Johann Friedrich «Fritz» Gygax (* 12. Januar 1908 in Herzogenbuchsee; † 25. März 1987 in Burgdorf, heimatberechtigt in Herzogenbuchsee) war ein Schweizer Geograph und Hydrologe. Er befasste sich insbesondere mit dem Wasserhaushalt des Schweizer Hochgebirges und mit hydrologischen Untersuchungen im Tessin.
Leben Fritz Gygax wurde am 12. Januar 1908 in Herzogenbuchsee geboren und besuchte dort die Primar- und Sekundarschule und in Burgdorf drei Jahre das Gymnasium. Im Herbst 1927 erhielt er nach bestandener Maturität den Maturitätsausweis. Danach immatrikulierte er sich an der Universität Bern, wo er Naturwissenschaften, vor allem Geographie bei Rudolf Zeller und Fritz Nussbaum, studierte, ergänzt durch Physik, Mathematik, Geologie, Astronomie, Zoologie und Chemie.Fritz Gygax: Morphologie des Val Verzasca. S. 85:
Gygax war bereits vor seiner Studentenzeit Mitglied der Bertholdia BurgdorfMittelschulverbindung des Gymnasiums Burgdorf., einer traditionsreichen Schülerverbindung am Burgdorfer Gymnasium. In seinen Studienjahren trat er der Studentenverbindung Halleriana Bernensis bei, nahm jedoch später nur noch selten an deren Anlässen teil.Todesanzeige. In: Der Bund. Nr. 79, 4. April 1987.
Im Frühjahr 1930 erwarb er das Sekundarlehrerdiplom. Anschliessend begann er unter Leitung von Fritz Nussbaum die Arbeit an seiner geomorphologischen Dissertation über die Morphologie des Val Verzasca, mit der er 1934 promovierte (Beitrag zur Morphologie der Valle Verzasca).Gygax, Fritz in GND-Explorer.
Von 1935 bis 1944 wirkte er als Hauptlehrer an der Sekundarschule Langenthal, wo er eine Schulsternwarte einrichtete. Den Aktivdienst leistete er als Armeegeologe, wobei ihm Teile der Gotthardfestungen und das Tessin zugewiesen waren.Heinz Schibler: Zum Gedenken – † Prof. Dr. Fritz Gygax.
1944 wurde Gygax als Nachfolger von Nussbaum zum Geographielehrer am Lehrerseminar Hofwil gewähltBericht über die Staatsverwaltung des Kantons Bern. 1944. S. 91: «Die Hilfslehrerstelle für Geographie wurde an Dr. Fritz Gygax, Assistent am geographischen Institut, übertragen.» und zugleich dessen Assistent am Geographischen Institut der Universität Bern. Im folgenden Jahr habilitierte er sich dort mit der Schrift Niederschlag und Abfluss im Einzugsgebiet der Magliasina im Tessin. Nach Nussbaums Rücktritt 1949 übernahm Gygax dessen Lehrstuhl als Ordinarius für Allgemeine Geographie und Länderkunde der Schweiz und Europas an der Universität Bern. Er leitete das Geographische Institut bis 1975 und blieb bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1978 als Professor tätig.
Im Ruhestand in Burgdorf engagierte sich Gygax weiterhin als Referent und Gutachter für Trinkwasserfragen, insbesondere im Tessin. Er verstarb am 25. März 1987 in Burgdorf.Todesanzeige. In: Burgdorfer Tagblatt. Band 157, Nr. 63, 1. April 1987.
Wissenschaftliches Wirken Angeregt durch Otto Lütschg an der ETH Zürich, verlagerte Gygax den Schwerpunkt von der Glazialmorphologie zur Hydrologie und machte sie zu einem zentralen Arbeitsgebiet des Berner Instituts. Seine Habilitationsschrift begründete ein jahrzehntelanges Forschungsprogramm zu Niederschlag, Abfluss, Verdunstung, Versickerung und Grundwasser im Schweizer Hochgebirge, besonders im Tessin, mit Totalisatoren und Messstationen in schwer zugänglichen Lagen; die Untersuchungen lieferten auch Grundlagen für Wasserkraft- und Elektrizitätsprojekte im Kanton Tessin.
Ein zweiter Schwerpunkt waren die Grundwassergebiete des Oberaargaus, ergänzt durch limnologische Arbeiten, Tracer-Einsatz und hydrogeologische Anwendungen in Wasserwirtschaft. Unter seiner Leitung entstanden zahlreiche Dissertationen und Lizentiatsarbeiten zu Hydrologie und Morphologie im Tessin, Berner Oberland, Mittelland, Jura sowie auf Inseln wie Ustica, Azoren oder HelgolandHeinz Balmer: Buchbesprechung. In: Gesnerus. Band 37, 1980, S. 344–345 (PDF; 8,0 MB): «[…] Valentin Binggeli, Seminarlehrer in Langenthal. Seine […] Dissertation ‹Zur Morphologie und Hydrologie der Valle del Lucomagno› war 1961 erschienen. [Er hat] die von Professor Gygax empfangenen Anregungen weitergepflegt und ist zum fruchtbarsten Berner Geographen seiner Generation geworden. Auch andere der 62 Doktoranden und 31 Diplomanden von Professor Gygax haben weitergeforscht. Bruno Messerli, Paul Nydegger und Klaus Aerni haben bei ihm promoviert und sich bei ihm habilitiert. Werner Schwab und Christian Leibundgut haben hydrologisch, Kathrin Gygax und Albert am Zehnhoff länderkundlich weitergearbeitet. Ulrich Teuscher und viele andere sind Heger der Geographie geblieben. Peter Sommer, der von Professor Grosjean herüberkam, weckt als Kulturhistoriker origineller Prägung den Sinn für das Wandelbare im Alltag. Unter den Lehrbeauftragten der siebziger Jahre ragt Jean-Pierre Portmann aus Neuchâtel durch wissenschaftliche Arbeiten hervor, die auch die Fachgeschichte einschließen.» und auch im Iran.Otto Gigon: Apércu hydrologique du bassin de la rivière Gamasiab en Iran. 1974.
