Żarnowo (deutsch Altsarnow, früher Alt Sarnow) ist ein Dorf in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Es gehört zur Gmina Stepnica (Gemeinde Stepnitz) im Powiat Goleniowski (Gollnower Kreis).
Geographische Lage Das Kirchdorf liegt in Hinterpommern, östlich unweit des Stettiner Haffs, etwa 37 Kilometer nördlich von Stettin, 19 Kilometer südsüdwestlich der Stadt Kamień Pomorski (Cammin in Pommern), 4,5 Kilometer südsüdöstlich der Stadt Wolin (Wollin) und 2,5 Kilometer südwestlich der Ortschaft Wiejkowo (Groß Weckow).
Geschichte Das Dorf wurde erstmals 1280 urkundlich erwähnt; 1395 bestätigten die Herzöge Bogislaw VIII. und Wartislaw VII. dem Nonnenkloster Wollin das Eigentum an Sarnow und Lanke.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 118. Den späteren königlichen Teil des Dorfes Sarnow und zwei Teile in Lanke hatte das Kloster 1394 von Lüdeke Massow gekauft.Fritz Curschmann: Die Landeseinteilung Pommerns im Mittelalter und die Verwaltungseinteilung der Neuzeit, in: Pommersche Jahrbücher, Band 12, Greifswald 1911, S. 159–337, insbesondere S. 246 (Google Books). Nach Auflösung des Klosters um 1560 kamen dessen Besitzungen an das landesherrliche Amt Wollin. Laut den Hufenmatrikeln von Pommern-Stettin von 1628 wurden in Sarnow 13 ½ Hakenhufen, ein Kossäte, ein Schäfer, ein Knecht und vier Instleute versteuert.Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 261 (Boogle Books). Zehn Höfe in Sarnow, die im Dreißigjährigen Krieg wüst geworden waren, wurden später zur Schäferei gelegt. Um 1780 gehört Sarnow königlichen Anteils zum Flemmingschen Kreis und war dem Amt Stepenitz zugeordnet.
Um 1865 hatte das Dorf neun Bauernhöfe, drei Kossätenhöfe, eine Reihe von Büdner- und Eigenkätnerstellen, eine Gastwirtschaft und eine Küsterschule,Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogthums Pommern – Schilderung der Zustände dieser Lande in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, Teil II: Landbuch des Herzogthums Stettin, von Kamin und Hinterpommern; oder des Verwaltungs-Bezirks der Königl. Regierung zu Stettin. Band 6: Kreise Kamin und Greifenberg, Anklam 1870, S. 346–347 (Google Books) die einklassig war.Georg Ernst Maximilian von Köller: Statistische Darstellung des Camminer Kreises – Geschrieben im Winter 1865/66, Behrendt, Cammin in Pommern 1867, S. 167 (Google Books). Um 1864 war für Sarnow mit Eichhorst, Vorwerk und Glienkermühle die Kreisgerichts-Kommission II zu Wollin zuständig.Amtsblatt der Königl. Regierung in Stettin, Extra-Beilage Nr. 39, vom 23. September 1864, Verzeichniß der Gerichtsbehörden in dem Bezirke des Königl. Appellations-Gerichts zu Stettin, II. Kreisgericht Cammin, S. 7–11, insbesondere S. 9, Ziffer 39 (Google Books).
Im März 1913 wurden die Landgemeinden Adlig Alt Sarnow und Königlich Alt Sarnow zur Landgemeinde Altsarnow zusammengeschlossen. Amtsbezirk Rißnow (Territorial.de)
Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1487,1 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Altsarnow 111 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 123 Pferde, 492 Stück Rindvieh, 51 Schafe und 1060 Stück Borstenvieh, 227 Gänse, 87 Enten, 1763 Hühner, sieben Truthühner sowie 35 Bienenstöcke hielten. Auf der Gemarkung der Landgemeinde standen 613 Apfelbäume, 447 Birnbäume, 909 Pflaumen- und Zwetschgenbäume, 689 Kirschbäume, ein Aprikosenbaum, ein Pfirsichbaum und 40 Walnussbäume.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 1. Regierungsbezirk Stettin, 12. Kreis Cammin, S. 50–51, Ziffer 4 (Google Books).
