mini|Pierre-Olivier Lapie (ca. 1936) Pierre-Olivier Lapie (* 2. April 1901 in Rennes; † 10. März 1994 in Paris) war ein französischer Politiker. Er war Abgeordneter der französischen Nationalversammlung, 1946/47 Staatssekretär im Außenministerium und 1950/51 Minister für Nationale Bildung.

Leben Pierre-Olivier Lapie wurde 1901 in der Bretagne als Sohn des Philosophen Paul Félix Lapie und der Lehrerin Marie-Louise Fauchon geboren. Nach dem Besuch des Lycée Buffon und des Lycée Condorcet studierte Lapie Rechtswissenschaften, promovierte er in Wirtschaftsrecht und arbeitete dann als Rechtsanwalt.Lapie, Pierre-Olivier, Le Maitron – Dictionnaire biographique, abgerufen am 13. Februar 2026 Im Jahr 1936 wurde er für die Union socialiste républicaine als Abgeordneter für das Département Meurthe-et-Moselle in das französischen Parlament gewählt.Douglas Johnson: Obituary: Pierre-Olivier Lapie, The Independent, 6. April 1994, abgerufen am 13. Februar 2026 In den folgenden Jahren trat er für den Front populaire an. Im Jahr 1939 wurde er als Offizier zum Militärdienst einberufen und war in Norwegen stationiert. Kurz vor dem Überfall Deutschlands auf Norwegen und Dänemark ging er nach Großbritannien und wurde dort einer der ersten Anhänger von General Charles de Gaulles Forces françaises libres.

Lapie wurde von de Gaulle mit außenpolitischen Angelegenheiten betraut und war im August 1940 an der Seite von de Gaulle, als dieser mit Churchill das Abkommen von Chequers aushandelte, dass Frankreich seine Kolonien sichern und seine Integrität und Unabhängigkeit garantieren sollte. Kurz darauf ernannte De Gaulle Lapie zum Gouverneur der französischen Kolonie Tschad.

Das Vichy-Regime entzog Lapie am 8. Dezember 1940 per Dekret die französische Staatsbürgerschaft und sein Abgeordnetenmandat. Am 25. Juni 1942 wurde außerdem ein Haftbefehl wegen „Hochverrats“ gegen Lapie erlassen. Im Jahr 1942 meldete er sich als Hauptmann freiwillig anbei der Fremdenlegion und kämpfte in Libyen und Tunesien. Als de Gaulle in Algier seine provisorische Regierung bildete, wurde Lapie 1943 Mitglied der Assemblée consultative provisoire. Bei der Konferenz von Brazzaville im Jahr 1944, setzte sich Lapie für mehr Selbstbestimmung der französischen Kolonien ein, doch de Gaulle lehnte seine Vorschläge ab. Im Jahr 1945 zog er erneut als Abgeordneter für Meurthe-et-Moselle in die konstituierende Versammlung der Vierten Republik ein.Pierre-Olivier Lapie, Französische Nationalversammlung, abgerufen am 13. Februar 2026 Bei der Wahl im folgenden Jahr wurde er für die Section française de l’Internationale ouvrière (SFIO) Mitglied der französischen Nationalversammlung und wurde bis 1958 immer wieder gewählt.

Premierminister Léon Blum berief ihn in sein Kabinett, wo er vom 16. Dezember 1946 bis zum 22. Januar 1947 als Staatssekretär im Außenministerium diente. Neben seiner Arbeit als Abgeordneter war Lapie von 1947 bis 1949 Vizepräsident der Ligue de l'enseignement () und bald angesehener Bildungspolitiker. So saß Lapie vom 12. Juli 1950 bis zum 11. August 1951 als Minister für Nationale Bildung in der Regierung von René Pleven.

Im Jahr 1958 verlor Lapie seinen Abgeordnetensitz an einen Gaullisten, sympathisierte aber zunehmend mit dem linken Gaullismus (und rief 1965 auch zur Wahl von De Gaulle auf). Im folgenden Jahr wurde Lapie aus der SFIO ausgeschlossen als er gegen den Willen der Partei den Vorsitz einer Untersuchung über ein Gesetz zu staatlichen und privaten Bildungseinrichtungen übernehmen wollte.

Als Mitglied der Hohen Behörde leitete er bis zum 6. Juli 1967 die Gruppe der Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl für die Koordinierung der Energiepolitik und anschließend die Gruppe für Wettbewerbsfragen. Er war Vorsitzender der im Februar 1968 gegründeten deutsch-französischen Interministeriellen Kommission für Zusammenarbeit (deren Vorsitz er auch 1976 innehatte).

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Einzelnachweise

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