Jacoba Froukje Keegstra alias Koos Pot-Keegstra (* 29. Juli 1908 in Amsterdam; † 16. Mai 1997 in Amsterdam) war eine niederländische Architektin und Pionierin der modernen niederländischen Architektur. Sie war die Tochter von Harke Keegstra, Vorsitzender der Amsterdamer Wohnungsbaugesellschaft „De Samenwerking“ einem Wegbereiter auf dem Gebiet des genossenschaftlichen Wohnungsbaus in Amsterdam, und Wietske Posthuma, einer Lehrerin. Am 27. Mai 1938 heiratete sie den Architekten Johan Willem Hindrik Cornelis Pot. 1944 wurde ihre Tochter Fraukje geboren.

Werk mini|Oranjehof in Amsterdam Keegstra wuchs in Amsterdam auf und besuchte viele Bauprojekte mit ihrem Vater. Viele prominente Amsterdamer, darunter Stadtrat F. M. Wibaut für Wohnungswesen, besuchten die Familie. Schon als Kind interessierte sich Koos für die Bauprojekte, an denen ihr Vater arbeitete. Nachdem sie 1927 am Amsterdamer Lyceum ihr Abitur gemacht hatte, wollte Koos Keegstra Architektin werden, was für ein Mädchen zu dieser Zeit sehr ungewöhnlich war. Als einzige weibliche Schülerin erhielt sie einen Platz in der Abteilung Bauwesen der MTS (Middelbare technische school, vergleichbar Fachhochschule) in Haarlem, wo sie 1930 ihren Abschluss machte. Nach ihrer Ausbildung an der MTS arbeitete sie im Architekturbüro Heineken en Kuipers in Amsterdam und studierte abends an der Amsterdamer Akademie für Baukunst. 1936 legte sie dort ihr Abschlussprüfung ab und erhielt als erste Frau das Diplom „hooger bouwkunst onderricht“ (höhere Baukunstausbildung). Von 1936 bis 1938 arbeitete Keegstra bei Publieke Werken (Öffentliche Bauplanung, Brücken, Infrastruktur, Stadtentwicklung, Tiefbauamt) in Amsterdam, zunächst als Zeichnerin und später als technische Aufsichtsperson.

Nach ihrer Heirat 1938 zogen Keegstra und Pot nach Kijkduin, wo sie bei der Rijksgebouwendienst (staatliche Gebäudeverwaltung) zu arbeiten begann. Außerdem gründeten sie gemeinsam das Architekturbüro Pot-Keegstra.

Das erste Projekt des Duos war der Oranjehof in Amsterdam-West, ein 108 Wohnungen umfassendes Wohnhaus aus dem Jahr 1942 für alleinstehende berufstätige Frauen. Durch dieses Projet machten sie sich einen Namen in der niederländischen Architekturszene. Jeder von ihnen hatte seinen eigenen Ansatz. Joop Pot beschäftigte sich hauptsächlich mit Details und architektonischen Formen, Koos Pot-Keegstra hingegen vor allem mit Grundrissen und Räumlichkeit. Der Bergerhof war das erste Viertel in Alkmaar mit Reihenhäusern und einer völlig neuen Grundrissgestaltung der Häuser, nämlich dem sogenannten Split-Level-Grundriss. Dies bot viele Möglichkeiten und vor allem viel Platzgewinn. Bei diesem und späteren Wohnbauprojekten wird deutlich, dass insbesondere Koos Pot-Keegstra von der praktischen und funktionalen Gestaltung der Wohnung ausging. Damit knüpfte sie an die Ideen der Neuen Sachlichkeit und des Guten Wohnens an.

Während des Wiederaufbaus nach dem Krieg arbeiteten sie in den 1940er- und 1950er-Jahren an verschiedenen großen Wohnbauprojekten, Schulen und der Kirche in De Waal (Texel, 1948–1951). Die Arbeit von Keegstra und Pot bestand in der Lösung neuer, moderner Aufgaben, wie beispielsweise der Schaffung von Wohnraum für Studenten oder Senioren. mini|Die sechs Türme des Bijlmerbajes Keegstra ist vor allem für ihre Rolle als Chefarchitektin des Bijlmerbajes (offiziell Penitentiaire Inrichting Amsterdam Over-Amstel (Justizvollzugsanstalt Amsterdam Over-Amstel)) bekannt. Die Idee hinter dem Bijlmerbajes war nicht, Menschen einzusperren, sondern diesen aus der Gesellschaft ausgestoßenen Menschen in einer Art „Hotel“ (wie sie es selbst nannte) zu helfen, sich zu erholen. Als Pot 1972 verstarb, führte Keegstra das Projekt selbst fort. Im Jahr 1978 wurde das Gebäude fertiggestellt.

Frauen des AUP (Stadterweiterungsplan) Im Frühjahr 2024 (von März bis Juli mit einer Verlängerung) widmete das Van Eesteren Museum vier Architektinnen, die für den Dienst der Publieke Werken (Dienststelle für öffentliche Arbeiten) tätig waren eine Ausstellung. Sie waren maßgeblich am Stadterweiterungsplan (Niederländisch Algemeen Uitbreidingsplan (AUP)) von Cornelis van Eesteren und Ko Mulder beteiligt. Dabei wurde nicht nur das Werk von Ko Mulder selbst beleuchtet, sondern auch die Arbeiten von Manon Peyrot, Koos Pot-Keegstra und Anna van Hattem.

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