Anfang der 1930er Jahre hatte die Gemarkung der Landgemeinde Altsarnow einen Flächeninhalt von 14,9 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen zusammen 114 bewohnte Wohnhäuser an fünf verschiedenen Wohnplätzen:
Um 1935 gab es im Dorf Altsarnow unter anderem einen Gasthof, die Elektrizitäts- und Maschinengenossenschaft Altsarnow-Hermannsthal GmbH, zwei Metzger, vier Gemischtwarenläden, zwei Malergeschäfte, eine Molkerei, eine Mühle, eine Schlosserei, drei Schmieden, drei Stellmachereien, zwei Tischlereien, zwei Viehhandlungen und eine Zementwarenhandlung.Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 981 (Google Books).
Im Jahr 1945 gehörte die Landgemeinde Altsarnow zum Kreis Cammin i. Pom. im Regierungsbezirk Stettin in der Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Altsarnow war dem Amtsbezirk Rißnow zugeordnet.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region Anfang März 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Altsarnow zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Danach begann die Zuwanderung polnischer Zivilisten. Der Ortsname Altsarnow wurde zu ‚Żarnowo‘ polonisiert. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der polnischen Administration aus Altsarnow vertrieben.
Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1782 – zweiteiliges Dorf, bestehend aus a) einem königlichen Anteil mit einem Prediger, neun Bauern mit dem Schulzen, vier Kossäten, einem Krüger, sechs Büdnern, einem Predigerwitwenhaus, einem Schulhaus, einer Schmiede, 32 Feuerstellen (Haushaltungen) und einer zur Wollinschen Synode gehörigen Mutterkirche sowie b) einem adligen Anteil mit acht Feuerstellen und drei BesitzernLudwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogthums Vor- und Hinter-Pommern. Teil II, 1. Band: Beschreibung der zu dem Gerichtsbezirk der Königl. Landescollegien Stettin gehörigen Hinterpommerschen Kreise, Stettin 1784, S. 19–20, Ziffer (7) (Google Books), und S. 43, Ziffer 37 (Google Books). 1818 276 zwei Ortschaften: a) zum Amt Stepenitz gehöriges königliches Dorf mit 230 Einwohnern und einer Mutterkirche (dazu das Etablissement Neu Schneidemühl mit einer Mühle und 35 Einwohnern, die Papiermühle Köckeritz mit 36 Einwohnern und die Glinker Wassermühle mit 17 Einwohnern), b) adliges Vorwerk Alt Sarnow mit 46 EinwohnernAlexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 213, Ziffer 621 (books.google.de).Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 161, Ziffer 6 (Google Books), und S. 165, Ziffer 6 (Google Books). 1852 692 zwei DörferKraatz (Hrsg.): Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Decker, Berlin 1856, S. 537 (Google Books). 1864 863 am 3. Dezember, zwei Gemeindebezirke, davon 234 in Adlig Alt Sarnow und 629 in Königlich Alt SarnowKönigliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Stettin: 5. Kreis Kammin. Berlin 1866, S. 26–33, Ziffer 164–165 (Google Books). 1867 764 am 3. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 199 in Adlig Alt Sarnow und 565 in Königlich Alt Sarnow 1871 776 am 1. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 226 in Adlig Alt Sarnow (sämtlich Evangelische) und 550 in Königlich Alt Sarnow (543 Evangelische, eine katholische Person und sechs Juden)Königliches Statistisches Bureau: Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, S. 64–65, Ziffer 85–86 (Google Books). 1885 697 am 1. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 197 in Adlig Alt Sarnow (sämtlich Evangelische) und 500 in Königlich Alt Sarnow (497 Evangelische und drei Juden)Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen. Band 4: Provinz Pommern. Berlin 1888, S. 68–69, Ziffer 2–4 (Google Books). 