Joel Greenspoon (* 11. Oktober 1920 in Charles Town in West Virginia; † 24. April 2004 in Denton) war ein US-amerikanischer Klinischer Psychologe sowie zuletzt Professor am University of Texas of the Permian Basin.P. A. Lamal: Joel Greenspoon (1920–2004). In: Behavior Analyst, 2004, 27, S. 287–289. vom 22. Februar 2017, abgerufen am 19. Februar 2026.
Leben Er erwarb seinen Bachelor-Abschluss 1941 an der University of Virginia. Von 1941 bis 1942 war er als Trainer an der Fishburne Military Academy in Waynesboro in Virginia tätig und diente anschließend von 1942 bis 1946 in der United States Army. Nach einigen Kursen an der Harvard University erwarb er 1947 einen Master-Abschluss in Psychologie an der University of Pennsylvania. Im selben Jahr wechselte er an die Indiana University Bloomington (IU), wo B.F. Skinner, William Verplanck und J. R. Kantor als Dozenten tätig waren und er zum Verhaltenstherapeut ausgebildet wurde. Dort promovierte er 1952 in Klinischer Psychologie.
Er lehrte zuerst am Pomona College in Kalifornien und forschte außerdem am U.S. Navy Electronics Laboratory in San Diego und bei Aerojet General in Sacramento. Dann bat man ihn, das Ph.D.-Programm in Klinischer Psychologie an der Florida State University zu leiten. Danach wechselte er an die Arizona State University (die dortige Abteilung für Psychologie war damals als das „Fort Skinner in der Wüste“ bekannt). Anschließend war er als Abteilungsleiter und dann als kommissarischer Dekan am Temple Buell College in Colorado, das spätere Colorado Women's College, tätig. Danach übernahm er die Abteilungsleitung während seines ersten Jahres als Professor an der University of Texas of the Permian Basin (UTPB). Hier wurde ihm auf dem Campus ein Mobilheim zur Verfügung gestellt, in dem er ein Rattenlabor einrichten konnte, sowie ein Büro, von dem aus er durch die Behandlung von Klienten Forschungsgelder einwarb. Dieses Mobilheim wurde zum „Zentrum für Verhaltensanalyse“, das durch seine klinische Praxis unterstützt wurde. 1974 wechselte er an die University of North Carolina at Charlotte (UNC), um dort den Lehrstuhl für Verhaltensanalyse zu übernehmen; nach zwei Jahren kehrte er 1976 an die UTPB zurück. Nach seiner Emeritierung an der UTPB im Jahr 1988 wechselte er als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit dem Titel „Gastprofessor“ an das Department für Verhaltensanalyse der University of North Texas, wo er weiterhin lehrte und forschte (u. a. am North Texas Autism Project mit autistischen Schulkindern).
Werk Er war, nicht zuletzt wegen seines Studiums bei B. F. Skinner, ein überzeugter Behaviorist und engagierte sich im Bereich der Verhaltensanalyse. Seine berühmte Studie, die 1955 im American Journal of Psychology veröffentlicht wurde („The Reinforcing Effect of Two Spoken Sounds on the Frequency of Two Responses“), zeigte, dass die Prinzipien der operanten Konditionierung auf die menschliche Sprache anwendbar sind und experimentell analysiert werden können. In der Studie wurde der Laut „Mmm-hm“ als positiver Verstärker verwendet, während „huh-uh“ als Bestrafer oder Hemmer fungierte. Das Experiment gilt weithin als erste Demonstration des „Greenspoon-Effekts“, bei dem menschliches verbales Verhalten durch Verstärkung verändert wird, ohne dass sich die Versuchsperson der Kontingenz bewusst ist.Verbal Conditioning auf EBSCO Information Services, abgerufen am 19. Februar 2026.L. Douglas DeNike; Charles D. Spielberger: Induced mediating states in verbal conditioning. In: Journal of Verbal Learning and Verbal Behavior, 1963, 1 (5), S. 339–345. Seine Arbeit zeigte unter anderem, dass die nicht-direktive Therapie von Carl Rogers möglicherweise nicht wirklich nicht-direktiv ist, da der nicht-direktive Therapeut auf einige Äußerungen des Klienten verbal reagiert. Er führte auch die verhaltenstherapeutische Methode der Gegenkonditionierung zur Behandlung von Angstzuständen ein, indem er angstauslösende Reize mit Reaktionen verknüpfte, die mit der Angst unvereinbar sind.
