mini|Mathilde Anna Cohen Tervaert-Israëls Mathilde Anna Cohen Tervaert-Israëls (geboren 14. Februar 1864 in Amsterdam; gestorben 18. Februar 1945 in St. Gallen) war eine niederländische Frauenrechtlerin.
Leben Mathilde Israëls wurde am 14. Februar 1864 in Amsterdam geboren. Ihr Vater war der Maler Jozef Israëls, ihre Mutter Aleida Schaap (1843–1894). In der Familie wurde sie Masje genannt und ihr Vorbild war der Maler Mari ten Kate, der auch in der Familie lebte. Sie hatte einen jüngeren Bruder Isaac Lazarus, der wie sein Vater Künstler wurde, und eine 1866 geborene Schwester Rebecca Maria, die noch im selben Jahr verstarb. Ihre Eltern, Geschwister und sie waren Juden, ihr Vater hatte eigentlich Rabbiner werden wollen, sich dann jedoch für eine Karriere als Künstler entschieden, und sie wuchs in einer liberalen Atmosphäre auf, in der jüdische Traditionen kaum gepflegt wurden. Die Familie zog 1871 nach Den Haag. Dort wohnten sie in der Koninginnegracht. Zunächst im Haus Nr. 6, ab 1873 im Haus Nr. 2. Ihr Vater war oft auf Reisen, um zu Malen, aber auch für Ausstellungen. Regelmäßig wurde er auf seinen Reisen von seiner Familie begleitet. Im Jahr 1877 führte das dazu, dass die vier eine Reise durch Europa unternahmen, über Paris nach Turin, Rom, Pisa, Neapel, dann über Rom, Mailand, Venedig, Verona und München wieder zurück nach Den Haag. Ab 1878 besuchten sie jährlich den Salon de Paris. Mathilde Israëls sah früh viel von der Welt und lernte viel über Kunst. Durch ihre Mutter wurde ihr Interesse zur Literatur, insbesondere zur französischen, geweckt. Es ist nicht bekannt, ob sie eine formale Ausbildung erhielt.
Am 12. Mai 1887 heiratete Mathilde Israëls in Den Haag nach jüdischem Recht in ihrem Elternhaus den Hals-Nasen-Ohren-Arzt Gerard David Cohen Tervaert (1856–1923). Sie waren zuvor sieben Jahre verlobt. Cohen Tervaert war ein Cousin mütterlicherseits, er hatte sich im Juli 1885 als Arzt in der Hofstraat 13 in Den Haag niedergelassen und war ab 1903 als erster HNO-Arzt am Städtischen Krankenhaus Zuidwal in Den Haag tätig. Nach der Hochzeit lebten sie in der Parkstraat 10 in Den Haag und bekamen vier Kinder, Dirk Gerard (geb. 1888), Aleida Anna Maria (geb. 1889), Jozeph Marie Theodoor (geb. 1890) und Gerard Matthijs (geb. 1895). Die jüdische Religion spielte in ihrer Erziehung praktisch keine Rolle.
Frauenrechtlerin Mathilde Cohen Tervaert-Israëls engagierte sich ab 1895 in zahlreichen Frauenorganisationen. Sie zählte 1897 zu den Gründungsmitgliedern des „Vereins für den gegenseitigen Schutz von Frauen“. Der Verein setzte sich für alleinstehende Frauen und unverheiratete Mütter ein. Dem Vorstand, später auch als Präsidentin der Den Haager Niederlassung, gehörte sie von 1902 bis 1912 an und trat um 1907, wie zuvor ihr Vater, dem Verein für das Frauenwahlrecht bei. Dort arbeitete sie unter anderem mit Aletta Jacobs zusammen. Neben Wilhelmina Drucker und Mietje Rutgers-Hoitsema zählte sie 1912 zu den Initiatorinnen des Komitees für Mütterschutz und Sexualreformen und gehörte dem Vorstand des ebenfalls in dem Jahr gegründeten internationalen Vereins zum Schutz von Frauen an. Zu der Zeit trat sie der Liberalen Union bei, die sie 1921 in die Liberale Staatspartei, den Vrijheidsbond, überführte, eine Fusionspartei. Auch in der Partei engagierte sie sich in der Frauengruppe. Neben den administrativen Aufgaben, die diese Vereins- und Parteiämter bedeutete, hielt sie Vorträge in den Niederlanden, für die Organisationen, denen sie angehörte.