1890 735 am 1. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 207 in Adlig Alt Sarnow und 528 in Königlich Alt SarnowKönigliches statistisches Bureau: Viehstandslexikon für den preußischen Staat. IV. Provinz Pommern, Berlin 1895. I. Regierungsbezirk Stettin. 11. Kreis Kammin, S. 28, Ziffer 3–4 (Google Books). 1895 701 am 2. Dezember, zwei Landgemeinden, davon 195 in Adlig Alt Sarnow (sämtlich Evangelische) und 506 in Königlich Alt Sarnow (499 Evangelische und sieben Juden)Gemeindelexikon für das Königreich Preußen – Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895, IV. Provinz Pommern, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, Berlin 1898, I. Regierungsbezirk Stettin, 11. Kreis Cammin, S. 70–71, Ziffer 3–4 (Google Books). 1910 637 am 1. Dezember, zwei Dörfer, mit einer evangelischer Pfarrkirche, davon 166 in Adlig Alt Sarnow und 471 in Königlich Alt SarnowAlt Sarnow, zwei Dörfer (Adlig und Königlich), Kreis Cammin, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Alt Sarnow (meyersgaz.org).Landkreis Cammin (Gemeindeverzeichnis.de) – U. Schubert (2022) 1925 664 Landgemeinde, darunter 642 Evangelische, eine katholische Person und fünf Juden (für die restlichen 16 Einwohner gibt es keine Angaben zur Konfession);Die Gemeinde Altsarnow im ehemaligen Kreis Cammin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). nach anderen Angaben 669 Einwohner 1933 663 1939 679 am 17. MaiStatistik des Deutschen Reichs, Verlag für Sozialpolitik, Wirtschaft und Statistik (Paul Schmidt), Berlin 1940, 4. Provinz Pommern, 6. Cammin i. Pom., S. 62 (Google Books).
Kirche Dorfkirche Die Dorfkirche in Altsarnow ist ein neugotischer Backsteinbau auf Feldsteinfundament, der von 1843 bis 1859 entstand: 1843 wurde das Kirchenschiff fertiggestellt, 1852/53 der Turm und 1859 der Chor (Altarraum). Erstmals urkundlich erwähnt wurde 1594 eine hiesige Marienkirche, ein Feldsteinbau mit flacher Decke und Holzturm, der sich noch 1737 „in gutem Stande“ befand und für eine Erweiterung geeignet hätte, aber dann doch abgerissen wurde.Hasso von Flemming-Benz: Der Kreis Cammin. Ein pommersches Heimatbuch. Holzner, Würzburg 1970 (mit beigelegter Karte des Kreisgebiets von 1936), S. 261. Der Turm des heutigen Backstein-Neubaus wurde 1963 vom Blitz getroffen, brannte ab und wurde 1967 etwas kleiner wieder aufgebaut. Die Pfarrkirche in Altsarnow stand früher unter dem Patronat des KönigsF. Sendke: Verzeichniss der evangelischen Pfarrstellen, Kirchen und Kapellen, der Kirchenpatrone, sowie der der im Amt befindlichen evangelischen Geistlichen, Druck von F. Hessenland, Settin 1900, S. 114, Ziffer 9 (Google Books). und vor 1945 unter staatlichem Patronat.
Das Kirchengebäude wurde nach 1945 zugunsten der Römisch-katholischen Kirche in Polen zwangsenteignet.
Kirchspiel bis 1945 Die bis 1945 anwesenden Einwohner der Landgemeinde Altsarnow waren mit seltenen Ausnahmen evangelischer Konfession. Die Evangelischen Einwohner gehörten zum Kirchspiel Altsarnow. Eingepfarrt war die Tochtergemeinde Rißnow mit eigener Filialkirche, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts unter dem Patronat des Gutsherrn und später unter staatlichem Patronat stand. Der Bestand an Kirchenbüchern der Mutterkirche in Altsarnow reichte bis 1686 zurück.Martin Wehrmann: Die Kirchenbücher in Pommern, in: Baltische Studien, Band 42, Stettin 1892, S. 201–280, insbesondere S. 257 (Google Books). Pfarrer von der Reformation bis 1945
Das katholische Kirchspiel war in Cammin i. Pom. Das Standesamt befand sich in Rißnow.
Literatur