Ehrungen 2011: Award - Pioneer of Behavior Analysis in Texas der Texas Association for Behavior Analysis (TxABA)› awards TxABA Award Recipients, abgerufen am 19. Februar 2026. Präsident des ersten Vorstands der Texas Association for Behavior Analysis (TxABA)
Privates Er war 49 Jahre mit seiner Frau Alice verheiratet. Aus der Ehe stammten sein Sohn Michael aus Houston und seine Töchter Linda und Susan. Er galt als selbstloser Mentor, Lehrer und Freund, interessierte sich für Sport, las gerne Krimis und gärtnerte. Er verstarb im Alter von 83 Jahren an Leukämie.
Publikationen (Auswahl) Monografien The Sources of Behavior: Abnormal and Normal. Brooks/Cole Publishing Company, Pacific Grove 1976, ISBN 978-0-8185-0196-8. Verbal conditioning and clinical psychology. Experimental foundations of clinical psychology. Basic Books, New York 1962.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Ellyn M. Ellis; Shahla S. Ala’i-Rosales; Sigrid S. Glenn; Jesús Rosales-Ruiz: The effects of graduated exposure, modeling, and contingent social attention on tolerance to skin care products with two children with autism. In: Research in Developmental Disabilities, 2006, 27 (6), S. 585–598. Mit P. A. Lamal; Richard F. Rakos: Collegiate contingencies. In: The Behavior analyst, 2000, 23 (2), S. 219–238. Reminiscences. In: Behavior and Social Issues, 1994, 4 (1, 2), S. 51–67. Mit Sigrid S. Glenn; Janet Ellis: On the Revolutionary Nature of the Operant as a Unit of Behavioral Selection. In: American Psychologist, 1992, 47 (11), S. 1329–1336. Mit P. A. Lama: Congressional Metacontingencies. In: Behavior and Social Issues, 1991, 2 (1). Mit P. A. Lamal: Cognitive Behavior Modification - Who Needs it? In: The Psychological Record, 1978, 28 (3), S. 343–351. Mit C. D. Gersten: A new look at psychological testing: Psychological testing from the standpoint of a behaviorist. In: American Psychologist, 1967, 22 (10), S. 848–853. Mit A. Brownstein: Psychotherapy from the standpoint of a behaviorist. In: The Psychological Record, 1967, 17 (3), S. 401–416. Mit R. Ranyard: Stimulus conditions and retroactive inhibition. In: Journal of Experimental Psychology, 1957, 53 (1), S. 55–59. Mit S. Foreman: Effect of delay of knowledge of results on learning a motor task. In: Journal of Experimental Psychology, 1956, 51 (3), S. 226–228. The Reinforcing Effect of Two Spoken Sounds on the Frequency of Two Responses. In: American Journal of Psychology, 1955, 68, S. 409–416. I. J. Saltzman; F. H. Kanfer: Delay of Reward and Human Motor Learning. In: Psychological Reports, 1955, 1(2), S. 139–142.
Weblinks
Janet Ellis: Greenspoon, Joel auf History of Behavior Analysis von 2022, abgerufen am 19. Februar 2026. Joel Greenspoon's research while affiliated with University of North Carolina at Charlotte and other places auf Rersearch Gate, abgerufen am 19. Februar 2026. Joel Greenspoon, Ph.D.: Lecture on operant conditioning methods specific to intellectually-impaired population, transferred from audio cassette. auf YouTube, abgerufen am 19. Februar 2026.
Literatur Janet Ellis: Introduction to Joel Greenspoon’s Reminiscences. In: Behavior and Social Issues, 1994, 4 (1), S. 2376–6786.
Einzelnachweise
Kategorie:Psychologe Kategorie:Hochschullehrer (Florida State University) Kategorie:Hochschullehrer (Arizona State University) Kategorie:Hochschullehrer (University of North Texas) Kategorie:Geboren 1920 Kategorie:Gestorben 2004 Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Mann