Nachdem im April 1923 ihr Mann Gerard David Cohen Tervaert überraschend gestorben war, zog sie zwei Monate später in die Luikschestraat 20 in Den Haag und setzte ihre gesellschaftlichen Aktivitäten fort. Sie wurde 1924 in den Vorstand des Niederländischen Verbandes der Bürgerinnen (NVS) aufgenommen und nahm im Dezember desselben Jahres im Namen der Freiheitsliga einen Sitz im Provinzialrat von Südholland ein. Cohen Tervaert-Israëls zog 1928 nach Scheveningen und wurde Vorsitzende des NVS. Diese Position nutzte sie, um eine Fusion mit der Niederländischen Union für Fraueninteressen, aus der 1930 der Niederländische Verband für Fraueninteressen und Gleichberechtigung (NVVGS) hervorging, durchzuführen. Für kurze Zeit gehörte sie dem Vorstand der VVVGS an, doch viele Jahre war sie Mitglied im Redaktionsausschuss von „Vrouw en Gemeenschap“ (Frau und Gemeinschaft), dem Organ des Verbandes.
Späte Jahre mini|Jozef und Isaac Israëls An ihrem 70. Geburtstag, dem 14. Februar 1934, wurde Mathilde Cohen Tervaert-Israëls in Den Haag für ihren Einsatz für den Schutz und die Rechte der Frauen im Hotel De Witte Brug mit einem großen Empfang geehrt und sie wurde dabei zum Ritter des Ordens von Oranien-Nassau geschlagen. Ihr wurden in der Zeitschrift „Vrouw en Gemeenschap“ sechs Seiten gewidmet. Danach trat Cohen Tervaert-Israëls als Präsidentin der Haager Ortsgruppe des Vereins für den gegenseitigen Schutz der Frauen zurück, und im April 1935 legte sie ihr Amt im Provinzialrat nieder.
mini|Aletta jacobs, Isaac Israëls, 1931 Ihr Bruder Isaac Israëls starb bei einem Verkehrsunfall im Oktober 1934. Mathilde Cohen Tervaert-Israëls trat als Alleinerbin den Nachlass ihres Vaters und Bruders an. Sie verwaltete die Sammlung der Kunstwerke sorgsam, dabei wurde sie von Hendrik Enno van Gelder, dem damaligen Direktor des Haager Kunstmuseums beraten. Sie wählte Werke aus, die in der Familie bleiben sollten, verkaufte einige und verschenkte andere an Museen. Ein Porträt von Aletta Jacobs, welches ihr Bruder gemalt hatte, stiftete sie 1936 dem neu gegründeten Internationalen Archiv der Frauenbewegung. Sie übergab die Familiensammlung schließlich kurz nach der deutschen Besetzung der Niederlande einem Auktionshaus zur sicheren Verwahrung. Sie setzte ihr Testament auf und vermachte die Werke ihren Enkelkindern.
Konzentrationslager und Tod Mit ihrer Tochter Aleida lebte Mathilde Cohen Tervaert-Israëls nach Beginn des Zweiten Weltkriegs in der Rijnstraat 18 in Den Haag. Ihnen war die Gefahr bekannt, der sie aufgrund der antisemitische Verfolgung ausgesetzt waren, doch Mathilde Cohen Tervaert-Israëls weigerte sich unterzutauchen. Es würde sie jeder kennen und ein Untertauchen würde wenig Sinn machen. Beide standen auch auf der Lijst-Van Dam, die sie vor einer Deportation schützen sollte. Dennoch wurden sie am 23. März 1943 verhaftet und im Lager Barneveld interniert. Am 4. Januar 1944 wurden sie jedoch nach Westerbork geschafft und am 4. September 1944 weiter in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Sie gehörten zu den 1200 Personen, die im Februar 1945 im Zuge eines Austauschtransports in die Schweiz gebracht wurden.Mathilde Cohen Tervaert-Israëls auf Biografieportaal
In St. Gallen starb Mathilde Cohen Tervaert-Israëls am 18. Februar 1945. Sie wurde auf dem Cimetière Israélite in St. Gallen beigesetzt.
Weblinks
Mathilde Cohen Tervaert-Israëls auf Biografieportaal Mathilde Cohen Tervaert-Israëls auf Wilhelmina Drucker Mathilde Cohen Tervaert-Israëls auf Joodsmonument
Einzelnachweise
Kategorie:Frauenrechtler (Niederlande) Kategorie:Träger des Ordens von Oranien-Nassau (Ritter) Kategorie:Häftling im Durchgangslager Westerbork Kategorie:Häftling im Ghetto Theresienstadt Kategorie:Opfer des Holocaust Kategorie:Niederländer Kategorie:Geboren 1864 Kategorie:Gestorben 1945 Kategorie:Frau