mini|Der Freihof mini|Tor mit Gedenktafel mini|Wappen der Herren Link von Kirchheim (von Gustav Adelbert Seyler) Der Freihof Kirchheim ist ein denkmalgeschütztes, historisches Fachwerkhaus in der Stadt Kirchheim unter Teck im baden-württembergischen Landkreis Esslingen. Das Anwesen, das in seinen ältesten Teilen noch aus dem Mittelalter stammt, diente im Laufe seiner Geschichte als Adelssitz verschiedener Geschlechter, als Kavallerie-Kaserne und als Wollmarkt. Zwischenzeitlich diente es auch Alchemisten als Studierstube. Derzeit beherbergt es Bildungseinrichtungen und eine Musikschule.
Beschreibung Das Schlössle ist ein dreigeschossiges, verputztes Gebäude mit kreuzförmigem Grundriss, erbaut im 15. Jahrhundert. Das Erdgeschoss ist massiv aus Stein gemauert, die oberen Stockwerke überwiegend aus Holz. Es weist mehrere Rundbogenportale auf sowie Wappenkartuschen. Im Inneren haben sich Stuckdecken aus der Zeit des Frühbarocks erhalten.
Geschichte Der Freihof befand sich früher außerhalb der Stadtmauern. Ursprünglich besaßen die Herren von Kirchheim das Anwesen. Mitte des 14. Jahrhunderts (1345) veräußerten die Kirchheimer den Hof an das Adelsgeschlecht Reuß. Anschließend kam das Schlösschen 1452 an die Herren von Wernau. Von dieser Familie erwarb ihn Albert Thumb von Neuburg. Auf diesen folgte Eitel-Hans von Hedingen sowie die von Speth. 1482 verkaufte Ulrich von der Burg und seine Frau Agnes von Lichteneck den Hof an den Grafen Eberhard von Württemberg, der ihn jedoch nicht lange behielt. Für das Jahr 1493 sind die von Zyllnhart als Eigentümer verzeichnet. 1584 kam der Freihof an Leo von Freyberg zu Neidlingen. 1600 kaufte der Herzog Friedrich von Württemberg das Schlösschen für 7000 Gulden zurück und übergab es seinen Hof-Alchemisten Neuscheler und Mühlenfels, die in dem Gebäude ihr Laboratorium einrichteten. Der Herzog hoffte, mit Hilfe der Alchemisten Gold künstlich herstellen zu können. Nachdem die Experimente keinen Erfolg gezeitigt hatten, veräußerte das Haus Württemberg den Freihof 1608 an Hans-Ulrich Link, der wahrscheinlich ein Bürgerlicher war. Link wurde in die Schwäbische Reichsritterschaft aufgenommen und seine Familie nannte sich fortan Link von Kirchheim. Den Dreißigjährigen Krieg überstand das Gebäude ohne größere Schäden. 1690 erwarb der kaiserliche General-Feldzeugmeister Christoph von Barner den Freihof. Der ursprünglich aus Mecklenburg stammende Barner hatte sich im Kampf gegen die Franzosen und die Türken einen Namen gemacht. Barners Tochter Sophie Charlotte (* 1684; † 1713) war mit Christoph Ferdinand von Degenfeld verheiratet. Auf diese Weise erbten die Freiherren von Degenfeld das Anwesen. Auf diese folgten schließlich die von Gaisberg. Der Freihof war bis zu ihrer Auflösung in die Reichsritterschaft immatrikuliert und musste Steuern an diese abführen.
1811 erwarben ihn die Stadt von dem Generalleutnant von Phul. Danach diente der Freihof als Kaserne der Kavallerie. Der Umbau zu einer Reiterkaserne mit Stallungen kostete den Staat etwa 36.000 bis 40.000 Gulden, doch bereits 1836 gab das württembergische Kriegsministerium das Schloss an die Stadt zurück. Seit 1819 wurde der Hof als Wollmarkt genutzt. Dafür wurden die alten Gebäude in Wollmagazine umgebaut. Während des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) diente der Freihof nochmals als Kaserne. Heute (2026) dient das Gelände des Freihofs als Grund- und Realschule.
Literatur
Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Kirchheim. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, Stuttgart und Tübingen 1842, S. 119.
Einzelnachweise
Kirchheim Kategorie:Schloss auf der Schwäbischen Alb Kategorie:Bauwerk des Hauses Württemberg Kategorie:Bauwerk der Gaisberg Kategorie:Erbaut im 15. Jahrhundert Kategorie:Bauwerk in Kirchheim unter Teck