Die Abessiniendrossel, auch Gmelin-Drossel, (Turdus abyssinicus) ist ein Singvogel aus der Familie der Drosseln (Turdidae).P. H. Barthel, C. Barthel, E. Bezzel, P. Eckhoff, R. van den Elzen, Ch. Hinkelmann & F. D. Steinheimer: Die Vögel der Erde - Arten, Unterarten, Verbreitung und deutsche Namen, 3. ergänzte Auflage, 2022, PDF

Der Vogel kommt in Eritrea und im ganzen Horn von Afrika vor und von den Afrikanischen Großen Seen bis zum Nordosten Sambias und Malawis.

Die Art wurde als konspezifisch mit der Kapdrossel (Turdus olivaceus) angesehen und als Turdus olivaceus abyssinicus bezeichnet, aber aufgrund molekularbiologischer Untersuchungen im Jahre 2005 als eigenständig abgetrennt.R. C. K Bowie, G. Voelker, J. Fjeldså, L. Lens, S. J. Hackett und T. M. Crowe: Systematics of the olive thrush Turdus olivaceus species complex with reference to the taxonomic status of the endangered Taita thrush T. Helleri. In: Journal of Avian Biology, Band 36, Nummer 4, S. 391–404, 2005, [doi:10.1111/j.0908-8857.2005.03459.x.]F. Gill, D. Donsker, P. Rasmussen (Herausgeber): "Thrushes". [IOC World Bird List Version 13.2. International Ornithologists' Union. IOC World Bird List 13.2], [doi:10.14344/IOC.ML.13.2]

Der Lebensraum umfasst hauptsächlich Bergwald, Primärwald, Sekundärwald, Galeriewald, Waldränder, Lichtungen, auch Kosobäume (Hagenia abyssinica), Bambus, Dickichte und in Burundi Moore meist von 1830 bis 3350 m, mitunter auch von 950 bis 4200 m. ü. M.J. del Hoyo, N. Collar und G. M. Kirwan: Abyssinian Thrush (Turdus abyssinicus), version 1.0. In: J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana (Herausgeber): Birds of the World. 2020, Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. Turdus abyssinicusAfrican Bird Club: ABC App - Birds of Africa

Der Artzusatz bezieht sich auf Abyssinien.J. A. Jobling: A Dictionary of Scientific Bird Names. Oxford University Press. 1991. ISBN 0-19-854634-3.

Merkmale Der Vogel misst 20–24 cm und wiegt 49–87 g. Die Oberseite ist dunkelbraun grau, an Stirn, Zügel und Ohrdecken bräunlicher, an Kinn und der zart schwarz gestrichelten Kehle mehr olivgrün. Die Brust ist grauoliv oben, dann rotbraun orangefarben bis zum oberen Steiß und an den Flanken, der untere Steiß ist weiß. Der Schnabel ist orangefarben, die Beine ockerfarben bis orange, der schmale Augenring ist orangefarben. Die Geschlechter unterscheiden sich nicht. Jungvögel sind an der Oberseite gestrichelt und haben blasse Flecken auf den Flügeldecken. Die Unterseite ist kräftig gefleckt.

Von der Kapdrossel unterscheidet sich die insgesamt weniger olivfarbene Art durch den durchgehend gelben Schnabel ohne dunklen Schnabelfirst, den gelben Augenring, die deutlich schwärzlichen Zügel und die kontrastärmere Kehlfärbung.

Geografische Variation Es werden folgende Unterarten anerkannt:IOC World Bird List 15.1 ThrushesAviList Core Team. 2025. AviList: The Global Avian Checklist, v2025. AviList.v2025 T. a. abyssinicus , 1789, Nominatform – Eritrea und Äthiopien bis Norden, Westen und Mitte Kenias, äußerster Norden Tansanias, Norduganda und Südsudan T. a. deckeni , 1868J. Cabanis: Turdus Deckeni. In: Journal für Ornithologie, Band 16, Nummer 96, S. 412, 1868, Biodiversity Library – Nordosten Tansanias, farbenfreudiger und dunkler an der Oberseite als die Nominatform, Kehle graubraun mit zarter Strichelung T. a. oldeani & , 1935W. K. Sclater und R. E. Moreau: Turdus olivaceus oldeani. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club, Band 56, S. 13, 1935, Biodiversity Library – Nordtansania (Mbulu und Crater Highlands), grauer an der Brust, orangefarbenes Gefieder deutlich grauer T. a. bambusicola , 1908O. Neumann: Turdus olivaceus bambusicola In: Bulletin of the British Ornithologists' Club, Band 21, S. 56, 1908, Biodiversity Library – Osten der Demokratischen Republik Kongo bis Südwesten Ugandas und Nordwesten Tansanias, Kehle und Brust aschefarben, Steiß weißer T. a. baraka (, 1903)R. B. Sharpe: Merula baraka In: Bulletin of the British Ornithologists' Club, Band 14, S. 19, 1903, Biodiversity Library – Virunga-Vulkane und Südwestuganda, Ruwenzori-Gebirge, von unterer Brust bis Steiß und Flanken dunkel kastanienbraun T. a. nyikae , 1904A. Reichenow: Turdus nyikae. In: Ornithologische Monatsberichte, Band 12, Nummer 6, S. 95, 1904, Biodiversity Library – Osten und Süden Tansanias, Nordmalawi, Nordosten Sambias, insgesamt dunkler

