Hagen Herdam (* 7. September 1937 in Halberstadt; † 12. Februar 2025) war ein deutscher Pflanzenzüchterer und Genetiker, Ornithologe und als Botaniker herausragender Kenner der Flora des nördlichen Harzvorlandes und der Börde, der besonders in Sachsen‑Anhalt eine prägende Rolle spielte. mini|Herdam auf Orchideenexkursion
Werdegang Herdam wurde 1939 in Halberstadt geboren. Schon in jungen Jahren entdeckte er sein Interesse für die Vogelwelt und die Welt der Pflanzen. Die Kontakte zu den Ornithologen am Heineanum Halberstadt und zu den Halberstädter Floristen um Friedrich Mertens begünstigten den autodidaktischen Erwerb von naturkundlichem Fachwissen. Nach dem Erwerb des Abiturs an der Arbeiter- und Bauernfakultät Halle wurde Herdam von 1958 bis 1963 zum Studium der Pflanzenzüchtung an die Landwirtschaftsakademie in Moskau delegiert. Dieser Aufenthalt und die damit verbundenen Praktika ermöglichten die ersten großen Wanderfahrten zum Beispiel in den Kaukasus und das Erleben von einzigartigen Naturräumen. In Moskau lernte Herdam auch seine zukünftige Frau Ludmilla kennen, die als Jakutin aus Sibirien zum Studium nach Moskau delegiert wurde.
Zurück vom erfolgreichen Studium in Moskau, begann er seine berufliche Tätigkeit als Pflanzenzüchter in Hadmersleben, am Institut für Getreidezüchtung der AdL. Er promovierte 1971 mit einer Arbeit zur Zuchtmethodik bei der Sommergerste sowie 1977 mit einer Arbeit über Selektionsindizes in der Weizenzüchtung zum Dr. sc. Dabei kam das besondere Talent von Herdam für die Anwendung mathematischer Methoden in der Pflanzenzüchtung zum Tragen. Die Hinwendung zu modernen Methoden zeichnete den Weg vor für die spätere Nutzung der Digitalisierung bei der Bearbeitung von botanischen Kartierungsergebnissen. Auf diesem Gebiet hat Herdam Pionierarbeit geleistet. Ab 1985 arbeitete er als wissenschaftlicher Bereichsdirektor am Quedlinburger Institut für Züchtungsforschung. Die Veränderungen in der Forschungslandschaft hatten zur Folge, dass nach 1991 die wissenschaftliche Tätigkeit von Herdam auf dem Gebiet der Züchtungsforschung keine Fortsetzung fand.
Bis zum Erreichen des Rentenalters erfolgte nun eine freiberufliche Tätigkeit. Mit dem berufsbedingten Wechsel nach Quedlinburg bewirkte er auch eine Intensivierung der Zusammenarbeit aller in der Nordharzregion wirksamen Botaniker bei der botanischen Erkundungsarbeit. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist die vom Botanischen Arbeitskreis Nordharz e. V. 1993 veröffentlichte und unter Leitung von Herdam entstandene „Neue Flora von Halberstadt – Farn- und Blütenpflanzen des Nordharzes und seines Vorlandes (Sachsen-Anhalt)“ sowie die späteren noch von ihm bearbeiteten Nachträge. Mit dieser Publikation wurde auf den deutschlandweit einmaligen Artenreichtum dieser Region aufmerksam gemacht. Als Mitglied der IG Ornithologie und Naturschutz Quedlinburg bereicherte seine ehrenamtliche Tätigkeit die IG, in Form von Fachexkursionen, Vorträgen oder der Weitergabe von Fachwissen. In Rahmen seiner freiberuflichen Tätigkeit wurden die geobotanischen Kartierungsarbeiten auf ganz Sachsen-Anhalt ausgedehnt. So verfügte Herdam über herausragende Standortkenntnisse, nicht nur für die Nordharzregion, und über ein sicheres Gefühl dafür, welche Artvorkommen unter den jeweiligen Standortverhältnissen zu erwarten waren. Seine floristischen Forschungen waren immer durch das Bemühen charakterisiert, historische Standortangaben zu überprüfen und mit den heutigen Vorkommen in Bezug zu setzen. Dies führte zu unerwarteten Bestätigungen alter Vorkommen, aber auch zum Erkennen des ungebremsten Arten- und Standortverlustes.
Publikationen (Auswahl)
Herdam, H., 1990. Beschleunigung des genetischen Fortschritts in der Pflanzenzüchtung durch Anwendung biometrisch-genetischer Verfahren, Fortschrittsberichte für die Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft. Inst. für Landwirtschaftl. Information u. Dokumentation, Berlin. Herdam, H., 1971. Vergleichende Untersuchungen zur morphologischen Ertragsstruktur zwei- und sechszeiliger Sommergersten unter besonderer Berücksichtigung einiger Umwelt- und Versuchsbedingungen: 1. 2. Berlin. Herdam, H., 1976. "Untersuchungen zur Konstruktion und Prüfung von Selektionindizes [Selektionsindizes] für die Winterweizenzüchtung." Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. John, H., Herdam, H., 2009. Zur aktuellen Verbreitung von Gagea bohemica (ZAUSCHN.) SCHULT. & SCHULT. f. in Sachsen-Anhalt. Herdam, H., 2018. "Nachweise zur Flora Sachsen-Anhalts." Mitteilungen Zur Floristischen Kart. Sachs.-Anhalt 3, 133–143. Einzelnachweise
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