Lehrtätigkeit Gygax galt als engagierter Hochschullehrer, der Exkursionen und praxisnahe Demonstrationen in seine Lehre einbezog; er etablierte klimatologische und hydrologische Kurse und setzte das Werk von Nussbaum fort. Unter seiner Direktion wuchs das Geographische Institut am FalkenplatzDas Carl-Hilty-Haus in Bern. In: Die Berner Woche. Band 35, Nr. 44, 1945.Das Hilty-Haus als Stätte der Wissenschaft. In: Der Bund. Band 96, Nr. 493, 22. Oktober 1945. personell und thematisch, mit fester Verankerung der Hydrologie sowie neuen Schwerpunkten in regionaler Geographie und Umweltforschung.
Auch ausserhalb der Universität hielt er Vorträge in Volkshochschulen und Gesellschaften zu Wasserhaushalt, Hochgebirgshydrologie und Trinkwasser; Tessiner Gemeinden nutzten ihn langfristig als Berater für Quellensicherung (Schutz und Absicherung von Trinkwasserquellen).
Mitgliedschaften Gygax war Mitglied des Schweizer Alpen-ClubsVeteranen-Ehrung. In: Clubnachrichten, Schweizer Alpen-Club Sektion Bern. 49. Jg., Nr. 12, 1971, S. 203. der Schweizerischen Geologischen Gesellschaft des Zentralvorstands der Geographischen Gesellschaften sowie des Vorstands der Geographischen Gesellschaft von Bern
Schriften (Auswahl) Beitrag zur Morphologie der Valle Verzasca. Dissertation, Universität Bern 1934. Das topographische Relief in der Schweiz. 1937. Niederschlag und Abfluss im Einzugsgebiet der Magliasina. In: Zum Wasserhaushalt des Schweizer Hochgebirges. Band 3, Bern 1948. Morphologie des Verzascatales. 2025 (Karte des Monats 2025).
Literatur Heinz Balmer Prof. Dr. Fritz Gygax zum Geburtstag. In: Der Bund. Band 124, Nr. 9, 12. Januar 1973. Heinz Schibler: Zum Gedenken – † Prof. Dr. Fritz Gygax. In: Burgdorfer Tagblatt. Band 157, Nummer 67, 7. April 1987. Georges Grosjean: Fritz Gygax 8.1.1908 – 25.3.1987. In: Geographica Helvetica. 42. Jg., Nr. 3, 1987, S. 237–238.
Würdigung Am 25. Januar 1984 feierte Fritz Gygax sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. Der emeritierte Professor, der über Jahrzehnte die Entwicklung des Geographischen Instituts geprägt hatte, wurde bei einer hydrologischen Spezialexkursion im Kreis der Dozenten geehrt.Jahresbericht 1984 des Geographischen Institutes der Universität Bern. S. 27.
Das Historische Lexikon der Schweiz sieht Gygax als Pionier der Schweizer Hydrologie mit Tessin- und Mittellandfokus, der Grundlagenforschung und Wasserwirtschaft verband. An der Universität Bern gilt er als Schlüsselfigur beim Übergang von klassischer Geomorphologie zu naturwissenschaftlicher, hydrologisch geprägter Geographie.
Persönliches Gygax war dreimal verheiratet.Trauungen. In: Berner Tagwacht. Band 43, Nr. 170, 24. Juli 1935: «[…] 15. Juli Gygax, Johann Friedrich, ledig, Dr. phil., Sekundarlehrer, von Herzogenbuchsee, mit Leuthold, Anna, ledig, von Meiringen, getraut in Stettlen.»Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern. Band 44, 1987, S. 275: «Nach dem Tode seiner Frau Sofia Ferrari heiratete er Renate Däppen, […]».Trauungen. In: Burgdorfer Tagblatt. Band 136, Nr. 202, 31. August 1966: «[…] 15. [August 1966] Gygax Johann Friedrich, Dr. phil., Professor, von Herzogenbuchsee, in Bern, mit Däppen Renate, von Kaufdorf, in Burgdorf.»
Einzelnachweise
Kategorie:Hydrologe Kategorie:Hochschullehrer (Universität Bern) Kategorie:Schweizer Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1987 Kategorie:Mann