Dorothea von Kippenheim lebte Ende des 15. bis Anfang des 16. Jahrhunderts im Dominikanerinnenkloster Unterlinden in Colmar im Elsass, wo sie als Übersetzerin religiöser lateinischer Literatur arbeitete.
Leben Die genauen Lebensdaten lassen sich nicht zweifelsfrei urkundlich nachweisen. So wurde sie in der älteren Forschung mit einer gleichnamigen etwa hundert Jahre älteren Vorfahrin verwechselt und für eine Tochter des Freiburger Bürgermeisters Albrecht von Kippenheim († 1424) und Claranna von Keppenbach gehalten, die gemeinsam mit ihren Schwestern Ursula und Margareta nach dem Tod des Vaters in das reformierte Dominikanerinnenkloster Unterlinden eintrat. Diese Verwechslung konnte erst korrigiert werden, als ein Brieffragment, das die Zeit als Makulatur in einer anderen Handschrift überdauert hatte, untersucht und schließlich auch das Wasserzeichen im Papier des Briefes datiert wurde.
Ähnlich wie die Familie Gossembrot war Dorotheas Familie enger mit dem Unterlindenkloster verbunden; mehrere weibliche Familienmitglieder traten im Laufe der Jahrhunderte bei den Dominikanerinnen ein. Aber nicht nur im Kloster, frei von reproduktiven Zwängen, lässt sich literarisches Interesse in der niederadligen Familie von Kippenheim nachweisen: In einer Handschrift von Rudolf von Ems Weltchronik finden sich mehrere Besitzeinträge aus dem 15. und 16. Jahrhundert, die von Dorotheas direkten Verwandten stammen.
Sie selbst kümmerte sich auch hinter Klostermauern um die Geschicke ihrer Verwandten, wie aus dem Briefaustausch hervorgeht. Eng vernetzt war sie nachweislich auch mit Susanna von Falkenstein, Äbtissin von St. Klara in Freiburg.
Werk Auch wenn die Forschung ihren Namenseintrag in einem kleinformatigen Evangeliar nur als Besitzeintrag interpretiert und ihre Übersetzerschaft verschiedener Legenden bezweifelt, so hat sie selbst sich eindeutig als Übersetzerin in die illustrierte Sammelhandschrift, heute als Ms. 717,II in der Stadtbibliothek von Colmar, eingetragen:Ich Schwester Dorothea von Kippenheim ein conuent Swester desz wirdigen loblichen gotzhusz Sancti Johannis baptiste in vnderlinden zu Colmar hab disz buch vsz dem latin zu tutzsch geschriben got zuo lob vnd och zu eren Sancto Sebastiano vnd den andern lieben heilgendie dar an stond vnd ich beger demueticlich daz die alle got wellen fur mich bitten die do werden leszen an diszem buoch. Amen.Dorotheas Ausgangstext für ihre Übersetzung der Vita Udalrici des Bern von Reichenau wurde 1516 von Veit Bild für den Druck überarbeitet und zusammengestellt. Sie übersetzte eng an der lateinischen Vorlage, fügte aber immer wieder charakteristische Doppelformen ein. Dank ihrer Selbstnennung am Ende des Textes wird ihre Übersetzungsleistung heute in der Forschung weitestgehend anerkannt.
Einzelnachweise
Kategorie:Übersetzer aus dem Latein Kategorie:Dominikanerin Kategorie:Person (15. Jahrhundert) Kategorie:Person (16. Jahrhundert) Kategorie:Geboren im 15. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 16. Jahrhundert Kategorie:Frau