Der Schwan ist der erste Langspielfilm der isländischen Regisseurin Ása Helga Hjörleifsdóttir. Er beruht auf dem gleichnamigen Roman von Guðbergur Bergsson aus dem Jahr 1991.
Handlung Die 9-jährige Sól wird über den Sommer von ihren Eltern, die in einer Großstadt an der Küste Islands wohnen, auf den abgelegenen Bauernhof der Kusine der Mutter und ihrem Mann mitten in den Bergen geschickt. Sie hatte in einem Laden gestohlen, und so wurde ihr diese Luftveränderung verordnet.
Sol leidet an Heimweh, zudem kommt ihr im Bauernhof alles so altmodisch und ungewohnt vor. Dazu muss sie das Zimmer bald mit Jón einem jungen Saisonarbeiter teilen, der schon das siebente Jahr im Sommer auf dem Hof arbeitet. Oft wird sie nachts wach und sieht Jón in sein Tagebuch schreiben. Nicht nur die Einrichtung des Bauernhofes, auch der Ton beim gemeinsamen Essen ist karg. Die Landschaft, Berge und Wiesen mit Wasserlöchern durchzogen, ist nicht ungefährlich. Aber es gibt auch wunderbare Ereignisse: die Geburt eines Kälbchens, zu dem sich Sól hingezogen fühlt, auch weil sie, träumerisch zurückgezogen, keinen Kontakt zu Gleichaltrigen sucht. Dafür fühlt sie eine Nähe zu Jón, der wie sie Lust am Fabulieren hat. Überraschend kehrt die Tochter des Hauses Ásta vom Studium zurück. Ihre Prüfung hatte sie nicht absolviert, aber sie war schwanger und die Beziehung zum möglichen Vater in die Brüche gegangen. Die Eltern kennen ihn, er hat eine Reitschule in der Nähe. Die Mutter bringt Ásta zur Abtreibung. Ásta leidet sehr darunter und unter ihrer Situation. Sie erzählt Sól von der alten Sage, nachdem auf einem Berg ein Monster wohne. Er zeige sich oft als Schwan in dem dortigen See. Bei einer Begegnung wölle er dir in die Augen sehen, um dir sagen zu können, wer du seist. Aber in Wirklichkeit wolle er dich in den See ziehen.
Dann geschieht etwas Schreckliches für Sól: das Kälbchen wird von Jón geschlachtet. Niemand schont Sól. Sie müsse sich daran gewöhnen. Das beeinträchtigt ihr Vertrauensverhältnis zu Jón. Dabei hatte er ihr einmal aus seinem Tagebuch vorgelesen und darin spielte sie eine Rolle in seinem Leben. Als sie ihn einmal fragt, warum er nicht mit Ásta zusammenleben wolle, sagt er, dass diese dazu erst einmal seine Tagebücher lesen müsste. Dann trifft Sól auf die beiden nach deren Beischlaf im Heu. Daraufhin stiehlt Sól die Tagebücher, um sie zu lesen. Sie war darin nicht erwähnt, wohl aber Ásta und das abgetriebene Kind. Der Verlust der Tagebücher ist für Jón ein schwerer Schlag, waren diese doch bei seinem sonst erfolglosen Leben sein Halt. Er verdächtigt Sól, aber sie sagt nichts dazu. So betrinkt sich Jón auf dem Jahrmarkt im Nachbardorf. Sól fühlt sich zu dem sturzbetrunkenen Jón hingezogen, legt sich neben ihn. Ásta zieht sie weg und sie reiten nach Hause. Sól sieht in ihrer Phantasie Jón im Rausch auf einem Pferd liegend. Sól rät Ásta auf Jón Acht zu geben. Aber sie erwidert, dass auf sie auch niemand Acht gegeben hätte. Dann gibt sie Jón einen Stoß, dass er vom Rücken des Pferdes in ein Wasserloch rollt. Am nächsten Morgen, als Sól aufwacht, ist er tatsächlich nicht zurück. Ásta findet seine Tagebücher in ihrem Bett.
Später erneuert Ásta die ursprüngliche Beziehung zu dem Mann, der sie verlassen hatte, aber es gelingt ihr nicht, etwas dabei zu finden, denn sie hört in sich Jóns Zitate aus seinem Tagebuch.
Sól bricht mit einer Reitgruppe zum See des Schwans auf dem Berg auf. In ihrer Phantasie läuft sie allein vorab zum See. Dort trifft sie den Schwan. Sie setzt sich seinem Blick aus. Doch er zieht sie nicht in den See, sondern schwingt sich zum freien Flug auf. Gelöst rennt Sól mit erhobenen Armen ins Tal.
Produktion Seine Weltpremiere erlebte der Film auf dem 2017 Toronto International Film Festival. Die Deutschlandprimere war im Oktober 2017 auf dem Filmfest in Hamburg, die Erstaufführung im Deutschen Fernsehen am 9. Oktober 2019 bei Arte.
Rezeption
Auszeichnungen PreisträgerJahrFestivalKategorieMartin Neumeyer2018Edda Awards Iceland [is]Best CinematographynominiertÁsa Helga Hjörleifsdóttir2018Kikife Int. Kinderkinofestival [de]WettbewerbnominiertVerena Gräfe-Höft2017Filmfest HamburgProduzentenpreis für Kino-KoproduktionennominiertVerena Gräfe-Höft2017Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg [de]International Newcomer / DiscoveriesnominiertÁsa Helga Hjörleifsdóttir2017Nordische Filmtage LübeckKinder- und JugendfilmenominiertÁsa Helga Hjörleifsdóttir2017Toronto International Film Festival [ca]DiscoverynominiertQuelle:
Einzelnachweise
Kategorie:Literaturverfilmung Kategorie:Isländischer Film Kategorie:Filmtitel 2017 Kategorie:Filmdrama