ICE Felix (vollständig Fabrica de Calculatoare Electronice FELIX, deutsch Fabrik für Elektronische Rechenmaschinen FELIX) war ein 1970 gegründeter rumänischer Computerhersteller mit Sitz in Bukarest. Das Unternehmen war über mehrere Jahrzehnte der zentrale Computerhersteller Rumäniens und produzierte eigene Rechnerfamilien, von Großrechnern über Minicomputer und Mikrocomputer bis zu Heimcomputern und IBM-PC-kompatiblen Systemen – eine Produktbandbreite, die unter den Computerherstellern der sozialistischen Staaten ihresgleichen suchte. In den 1980er-Jahren war Rumänien nach der Sowjetunion der zweitgrößte Produzent elektronischer Rechensysteme im Ostblock.Este înființată „Fabrica de Calculatoare Electronice“. Cronica IT&C (online, rumänisch). 2018 stellte die Firma einen Insolvenzantrag.
Geschichte Gründung und Lizenzfertigung ICE Felix wurde 1970 gegründet und konzentrierte sich zunächst auf die Implementierung elektronischer Systeme auf Basis zugekaufter Lizenzen. Bereits im Gründungsjahr wurden Lizenzen von der niederländischen Firma Friden und der französischen Compagnie internationale pour l’informatique (CII) erworben.History of Computer Developments in Romania. In: IEEE Annals of the History of Computing. Band 21, Nr. 3, 1999, S. 58–60, doi:10.1109/85.778983. Daneben bestanden langfristige Kooperationsverträge mit US-amerikanischen Unternehmen wie Ampex, Pertec, Data Products und Centronics.
Sonderrolle Rumäniens im Ostblock Anders als die übrigen RGW-Staaten verfolgte Rumänien unter Nicolae Ceaușescu eine weitgehend eigenständige Technologiepolitik.Seymour E. Goodman, A. Tomasz Jarmoszko, Gary L. Geipel: Computer Technologies In Eastern Europe: The Impact Of Reform. Dezember 1988 (PDF). Die Zusammenarbeit mit den anderen Comecon-Ländern im Bereich der Rechentechnik blieb begrenzt. Rumänien trat dem Einheitlichen System (ESER) zwar 1973 bei,CIA: Use of Western Technology in the Ryad Computers of the USSR and Eastern Europe. Juni 1980 (PDF). setzte jedoch mit ICE Felix parallel auf eine eigene, von westlichen Lizenzen abgeleitete Rechnerfamilie. Die Felix-C-Großrechner basierten architektonisch auf den französischen IRIS-Rechnern der CII und damit letztlich auf der SDS Sigma 7,Henri Boucher: Informatique non américaine. (PDF, französisch).Romania Furată. ICE Felix – o afacere extrem de profitabilă predată intereselor imobiliare. Digi24, 17. März 2015 (online, rumänisch). nicht auf der IBM System/360, die den ESER-Rechnern der übrigen sozialistischen Länder zugrunde lag.
Expansion Ab Mitte der 1970er-Jahre begann ICE Felix mit der Fertigung von Mini- und Mikrorechnern. Der Felix MC, ein 1974 vorgestellter Mikrocomputer auf Basis des Intel 8008, war einer der frühesten Mikrocomputer im gesamten Ostblock. Die CORAL-Minicomputerreihe basierte auf der PDP-11-Architektur.
Ab Mitte der 1980er-Jahre kamen Heimcomputer der HC-Serie hinzu, die auf dem Sinclair ZX Spectrum basierten und etwa zehn Jahre lang produziert wurden.Stefano Bodrato, Fabrizio Caruso, Giovanni A. Cignoni: Discovering Eastern Europe PCs by Hacking Them … Today. In: Histories of Computing in Eastern Europe. (IFIP Advances in Information and Communication Technology, Band 549). Springer, 2019, S. 279–294, doi:10.1007/978-3-030-29160-0_14. Parallel dazu fertigte ICE Felix IBM-PC-kompatible Rechner (Felix PC) sowie den CoBra, einen weiteren ZX-Spectrum-kompatiblen Rechner.
Nach 1989 Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs entstanden Kooperationen mit internationalen Unternehmen wie IBM, Advantech, Sun Microsystems, DEC, Logitech und Hewlett-Packard. Wie die gesamte osteuropäische Computerindustrie konnte auch ICE Felix mit westlichen Herstellern nicht konkurrieren.Christian von Hirschhausen, Jürgen Bitzer: The Globalization of Industry and Innovation in Eastern Europe. Edward Elgar Publishing, 2000, ISBN 978-1-78254-230-8, S. 287.
Im März 2008 veräußerte das Unternehmen mehrere Grundstücke und Gebäude im Bukarester Stadtteil Pipera für 6 Millionen Euro.ICE Felix a vândut active în Pipera pentru 6 mil. euro. In: Ziarul Financiar, 26. März 2008 (online, abgerufen am 15. Oktober 2010, rumänisch). Das Unternehmen befand sich zu 45,68 % im Besitz der staatlichen Autorität für Verwertung staatlicher Aktiva (AVAS), 23,58 % hielt die Felix IT, und 12,23 % gehörten der Investitionsgesellschaft SIF Oltenia. Im Jahr 2004 beschäftigte ICE Felix rund 200 Mitarbeiter;Petrișor Obae, Radu Tătaru-Marinescu: Fabrica ICE Felix este controlată de un offshore. In: Wall-Street.ro, 17. Februar 2005 (online, abgerufen am 24. Juni 2011, rumänisch). der Umsatz betrug 2006 rund 3,1 Millionen Lei.
2018 stellte die Firma einen Insolvenzantrag.
Produkte Rechnerfamilie Typ Zeitraum Architektur/Basis Felix C Großrechner ab 1970er CII IRIS / SDS Sigma 7 Felix MC Mikrocomputer ab 1974 Intel 8008 Felix FC Fakturier-/Buchhaltungsrechner Felix M Mikrorechner CORAL Minicomputer PDP-11-Architektur HC-Serie Heimcomputer ab ca. 1985 ZX-Spectrum-kompatibel CoBra Heimcomputer ZX-Spectrum-kompatibel CUB / CUB-Z Bürorechner Intel 8080 / Z80 Felix PC Personal Computer ab 1985 IBM-PC-kompatibel PC-Serie Personal Computer ab Ende 1980er x286, x386, Pentium
Siehe auch Einheitliches System Elektronischer Rechentechnik – das Großrechnerprogramm der sozialistischen Staaten Kombinat Robotron – der zentrale Computerhersteller der DDR Prawez – die wichtigste Computermarke Bulgariens
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmen (Bukarest) Kategorie:Ehemaliger Hardwarehersteller Kategorie:Unternehmensgründung 1970 Kategorie:Wirtschaft (Rumänien)