Das Gemälde Adam und Eva von Gustav Klimt ist eines der wenigen Werke Klimts, das ein biblisches Thema aufgreift. Der Künstler starb am 6. Februar 1918, weswegen das Werk unvollendet blieb.

Beschreibung Klimts Gemälde Adam und Eva basiert auf einem Teil der biblischen Schöpfungsgeschichte, ohne jedoch einen Bezug zu einer bestimmten Episode aus der Geschichte des ersten Menschenpaares herzustellen (wie zum Beispiel dem Sündenfall). Das Gemälde ist eines der wenigen Werke Klimts, das einen biblischen Stoff aufgreift (siehe auch Klimts Judith), und gehört zu den letzten Werken, an denen Klimt gearbeitet hat. Es schloss an seine Allegorien über die Beziehung von Mann und Frau an (Der Kuss und Die Umarmung im Stoclet-Fries).

Eher gängige Interpretation Klimt zeigt die Figur der Eva als „Inbegriff alles Weiblichen“. Mit der eher fülligen, breithüftigen Frauengestalt verkörpert Klimt eine „zeitlose Inkarnation Evas als Urmutter des Lebens“, die an die „Archaik von prähistorischen Idolen oder Artefakten der Stammeskunst“ erinnert.

Adam hat die Augen geschlossen, scheint zu schlafen und hält den Kopf geneigt. Er schmiegt sich zärtlich an Eva, ist jedoch kaum von dem dunklen Hintergrund zu unterscheiden. Eva hingegen ist wach und von goldenem Glanzlicht umgeben. Sie ist die dominierende Figur des Bildes. Ihr Blick gilt uns, den Betrachtern. Sie hat Adam als „femme fatal“ und begehrte Frau zu einem schlafenden Schatten gemacht. Beiden Figuren scheint ihr zukünftiges Schicksal noch nicht bewusst zu sein.

Evas Füße sind von bunten Anemonen verdeckt. Diese sind Symbole der Fruchtbarkeit und repräsentieren die Flora des Paradieses. Das Leopardenfell (manchmal auch Evas Kleid genannt) ist nach der griechischen Mythologie das Sinnbild für ungezähmten Eros. Es steht für Evas kalkulierende Sinnlichkeit. Klimts Interpretation zeigt also nicht die Schlange als Verführerin, sondern Eva. Das Leopardenfell wird manchmal auch als Adams „animalischer Lendenschurz“ interpretiert.

Auffallend ist die farbliche Gestaltung des hellen, nackten Frauenkörpers. Klimt vermischt zarte Fleischtöne raffiniert mit Hellblau und Gelb. Infolgedessen hebt sich der Körper Evas deutlich vom gebräunten Körper Adams ab, der sie „wie eine schützende Folie“ umrahmt. Klimt stellt Adam und Eva als Paar auf Augenhöhe dar, wohingegen in früheren Kunstepochen Eva meist Adam nachgestellt war. Auch hier nutzt Klimt den biblischen Rahmen, um weibliche Nacktheit ungestraft zeigen zu dürfen.

Weitere Interpretationsansätze Eine andere Interpretation des Gemäldes geht davon aus, dass Eva bereits vom Baum der Erkenntnis gegessen hat, während Adam noch blind und unwissend bezüglich seiner Sexualität ist. Als Unterzeichnung sind in dem Gemälde Adams Hände bereits angelegt, wobei die linke wahrscheinlich den Apfel halten sollte. Dies deutet darauf hin, dass Eva dabei ist, Adam an der Hand zu nehmen und in das Geheimnis der Sinnlichkeit und Erotik einzuführen.

Adam und Eva werden auch als Verkörperung von Nacht und Tag interpretiert, wobei das Gemälde die Erschaffung Evas aus der Rippe des schlafenden Adam zeigen soll.

Kritische Wertung Für Wendy Osgerby wirkt das Gemälde, trotz aller Schönheit, wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Obwohl 1918 der Erste Weltkrieg in seine Endphase ging und inzwischen Futurismus, Kubismus sowie Expressionismus die Malerei beherrschten, repräsentiert für sie das Bild noch die „dekadente fin-de-siècle Zeit“ Wiens. Das Bild sei „dekorativ und selbstverliebt“ und einer Welt zugehörig, die im Ersten Weltkrieg untergegangen war.

Provenienz

Das Gemälde blieb nach Klimts Tod unvollendet in dessen Atelier zurück. Es wurde ab dem 6. Februar 1919 in einer von Gustav Nebehay veranstalteten Klimt-Nachlass-Ausstellung erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Die mit Klimt befreundete Sonja Knips erwarb das Gemälde umgehend aus Klimts Nachlass.

Weblinks

Video zum Gemälde

Einzelbelege

Kategorie:Gemälde von Gustav Klimt Kategorie:Österreichische Galerie Belvedere Kategorie:Gemälde (20. Jahrhundert) Kategorie:Wiener Jugendstil Kategorie:Paar (Bildende Kunst) Kategorie:Gemälde (Christentum)