Harold Benjamin Gerard (* 25. August 1923 in Brooklyn; † 16. Januar 2003 in Los Angeles) war ein US-amerikanischer Sozialpsychologe, Psychoanalytiker und emeritierter Professor an der University of California, Los Angeles. Harold B. Gerard (1923–2003) auf academics, abgerufen am 20. Februar 2026.

Leben Er begann sein Studium mit dem Hauptfach Physik am Brooklyn College. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zum Fernmeldekorps der United States Armed Forces und nahm an der Invasion Europas teil. Danach studierte er weiter und erwarb 1947 er einen B.A. am Brooklyn College; hier forschte er mit der Kulturanthropologin Margaret Mead, die ihn ermutigte, bei ihr zu promovieren. Er entschied sich jedoch für ein Masterstudium in Soziologie an der Columbia University. Fasziniert von einem Experiment von Kurt Lewin und Ronald Lippitt zu Führungsstilen, entschied sich dann für ein Studium am Forschungszentrum für Gruppendynamik an der University of Michigan. Er interessierte sich auch für experimentellen Arbeit zu Gruppenzwang und zur Konformität von Leon Festinger, unter dessen Leitung er 1952 an der University of Michigan promovierte.

Seine Berufstätigkeit begann am Research Center for Human Relations der New York University, anschließend bekleidete er Professuren und Forschungspositionen an der University at Buffalo, am Social Science Communications Center der Bell Telephone Laboratories und an der University of California, Riverside. 1962 wechselte er an die University of California, Los Angeles (UCLA) und lehrte hier bis zu seiner Pensionierung 1992.

Im Alter von 59 Jahren begann er auf Anraten seiner Frau Desy ein Studium am Psychoanalytic Center of California in Los Angeles und baute später eine klinische psychoanalytische Praxis auf. Hier praktizierte und forschte er als Psychoanalytiker zur Verbindung psychoanalytischer Theorie und sozialen Phänomenen. In der Psychoanalyse erlebte er neue Herausforderung und führte eine Reihe von Studien zur unbewussten Psychodynamik und zu Emotionen durch. Dabei verglich er Freudsche und Kleinsche Entwicklungstheorien. Er organisierte und unterrichtete auch den ersten Bachelor-Kurs in Psychoanalytischer Psychologie an der UCLA.

Werk Er war ein experimenteller Sozialpsychologe, der insbesondere durch seine Theorien und Forschungen zu Gruppeneinflüssen auf Einstellungen und Verhalten sowie zur Theorie der kognitiven Dissonanz bekannt wurde. An der University of California, Riverside, arbeitete er mit Norman Miller an einem groß angelegten Feldexperiment, das durch die gerichtlich angeordnete Aufhebung der Rassentrennung in einem zuvor stark segregierten Schulsystem ermöglicht wurde. In diesem Forschungsunternehmen zur Aufhebung der Rassentrennung stellte er enttäuscht fest, dass die erwarteten deutlichen Leistungsverbesserungen bei Schülern aus Minderheiten ausblieben, was teilweise auf die Erwartungen der Lehrkräfte an die Schüler zurückzuführen war. Er erwarb sich auch einen Ruf für seine Theorien und kreativen Methoden zur systematischen Variation von Gruppenmerkmalen, wie etwa dem Grad des Gruppenzusammenhalts und der Homogenität, sowie zur Untersuchung von Abweichungen, Ablehnung und Meinungs- und Verhaltensänderungen.

Ehrungen/Positionen 1976: Guggenheim-Stipendium Fulbright-Stipendium für die Universität Nijmegen Fellow des Center for Advanced Study in the Behavioral Sciences an der Stanford University in Palo Alto

Privates An der Columbia University lernte er seine erste Ehefrau Dorothy kennen. Nach der Scheidung von Dorothy im Jahr 1969 heiratete er Desy Safán, eine psychoanalytische klinische Psychologin und eine produktive Malerin. Er war Vater von den fünf Kindern Anthony, Sarah und Annie Gerard sowie Denise und Mauricio Mankewitz. Er lebte zuletzt in Venice und verstarb im Alter von 79 Jahren im Cedars-Sinai Medical Center an einer Hirnblutung nach einem Nierenversagen.

Publikationen (Auswahl) Monografien School Desegregation: A Long-Term Study (Perspectives in Social Psychology). Springer. New York 1976, ISBN 978-0-306-34402-2. Mit Edward E. Jones: Foundations of Social Psychology. John Wiley & Sons, Hoboken 1967, ISBN 978-0-471-44906-5. Series Research in Social Psychology.1962.

Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Dissonance Theory: A Cognitive Psychology with an Engine. In: Psychological Inquiry, 1992, 3 (4), S. 323–327. Mit R. Orive: The Dynamics of Opinion Formation. In: Advances in Experimental Social Psychology, 1987, 20, S. 171–202. Mit R. Orive: The familiar stimulus as a reducer of anxiety: an experimental study. In: Journal of Social and Clinical Psychology, 1987, 5 (3), S. 330–338. Mit G. L. White: Post-Decisional Reevaluation of Choice Alternatives. In: Personality and Social Psychology Bulletin, 1983, 9 (3), S. 365–369. Mit E. S. Conolley; T. Kline: Competitive behavior: A manifestation of motivation for ability comparison. In: Journal of Experimental Social Psychology, 1978, 1, 4 (1), S. 123–131. Mit Jerry Zadny: Attributed intentions and informational selectivity. In: Journal of Experimental Social Psychology, 1974,10 (1), S. 34–52. Mit Morton Deutsch: A study of normative and informational social influences upon individual judgment. In: Joel Benjamin Cohen (Hrsg.): Behavioral science foundations of consumer behavior (S. 331-338). Free Press, New York, NY. 1972. Choice difficulty, dissonance, and the decision sequence. In: Journal of Personality, 1967, 35 (1), S. 91–108. Mit Grover C. Mathewson: The effects of severity of initiation on liking for a group: A replication. In: Journal of Experimental Social Psychology, 1966, 2 (3), S. 278–287. The Anchorage of Opinions in Face-to-Face Groups. In: Human Relations, 1954, 7 (3), S. 313–325. The Effect of Different Dimensions of Disagreement on the Communication Process in Small Groups. In: Human Relations, 1953, 6 (3), S. 249–271. Mit L. Festinger; B. Hymovitch; H. H. Kelley; B. Raven: The Influence Process in the Presence of Extreme Deviates. In: Human Relations, 1952, 5 (4), S. 327–346.

Weblinks Harold B. Gerard, 79; Social Psychologist, 30-Year UCLA Teacher auf Los Angeles Times vom 26. Januar 2003, abgerufen am 20. Februar 2026. Bertram H. Raven: In memoriam Harold B. Gerard, Professor of Psychology, Emeritus, Los Angeles 1923–2003} auf UCLA, abgerufen am 20. Februar 2026. Harold B. Gerard, UCLA Scholar and Pioneer in Social Psychology, Dies at 79 auf UCLA Newsroom vom 28. Januar 2003, abgerufen am 21. Februar 2026.

Einzelnachweise

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