Die vorgeschlagenen Unterarten T. a. mwaki und , 1981G. R. Cunningham-Van Someren und H. Schifter: Turdus abyssinicus mwaki. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club, Band 101, Nummer 3, S. 349, 1981, Biodiversity Library, T. a. porini und , 1981G. R. Cunningham-Van Someren und H. Schifter: Turdus abyssinicus porini. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club, Band 101, Nummer 4, S. 363, 1981, Biodiversity Library als Ersatz für T. a. fuscatus und , 1981G. R. Cunningham-Van Someren und H. Schifter: Turdus abyssinicus fuscatus. In: Bulletin of the British Ornithologists' Club, Band 101, Nummer 3, S. 348, 1981, Biodiversity Library werden als ununterscheidbar von der Nominatform angesehen.

Stimme Der Gesang des Männchens wird als kurze Folgen von 5–8 angenehm klingenden wechselnd hohen und tieferen Tönen beschrieben, oft von einem Triller gefolgt „tyuu-tii-tyuu-tii-tyuu-tii… tititrrrrrri“, jeweils über mehrere Sekunden, manchmal auch länger. Weitere Lautäußerungen sind ein „rrriiiii-rriiiiiitu-iiiiiii…“, im Morgengrauen ein kurzes, rollendes, „trrrip-trriiiit“ und über Mittag ein liebliches, hohes und mehrfach wiederholtes „swii-turr-tii-turr“. Die Rufe unterscheiden sich nicht von der Kapdrossel (Turdus olivaceus).

Lebensweise Die Art ist ein Standvogel und standorttreu, in Äthiopien kommen Höhenwanderungen vor (Strichvögel).

Die Nahrung besteht aus tierischem und pflanzlichem Material aller Art, gesucht wird auf dem Erdboden offen und im Schatten, unter Blättern, auch mit dem Fuß kratzend. Die Art folgt Dorylus Wanderameisen. Sie ist einzeln, paarweise oder in kleinen Gruppen von 3–4 Individuen anzutreffen.

Die Brutzeit liegt in Eritrea zwischen Juli und August, in Äthiopien zwischen Dezember und Januar sowie März und August, im Sudan zwischen Januar und April, in Kenia hauptsächlich zwischen März und Juni, oberhalb von 2200 m zwischen Dezember und April, ganzjährig in der Demokratischen Republik Kongo, In Ruanda zwischen März und Mai sowie Oktober und Dezember, in Sambia und Malawi zwischen September und Dezember. Oft wird das Revier viele Jahre lang genutzt. Das Nest ist eine große unordentliche Schale aus kleinen Zweigen, Wurzeln, Rinde, Gras, Moos, Flechten und Blättern in 2–5 m Höhe in einer Astgabel, auf einem Busch oder an einem Gebäudevorsprung. Das Gelege besteht aus 1–4 bläulich bis blass grünen Eiern mit gelblich oder rötlich braunen Flecken, die jeweils einzeln tageweise gelegt werden. Bebrütet wird über etwa 14 Tage.

Gefährdungssituation Die Abessiniendrossel gilt als nicht gefährdet (Least Concern).

Literatur J. F. Gmelin: Turdus abyssinicus. In: Systema Naturae. Editio decima tertia, aucta, reformata. Cura Jo. Frid. Gmelin (etc.)., Band 1, Teil 2, 1789, Biodiversity Library J. A. A. Nylander, U. Olsson, P. Alström und I. Sanmartín: Accounting for phylogenetic uncertainty in biogeography: a Bayesian approach to dispersal-vicariance analysis of the thrushes (Aves: Turdus). In: Systematic Biology, Band 57, S. 257–268, 2008, JSTOR

Weblinks

Macaulay Library

Einzelnachweise

Kategorie:Drosseln