Jarmila Barton (* ?; † nach 1952) war eine tschechoslowakische Opernsängerin (Sopran), die in Wien, Salzburg, Graz und an der Mailänder Scala auftrat.

Leben und Wirken Jarmila Barton ist insbesondere für ihre Auftritte an der Wiener Staatsoper (1943–1951) und bei den Salzburger Festspielen (1946) bekannt.

In der Spielzeit 1931/32 trat sie am Stadttheater Zürich unter der musikalischen Leitung von Victor Reinshagen in der Knabenrolle des 13-jährigen Königs Ludwig XIV. in der Revue-Operette Die drei Musketiere von Ralph Benatzky auf.Die drei Musketiere. Besetzungsliste. In: Jahrbuch - Stadttheater Zürich, Band 10, Seite 26, Verlag des Zürcher Stadttheaters, 1931. Eine Verwandtschaft mit dem ab der Spielzeit 1929/30 ebenfalls am Stadttheater Zürich engagierten sudetendeutschen Heldentenor Johann Barton, der u. a. an der Staatsoper Berlin und am Deutschen Theater in Brünn auftrat, ist anzunehmen, konnte aber bisher noch nicht anhand amtlicher Dokumente verifiziert werden.

Zur Spielzeit 1943/44 wurde Barton als Anfängerin an die Wiener Staatsoper verpflichtet, wo sie als Gräfin Ceprano in Rigoletto debütierte und in ihrer kleinen Rolle „ansehnlichen Eindruck“ machte. Im Dezember 1943 übernahm sie in den Wiener Aufführungen anlässlich des 50. Jahrestages der Uraufführung der Märchenoper Hänsel und Gretel das Sandmännchen, dessen „kleinen Spruch [sie] sehr hübsch sang“. Im Februar 1944 sang sie unter der musikalischen Leitung von Rudolf Moralt zum ersten Mal die Zweite Dame in Die Zauberflöte, wobei sie sich „mit schöner Stimme und sicherer Musikalität glücklich dem Ensemble einzufügen“ wusste.

Im Mai 1944 übernahm sie an der Wiener Staatsoper in einer musikalischen Neueinstudierung der Oper Der Rosenkavalier die Rolle der Jungfer Marianne Leitmetzerin, „wobei sie mit ihren ansprechenden Gesangsmitteln den aufgeregten Wortschwall der geschwätzigen Duenna in köstlicher Drastik zur Geltung brachte“. Die Jungfer Marianne Leitmetzerin galt fortan als ihre „Glanzrolle“, die sie im Wiener Rosenkavalier in insgesamt 52 Vorstellungen und im August 1946 in Salzburg 6-mal verkörperte.Der Rosenkavalier. Besetzungslisten vom August 1946. Spielplanarchiv der Salzburger Festspiele. Abgerufen am 29. Juni 2026. Die Salzburger Neuinszenierung wurde von Oskar Wälterlin inszeniert und von Hans Swarowsky dirigiert.

Das Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper verzeichnet von Jarmila Barton insgesamt 238 Auftritte in 21 verschiedenen Opern, zumeist in kleineren Rollen. In Wien sang sie jedoch auch eine Reihe von Hauptrollen, u. a. die Marie in Die verkaufte Braut, die Antonia in Hoffmanns Erzählungen, die Micaëla in Carmen, die Cio-Cio-San in Madama Butterfly und die Mimì in La Bohème. Die Marie, die sie im Juni 1944 erstmals an der Wiener Staatsoper sang, wurde von der zeitgenössischen Tagespresse sehr positiv aufgenommen.

In der Spielzeit 1945/46 gastierte Barton mehrfach als Marie in Die verkaufte Braut in der Wiener Volksoper. Im April 1946 sang sie im Theater an der Wien zum ersten Mal die Rolle der Mimì in La Bohème mit Wenko Wenkoff, Georg Oeggl und Ljuba Welitsch als Partnern. Im Oktober 1946 sang sie in der Wiener Volksoper die Marie in Die verkaufte Braut in einer Festaufführung anlässlich des tschechoslowakischen Staatsfeiertages, wobei sie „mit ihrer schön geführten Stimme eine beachtliche Leistung bot.“ Im Februar 1947 übernahm sie im Theater an der Wien in einer Neueinstudierung der Oper La Traviata, mit Elisabeth Schwarzkopf und Anton Dermota in den Hauptrollen, die Rolle der Flora Bervoix.

Jarmila Barton trat auch als Konzertsängerin hervor. Am 7. Dezember 1943 war sie in einer Wehrmachtsveranstaltung im Wiener Konzerthaus zu hören.Die 18.000 Wehrmachtsveranstaltung. Programmhinweis auf der Website des Konzerthauses. Im April 1946 war sie unter der musikalischen Leitung von Josef Krips die Solistin bei einem Chorkonzert des Wiener Staatsopernchors im Rex-Theater. Am 18. Jänner 1947 übernahm sie die Rolle der Cleopatra in einer konzertanten Aufführung von Händels Giulio Cesare in Egitto im Konzerthaus, es spielte das Wiener Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Kurt Rapf.»Giulio Cesare in Egitto« Programmhinweis auf der Website des Konzerthauses. Ebenfalls 1947 trat sie beim Schubert-Festkonzert des Wiener Männergesang-Vereins, geleitet von Ferdinand Grossmann, auf.Konzert Wiener Männergesang-Verein. Programmhinweis auf der Website der Wiener Philharmoniker.

Im Jänner 1949 gastierte sie am Opernhaus Graz als Marie in Die verkaufte Braut.Gastspiel im Opernhaus. In: Neue Zeit vom 9. Jänner 1949, S. 2. Im April 1949 gastierte sie mit dem Ensemble der Wiener Staatsoper in einer Aufführung des Ring-Zyklus von Richard Wagner an der Mailänder Scala.DER RING DES NIBELUNGEN ALLA SCALA. Besetzungen. Abgerufen am 30. Juni 2026. Im Oktober 1949 gastierte sie am Opernhaus Graz unter der musikalischen Leitung von Ernst Märzendorfer als Cio-Cio-San in Madame Butterfly.Jarmila Barton als Gast in „Madame Butterfly“. In: Neue Zeit vom 27. Oktober 1949, S. 2.Gastspiel Jarmila Barton. In: Neue Zeit vom 29. Oktober 1949, S. 2. Im Jänner 1952 gastierte sie mit dem Ensemble der Wiener Staatsoper unter der musikalischen Leitung von Herbert von Karajan als Leitmetzerin in Der Rosenkavalier an der Mailänder Scala.ROSENKAVALIER, DER. Besetzung vom 26. Jänner 1952. Abgerufen am 30. Juni 2026.

Jarmila Barton war bis zum Ende der Spielzeit 1949/50 festes Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper.Jarmila Barton. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1950. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 58. Jg., Berlin 1950, S. 282 und 334 (Register). Für die Spielzeit 1950/51 ist sie im Deutschen Bühnenjahrbuch noch als Sängerin ohne festes Engagement verzeichnet.Jarmila Barton. In: Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (Hrsg.): Deutsches Bühnenjahrbuch 1951. Theatergeschichtliches Jahr- und Adreßbuch. Theater – Film – Funk – Fernsehen. 59. Jg., Berlin 1951, S. 351 (Register). Weitere biografischen Informationen liegen nicht vor.

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Einzelnachweise

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