Praktika in unterschiedlichen Unternehmen deutschlandweit: Hanseatische Jutespinnerei, DelmenhorstJute Center: Impressionen / EindrückeBritta Lehner: Aus der Jute wird das Jute-Center. Delme-Report vom 25. Mai 2024 – abgerufen am 29. November 2025 – Februar–März 1932 Erdmannsdorfer Flachsspinnerei, Erdmannsdorf/SachsenSpinnmühle / Baumwollspinnerei Gebrüder Meister (Blauhaus) in Erdmannsdorf – Juli 1932 und April–Mai 1933 Bremer Draht- und Seilindustrie,ZVAB: Hemelingens Straßen. Ihre Geschichte von Friedrich Rauer, Eigenverlag Bremen 1999. S. 101. Gießerweg 6/10Katharina Guleikoff: Heute vor 80 Jahren: Der Tag, an dem Bremen vom Kriegsbeginn erfuhr | Der Alltag veränderte sich nicht schlagartig. In: NDR-Regionalmagazin | buten un binnen vom 1. September 2019. - Abgerufen am 2. Dezember 2025 Hemelingen – Mai–Juni 1933 Jutespinnerei Bremen, Bremen – Juni–Juli 1933 Hartfaserspinnerei und Seilerei Geo Gleistein,200 Jahre Gleistein Vegesack – Juli–August 1933 Hartfaserspinnerei Steen, Lockstedt bei Hamburg – August–September 1933 Kabelfabrik Landsberg, Abtlg. Spinnerei und Seilerei,Albert Gieseler: Kabelfabrik Landsberg a. W., Mechanische Draht- und Hanfseilerei, G. Schröder Landsberg/Warthe – Oktober–November 1933 Deichsel Draht- und Seilwerke Hindenburg,Deutsche Digitale Bibliothek: Firmengeschichtliche Sammlungen, Adolf Deichsel Drahtwerke und Seilfabriken AG, Hindenburg/Oberschlesien (Bestand) Hindenburg O.S. – November–Dezember 1933 Hanfwerke Füssen-Immenstadt,Ehemalige Hanfwerke Füssen – MAGNUS PARK | Gewerbeflächen Füssen – Januar–Februar 1934 Leinenzwirnerei Hoogen,Deutsche Digitale Bibliothek: Franz Hoogen Fabrikant in Dülken(B. Hoogen & Co.). *1901, + 16. September 1950 nach langer Internierung durch die brit. Besatzung. Hoogen begann Mitte der 30er Jahre mit der Verarbeitung von Ramie(Bast)fasern…Die Nordrhein-Westfälische Bibliographie: Die hartnäckige Fehde von Leinen und Ramie am Beispiel der Zwirnerei B. Hoogen & Co. KG, Dülken Dülken – Februar 1934 Spinnereimaschinenfabrik Seydel & Co,Seydel-Germany.com HomepageSeydel: HistorieCreditreform | Firmenauskunft: Seydel Maschinenfabrik Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Bielefeld Bielefeld – Februar–März 1934
Lehrtätigkeit in Sorau Zum 1. April 1934 wurde er als Studienrat auf Probe an der Preußischen Höheren Fachschule für Textilindustrie in Sorau angestellt. Am 1. Oktober 1934 wurde er offiziell zum Studienrat ernannt.Ernennungsurkunde, ausgestellt durch den Bürgermeister von Sorau am 19. November 1934 Seine Lehrfächer waren Bastfaserspinnerei, Hanf- und Drahtseilerei, Rohstoffe und Betriebsführung.
In unmittelbarer Nähe der Schule war das von Ernst Schilling geleitete Deutsche Forschungsinstitut für Bastfasern (DFG) untergebracht, wo Blümcke an einzelnen Projekten mitwirkte, u. a. an Versuchen zur Gewinnung und Verarbeitung von Fasern aus Brennnesseln.
Zugehörigkeit zu NS-Organisationen Als Mitglied seiner Studentenverbindung Cheruscia, der er schon als 20-Jähriger beigetreten war, wurde er 1934 Mitglied im NS-Altherrenbund. Mit seiner Anstellung an der Schule zum 1. April 1934 wurde er Mitglied des NS-Lehrerbunds. Als Mitglied beim Verein Deutscher Ingenieure wurde er 1934 Mitglied des NS-Bund Deutscher Technik. Weil er in der Mitarbeit bei der N.S.V. einen anständigen Zweck sah, trat er am 1. November 1934 bei und engagierte sich ab 1935 als Eintopfsammler, ohne das Sammelergebnis beeinflussen zu wollen. Er beantragte am 1. Juni 1937 die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 4.391.856).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/3280031 Nach eigenen Angaben pflegte er die Verbindung zu seiner Kirche.
Am 8. März 1948 wurde amtlich festgestellt, dass er dem Personenkreis zuzurechnen sei, gegen die Sühnemaßnahmen zur politischen Säuberung … nicht ergriffen werden. Seiner Frau Alice wurde attestiert, dass sie „Nicht Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen“ gewesen sei.
Kriegs- und Nachkriegszeit Am 23. Februar 1942 wurde er bis auf weiteres unabkömmlich gestellt.Wehrpaß-Notiz vom 3. März 1942 Doch als die Rote Armee näher rückte, wurde er zum Volkssturm einberufen.Deutscher Volkssturm Gau 16 – Kreis Sorau-Forst: Einberufungsbefehl vom 27. Januar 1945 für 11. Februar 9 Uhr Am 11. Februar 1945 verabschiedete er sich von seiner Frau und den vier kleinen Kindern und schickte sie zu seinen Verwandten in Vielbach, während er am selben Tag den Dienst anzutreten hatte.Martin Blümcke: Heimat, einmal anders gesehen – Meine Rückkehr ins Sorauer Elternhaus. In: Schwäbische Heimat 2012/4; S. 404 Das Eindringen russischer Panzer in Sorau am 14. Februar 1945 konnte nicht verhindert werden. Er floh, wie andere Überlebende in die Tschechoslowakei, wo Blümcke am 8. Mai in sowjetische Gefangenschaft geriet. Weil er als Beruf immer nur Lehrer statt Dipl.-Ing. angab, verzichtete er auf deren Privilegien, aber so blieb ihm die Deportation in die Sowjetunion erspart.Memoiren des Sohnes Martin Blümcke: Adolf Blümcke: Volkssturm, russischer Kriegsgefangener, Rückkehr nach Vielbach, Technikum Reutlingen, S. 77–80