Victor Gustav Georg Jungfer (* 6. Mai 1893 in Hirschberg im Riesengebirge, heute Jelenia Góra; † 21. April 1964 in Nürnberg) war ein deutscher Volkswirt, Schriftsteller und Übersetzer, der als kultureller Vermittler zwischen Deutschland und Litauen wirkte. Nach Studienjahren in München und Freiburg promovierte er 1921 und habilitierte sich 1925 in KaunasDie Professoren und Dozenten der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen 1743–1960, Teil 3, Seite 102. Dort lehrte er bis 1939 an der Universität und entwickelte sich zu einem der wichtigsten deutschen Kenner der litauischen Kultur. Mehrere seiner Werke zur litauischen Volkskunde und Geschichte wurden während der NS-Zeit verbotenhttps://www.balticsealibrary.info/authors/german/item/502-jungfer-victor.html.
Leben Jungfer begann 1913 ein Studium der Nationalökonomie und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, das durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde. Während des Krieges war er in Litauen eingesetzt, wo er die litauische Sprache erlernte und intensive Kontakte zur litauischen Intelligenz knüpfte. Er förderte aktiv die Entwicklung einer unabhängigen litauischen Wissenschaft und Kulturhttps://www.vle.lt/straipsnis/victor-jungfer/ – im Gegensatz zur Besatzungspolitik des deutschen Militärs.
Nach Kriegsende setzte er sein Studium fort und promovierte am 28. Oktober 1921 an der Universität Freiburg im Breisgau zum Dr. rer. pol. 1925 habilitierte er sich in Kaunas, Litauen, und lehrte dort bis 1939 als Dozent für Wirtschaftsgeschichte, Soziologie und Statistik an der Universität Kaunas.
Von 1938 bis 1940 war er an der Universität Wilna (damals Polen) tätig. Am 3. November 1941 wurde er zum apl. Professor für Allgemeine Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Volkskunde und Volksordnung an der Adam-Mickiewicz-Universität Posen ernannt, wo er bis zum 20. Januar 1945 wirkte.
Am 30. August 1944 heiratete er Anneliese Jahreis.
Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er seine akademische Laufbahn in Nürnberg fort. Ab dem 18. Dezember 1946 war er als Lehrbeauftragter an der Höheren Handelsschule Nürnberg tätig, später als Diätendozent für Volkswirtschaftslehre, Soziologie, Soziologische Volkskunde und Statistik. Am 1. September 1953 wurde er zum außerordentlichen Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsstatistik ernannt. Am 1. Juni 1958 erfolgte seine Emeritierung.
Werk und Bedeutung Ein großer Teil Jungfers schriftstellerischen und wissenschaftlichen Werkes beschäftigt sich mit der litauischen Kultur und Volkskunde, die er während und nach dem Ersten Weltkrieg kennengelernt hatte.
Seine Bedeutung liegt in seiner Rolle als kultureller Brückenbauer zwischen Deutschland und Litauen. Zu einer Zeit, als litauische Kultur im deutschsprachigen Raum wenig bekannt war, veröffentlichte er grundlegende Werke zur litauischen Volkskunde, Geschichte und Literatur.Victor Jungfer: Kulturbilder aus Litauen. Ein Beitrag zur Erkenntnis des litauischen Volkstums, Fritz Würtz, Berlin und Riga, 1918.Victor Jungfer: Litauen, Antlitz eines Volkes , Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1938. Seine Übersetzungen litauischer Volkslieder und seine Darstellungen litauischen Lebens machten die baltische Kultur einem deutschen Publikum zugänglich.Litauischer Liederschrein. Volkslieder in deutschen Übertragungen und Nachdichtungen, Deutsche Buchhandlung, Kaunas, 1939.
Bereits 1925 habilitierte er sich an der Universität Kaunas als einer der ersten deutschen Akademiker mit Lehrtätigkeit im unabhängigen Litauen. Er knüpfte zahlreiche Kontakte zu litauischen Intellektuellen und förderte aktiv die Entwicklung einer unabhängigen litauischen Wissenschaft und Kultur.
Jungfer stand der Repression Litauens durch das deutsche Militär im Ersten Weltkrieg kritisch gegenüberVictor Jungfer: Das Gesicht der Etappe. Ein Kulturroman, Fritz Würtz, Berlin und Riga, 1919., später wurden mehrere seiner Werke während der NS-Zeit verboten. Andererseits zeigte er eine ausreichende Anpassungsfähigkeit, erst im Kaiserreich, dann in der NS-Zeit, um stets im offiziellen akademischen System zu verbleiben.
Veröffentlichungen (Auswahl) Kulturbilder aus Litauen. Ein Beitrag zur Erkenntnis des litauischen Volkstums, Fritz Würtz, Berlin und Riga, 1918. Online Internet Archiv Das Gesicht der Etappe. Ein Kulturroman , Fritz Würtz, Berlin und Riga, 1919 – in der NS-Zeit verboten. Alt-Litauen. Eine Darstellung von Land und Leuten, Sitten und Gebräuchen, G. Neuner, Berlin, 1926 – enthält die zusammen mit Kazimirs Jasėnas ins Deutsche übersetzte Schrift „Būda Senowes Lietuvii ir Kalnienu“ von Simanas Daukantas. Online Internet Archiv Hinter den Seen, hinter den Wäldern. Bilder litauischen Volkstums, Gräfe und Unzer, Königsberg, 1932. Litauen, Antlitz eines Volkes, Breitkopf und Härtel, Leipzig, 1938 – in der NS-Zeit verboten. Online Internet Archiv Litauischer Liederschrein. Volkslieder in deutschen Übertragungen und Nachdichtungen, Deutsche Buchhandlung, Kaunas, 1939. Online Internet Archiv Der Weg der Skaringa , Langen Müller, München, 1940. Irka, Adam Kraft, Karlsbad, 1945. Geistige Wandlungen der Gegenwart in ihrem Einfluss auf Wirtschaft und Staat, Glock und Lutz, Nürnberg, 1954.
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Einzelnachweise
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