mini|hochkant|Wappen derer von Schweckhausen (1653) im Wappenbuch des Westfälischen Adels Simon Heinrich von Schwechhausen (auch: Schweichhausen, Schweckhausen o. ä.) (* um 1614; † nach 1655) war Bremer Patrizier, Jurist, anhaltisch-bernburgischer Hofmeister und Rat sowie sächsisch-weimarischer Obristleutnant und Hofmeister.

Leben Simon Heinrich Schwechhausen wurde als Sohn eines Bremer Patriziers geboren. Sein Großvater Heinrich Schwechhausen war Bremer Ratsherr. Simon Heinrich war zeitweise in England im Kriegsdienst, als Fähnrich, Leutnant, Capitän-Leutnant und Rittmeister. Am 28. April 1646 stellte er sich bei Fürst Christian II. von Anhalt-Bernburg (1599–1656) als möglicher neuer Hofmeister für dessen Kinder vor. Christian II. notierte hierzu:

Der Schweichhausen, welcher Meiner kinder hofmeister werden will, hat sich præsentiret, sich zu offeriren zu meinen diensten. Er hat fein studiret, kan sein latein, Frantzösisch, Engelländisch vndt Jtaliänisch, verstehet das Spannische, hat seine iura studirt, voltigiret, ficht, vndt schläget auf der lautte vndt jnstrument, kan reißen, vndt verstehet die Mathematica, Jst per gradus militiæ gegangen in Engellandt, also das er, Fendrich, leütenampt, capitain leütenampt, vndt Rittmeister, successive worden, hat viel: vndt mancherley gefahr, zu waßer, vndt zu lande, außgestanden, vndt allerley, auf seinen peregrinationibus erfahren, Jst der reformierten religion zugethan, etwan: 32 iahr altt, vndt ein patritius von Brehmen. Sein vatter, beherberget vnß. Es ist aber, keine gemeine herberge, sondern geschiehet nur, vnß zu gefallen. Sein Großvatter, ist ein Rahtsherre gewesen.Tagebuch des Fürsten Christian II. von Anhalt-Bernburg: April 1646, WDB – Wolfenbütteler Digitale Bibliothek, S. 105 (PDF; 812 KB, abgerufen am 16. Februar 2026).

Simon Heinrich wurde daraufhin Hofmeister von dessen Söhnen Prinz Erdmann Gideon (1632–1649) und Prinz Viktor I. Amadeus von Anhalt-Bernburg (1634–1718). Gleichzeitig war Simon Heinrich anhaltisch-bernburgischer Rat. Im Anschluss war er ab 1649 sächsisch-weimarischer Hof- und spätestens 1651 Kammerjunker. 1651 trat er der Fruchtbringenden Gesellschaft, der mit 890 Mitgliedern größten literarischen Gruppe des Barocks, bei und wurde dessen erster Weimarer Erzschreinhalter. Sein Beiname war „Der Eigentliche“, sein Gesellschaftswort „Vereiniget die Streitenden“ und seine Pflanze das „Weyderich Rößlein“. Im Jahr des Beitritts zur Fruchtbringenden Gesellschaft wurde er zum Obristleutnant befördert. Zwei Jahre später, am 26. Juli 1653, wurde Simon Heinrich Schwechhausen zusammen mit seinem Bruder Lambert vom Kaiser in den rittermäßigen Adelsstand für das Reich und die Erblande erhoben.AT-OeStA/AVA Adel RAA 386.31. 1654/1655 war Simon Heinrich Hofmeister der Herzöge Bernhard von Sachsen-Jena (1638–1678) und Friedrich von Sachsen-Weimar (1640–1656).

Im August 1655 reiste er mit anderen zur Abholung des Leichnams des 1639 verstorbenen Herzogs Bernhard von Sachsen-Weimar (1604–1639) nach Breisach am Rhein. Im selben Jahr wurde er aus dem weimarischen Hofdienst und aus anderen Aufgaben wegen „Malträtierens“ von Pferden entlassen.532 Heinrich von Schwechhausen (Der Eigentliche) in der Mitgliederdatenbank der Fruchtbringenden Gesellschaft, abgerufen am 17. Februar 2026. Sein Nachfolger als Erzschreinhalter der Fruchtbringenden Gesellschaft war der Liederdichter, Musiker und Poetiker Georg Neumark (1621–1681). Simon Heinrichs Todesdatum ist nicht bekannt.

Wappen Blasonierung des Wappens von 1653: In Blau ein silberner rechtsschräger Strom, oben und unten von einer silbernen Lilie begleitet. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Helmdecken fünf (sechs) silberne Turnierstangen mit blauen Wimpeln.Spießen (1901–1903), S. 117.

Den Adel und das Wappen bekam Simon Heinrich vom Kaiser Ferdinand III. (1608–1657) verliehen, weil er der Krone Englands und Frankreich im Krieg ritterlich gedient habe und in sechs Schlachten gewesen sei. Deshalb zeige das Wappen auf seinem Helm sechs Fähnlein.Georg Andreas Böckler: Ars Heraldica. Das ist die Hoch-Edle Teutsche Adels-Kunst, Nürnberg 1688, S. 125 (Google Bücher).Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, Nürnberg 1772, S. 22 (Google Bücher). Während das Wappenbuch der Fruchtbringenden Gesellschaft und Johann Siebmacher tatsächlich sechs Fähnlein darstellen, sind es bei Max von Spießen nur fünf. Darüber hinaus ordnet Von Spießen das Wappen fälschlicherweise dem Ort Schweckhausen bzw. dem Schloss Schweckhausen im Kreis Höxter zu, offenbar weil Siebmacher das Wappen in der Kategorie Braunschweigischen Nidersächsische bringt.Siebmacher (1772), Tfl. 142.

Literatur Johann Siebmacher: Johann Siebmachers allgemeines großes und vollständiges Wappenbuch, 3. Teil, 9. Ausgabe, Nürnberg 1772, Tfl. 142 (uni-goettingen.de). Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 117 (hhu.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 293 (hhu.de). Wapen-Buch Derer Unter dem Durchleuchtigen Schmakkhaften als erwehltem Oberhaupte des Palmenordens Eingetretenen Fruchtbringenden Gesellschafter vom Jahr 1651 an, Handschrift, 1651–1662 Weimar, S. 23 (klassik-stiftung.de).

Weblinks Österreichisches Staatsarchiv, AT-OeStA/AVA Adel RAA 386.31 Schwechhausen, Heinrich, Lambert, Brüder, herzoglich Sachsen-Weimarer Rat und Kammerjunker, rittermäßiger Adelsstand für das Reich und die Erblande, privilegium denominandi, Lehenbesitzfähigkeit, 1653.07.26.

Einzelnachweise

Kategorie:Nobilitierter (HRR) Kategorie:Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 17. oder 18. Jahrhundert Kategorie:Mann