Die Rostocker Stadtphysici waren in der frühen Neuzeit bis in das 20. Jahrhundert die Leiter des Gesundheitswesens in der Hansestadt Rostock.
Rostocker Stadtphysikat Der Stadtphysicus oder Stadtmedicus, der zugleich Gerichtsmediziner war, wurde in der Regel auf Lebenszeit bestellt und war dem Rostocker Rat direkt unterstellt. Er war seit dem Spätmittelalter ein vom Stadtrat (fest) bestallter Arzt und nahm neben seiner privaten Praxis, der Tätigkeit in den städtischen Spitälern oder an der Universität in etwa die Aufgaben eines heutigen Gesundheitsamtes wahr.
So prägte etwa die Neue Medicinal-Ordnung der Großherzoglichen Regierung für Mecklenburg-Schwerin vom März des Jahres 1830 bis ins 20. Jahrhundert die örtliche Gesundheitspolitik. Sie bestimmte unter anderem folgende Grundannahmen:
Die Aufgabe der Kreisphysici sei es, darauf zu achten, dass es in den Physikats-Bezirken des Landes eine ausreichende medizinische Versorgung gäbe, nur ein autorisierter Personenkreis für die medizinische Versorgung zur Verfügung stehen solle, Medizinal-Personen sollten sich nach der Medizinal-Ordnung richten, gutes Benehmen unter den Medizinal-Personen sei herbeizuführen, Aufsicht über das öffentliche Gesundheitswohl sei zu führen, Mitteilung darüber sei zu tätigen, Anzeigen von Viehseuchen und Krankheiten seien verpflichtend, Gerichtsärztliche Tätigkeiten seien zu gewährleisten, Aufsicht über die Wundärzte, Geburtshelfer, Hebammen, Apotheker und Tierärzte sei zu realisieren.Zitiert nach: Markus Schwarz: 1. Die Vorgeschichte – Wege und Irrwege in der öffentlichen Gesundheit in 800 Jahren Rostocker Stadtgeschichte. Siehe Literatur, hier S. 28.
Stadtphysici Name und Lebensdaten Amtszeit Studium Besonderheiten und Anmerkungen AbbildungPetrus Memmius1568–1581Utrecht ?1572 und 1578 Rektor der Universität Rostock, ab 1581 Stadtphysicus in LübeckWilhelm Lauremberg1568–1581RostockVon 1584 bis 1611 mehrfach Rektor der UniversitätHeinrich Pauli1594–1604Rostockauch Vertreter von Lauremberg, 1596 und 1602 Rektor der Universität,1604 Berufung zum Leibarzt der dänischen Königin Sophie (1557–1631) in NykøbingJohannes Assureus1605–1639Rostock (u. a.)80px|zentriertJoachim Stockmann1640–1653Rostock, Leipzig und Marburgfünfmal Rektor der UniversitätJohannes Backmeister1654–1665Wittenberg, Rostock, Greifswald, Leidensiebenmal Rektor der Universität Johan Jakob Doebelius1665–1684Königsberg, in Pommern, in Dänemark, Leiden zweimal Rektor der UniversitätBernhard Barnstorff1671–1704Wittenberg, Rostock, Leidensechsmal Rektor der UniversitätWilhelm David Habermann1705–1715Rostock, Kopenhagen und Königsbergzweimal Rektor der UniversitätChristoph Martin Burchard1716–1742Kiel, Amsterdammehrmals Rektor der Universität80px|zentriertJohann Bernhard Quistorp1743–1761Rostockmehrmals Rektor der UniversitätChristian Ehrenfried Eschenbach1762–1788Rostock18 Mal Rektor der UniversitätAugust Gottlieb Weber1789–1807 (1762–1807)Willgeroth S. 246Carl Ernst Theodor Brandenburg1808–?(1772–1827) legte 1817 seine Professur niederWillgeroth S. 249Carl Wilhelm Beust1817–1820(1796–1820)Willgeroth S. 251Christian Friedrich Ludwig Wildberg1821–1825(1765–1850)Johann Karl Friedrich Strempel1826–1830Rostock, BerlinGründer des Rostocker Universitätsklinikums80px|zentriertChristian Krauel1830–1839Rostock, GöttingenDirektor der Rostocker Universitäts-FrauenklinikJohann Friedrich Lesenberg1840–1857Rostockauch künstlerisch als Maler und Zeichner aktiv80px|zentriertWilhelm Lesenberg1857–1902Rostock, Würzburg und Göttingenab 1886 zudem Kreisphysicus80px|zentriertCarl Paul Friedrich Wilhelm Dugge1902–1933Tübingen, Rostock, München(1867–1945) letzter Stadtphysicus/Stadtarzt, ab 1904 auch KreisphysicusWillgeroth S. 293
Literatur Markus Schwarz: 1. Die Vorgeschichte – Wege und Irrwege in der öffentlichen Gesundheit in 800 Jahren Rostocker Stadtgeschichte. In: Vom Werden und Wachsen des öffentlichen Gesundheitswesens der Hanse- und Universitätsstadt Rostock – Eine historische Betrachtung zum 30-Jährigen Bestehen „Von der Wende bis Corona.“ Hansestadt Rostock, S. 25 ff (Rathaus Rostock PDF; 12,1 MB). Gustav Willgeroth, August Blanck, Axel Wilhelmi: Die mecklenburgischen Aerzte von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Verl. d. Landesgeschäftsstelle d. Meckl. Ärzteverbundes, Schwerin 1929 (RosDok). Neue Medicinal-Ordnung mit Anlage A. und B. – nebst Verordnung wegen Organisation der Medicinal-Commission mit Anlage A., B., C. und D. Schwerin, den 18ten Februar 1830 (RosDok). Herzoglich-Mecklenburg-Schwerinsche Medicinal- und Tax-Ordnung. de dato Schwerin den 20. Julii 1751 (RosDok).
Einzelnachweise
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