Nicola L. (* 1932 oder 1937 in Marokko; † 31. Dezember 2018 in Los Angeles) war eine französische Künstlerin, deren feministisch pointierte, oft als „funktionale Skulpturen“ verstandene Möbelobjekte und partizipative textile Pénétrables Körperbilder, Design und Politik auf eigenwillige Weise zusammenführten. Im Jahr 2017 erhielt sie im SculptureCenter in New York ihre erste institutionelle Überblicksschau. 2025/2026 widmete das Museion Bozen ihr unter dem Titel I Am The Last Woman Object die bislang größte Retrospektive.
Leben L. wurde in Mazagan (heute El Jadida) in Marokko als Nicola Leuthe geboren und wuchs mehrsprachig auf, bevor die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa lebte. Ab 1954 studierte sie in Paris an der École des Beaux-Arts und der Académie Julian, legte ihren bürgerlichen Nachnamen ab und heiratete 1956 den Galeristen Alfred (Fred) Lanzenberg; die Ehe wurde 1982 geschieden. Über den Kritiker Pierre Restany fand sie Anschluss an die Nouveau-Réalisme-Szene, gab die Malerei auf und entwickelte ab Mitte der 1960er-Jahre partizipative Pénétrables; 1967 zeigte sie The Cylinder (Container for 3) bei der Pariser Biennale mit einer Aktivierung zum Konzert der Musikgruppe Soft Machine. 1979 zog sie dauerhaft nach New York ins Chelsea Hotel, wo sie über Jahrzehnte lebte und auch Filme drehte, bevor sie 18 Monate vor ihrem Tod nach Los Angeles übersiedelte. Sie starb am 31. Dezember 2018 in Los Angeles; sie wurde von ihren Söhnen Christophe und David Lanzenberg überlebt.
Wirken Seit den 1960er-Jahren verschränkte L. Körper, Möbel und Alltagsobjekte zu „funktionaler“ Kunst; bemerkenswert sind Arbeiten wie La Femme Commode (1969), die White Foot Sofa (1968) und Leuchten in Form von Augen oder Lippen. Bekannt wurde Little TV Woman: I Am the Last Woman Object (1969), eine nahezu lebensgroße Figur mit integriertem tragbarem Fernseher und einer Textzeile, welche die Objektifizierung der Frau thematisiert. Ihre kollektive Kleidungsskulptur The Red Coat (1969) debütierte 1970 auf dem Isle of Wight Festival während eines Auftritts von Gilberto Gil und Caetano Veloso. Verwandte Mehrpersonen-Werke wie Blue Cape wurden in Havanna, auf der Chinesischen Mauer und bei der Biennale von Venedig aktiviert. Die großräumige Installation Chambre en Fourrure (Fur Room, 1969) lud das Publikum explizit zur Interaktion ein und wurde 2024 in rekonstruierter Form im Camden Art Centre erneut gezeigt. Mit der Serie Femme Fatale (1995) würdigte sie Frauen, deren Leben tragisch oder gewaltsam endeten, und nutzte dabei collagierte Bettlaken mit Text und Bild.
Eine breite Neubewertung ihres Werks setzte ab den 2010er-Jahren ein, etwa durch die Einbeziehung in The World Goes Pop (Tate Modern, 2015) und die Überblicksschau im SculptureCenter (2017). 2024 zeigte das Camden Art Centre in London die große Einzelausstellung Nicola L.: I Am The Last Woman Object mit Pénétrables, Funktionsobjekten und Archivmaterial. 2025/2026 präsentierte das Museion Bozen eine umfassende Retrospektive, in deren Umfeld das Museum Same Skin for Everybody (1975) für die Sammlung erwarb. Die taz hob anlässlich der Bozner Schau die Verbindung von Aktivismus, Humor und Alltagsnähe in L.s Werk hervor.
Einzelnachweise
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