mini|hochkant|Elsie Inglis mit einer Gruppe von Krankenschwestern (1916)
Der Scottish Women’s Hospitals for Foreign Service (SWH) wurde 1914 gegründet. In diesem Service dienten während des Ersten Weltkriegs rund 1500 Frauen als Krankenschwestern, Ärztinnen, Sanitäterinnen, Köchinnen, Verwaltungsangestellte und Fahrerinnen hauptsächlich ehrenamtlich in 14 überwiegend mit Frauen besetzten Sanitätseinheiten in Frankreich, Russland, Griechenland, Korsika und Serbien. Sie versorgten kranke und verwundete Soldaten, Zivilisten und Kriegsgefangene mitten in den Kriegsgebieten und leisteten Hilfe für Flüchtlinge.
Geschichte Anfänge mini|hochkant|Liste der Krankenhäuser des SWH 300x300px|mini|hochkant|Die Unit in Ostrovo Im Ersten Weltkrieg standen sich auf europäischem Boden zwei Bündnisse gegenüber: Die Mittelmächte (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich, Bulgarien) und die Alliierten (Frankreich, Großbritannien, Russland und weitere, darunter Serbien).
Die Scottish Women’s Hospitals for Foreign Service (1914–1919) waren Teil der Reaktion der Frauenwahlrechtsbewegung auf den Ersten Weltkrieg. Zu Kriegsbeginn gründete Elsie Inglis, die der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) angehörte, den SWH als Teil der Frauenrechtsbewegung. Zuvor war ihr Angebot einer ausschließlich mit Frauen besetzten Sanitätseinheit vom Royal Army Medical Corps abgelehnt worden, mit den Worten „My good lady, go home and sit still“. Die Frauen sahen im Krieg eine Chance, zu beweisen, was Frauen in der Medizin ohne männliche Unterstützung erreichen konnten. Vor dem Ersten Weltkrieg waren Ärztinnen auf Pädiatrie, Geburtshilfe und Gynäkologie beschränkt, und nur wenige bekleideten Oberarztpositionen. Erste Spendenaktionen waren äußerst erfolgreich, und bis Ende August 1914 waren bereits über 5000 £ zusammengekommen.
Das Hauptquartier befand sich während des gesamten Krieges in Edinburgh. Es gab außerdem Komitees in Glasgow und London, die eng mit dem Londoner Büro des Französischen Roten Kreuz zusammenarbeiteten. Über 1000 Frauen unterschiedlichster Herkunft und aus vielen verschiedenen Ländern dienten in der SWH. Nur medizinisches Fachpersonal wie Ärztinnen, Krankenschwestern, Laborantinnen und Röntgenassistentinnen erhielten Gehalt und Spesen; nicht-medizinisches Personal wie Sanitäterinnen, Verwaltungsangestellte, Fahrerinnen, Köchinnen und andere erhielt keine Bezahlung.
Bis Kriegsende gab es 14 Scottish Women’s Hospitals in Frankreich, Serbien, Russland, Thessaloniki und Makedonien.
Einsätze Die ersten Krankenhäuser des SWH wurden in Frankreich eingerichtet, im November 1914 in Calais und im Dezember in der Abtei Royaumont, rund 30 Kilometer nördlich von Paris. Das Krankenhaus in Royaumont wurde von Frances Ivens geleitet, die auch zu den Gründerinnen des SWH gehörte.
Ebenfalls im Dezember 1914 wurde ein von Eleanor Soltau geleitetes Krankenhaus in Serbien eröffnet und weitere Lazarette folgten. Bis Juni 1915 war das Scottish Women's Hospital für über 1000 Betten und 250 Mitarbeiter, darunter 19 Ärztinnen, verantwortlich. Die österreichische Offensive im Sommer desselben Jahres führte zur Einnahme der Lazarette und zur Gefangennahme mehrerer Mitarbeiterinnen, darunter auch Inglis, die jedoch nach Verhandlungen wieder freigelassen wurden.
Im Winter 1915 erhielt die österreichische Armee Verstärkung durch deutsche und bulgarische Truppen, und die serbische Armee zog sich nach Albanien zurück. Elsie Inglis, Evelina Haverfield, Alice Hutchison, Helen MacDougall und weitere Frauen gerieten in Gefangenschaft und wurden schließlich nach Großbritannien repatriiert. Andere Frauen schlossen sich der serbischen Armee an. Tausende Menschen starben während dieses Rückzugs. Mitarbeiterinnen des SWH, die die Adria erreichten, leisteten weiterhin Hilfe, so gut sie konnten. In der Folge errichtete der SWH im Dezember 1915 ein Genesungsheim auf Korsika, um vertriebene serbischen Frauen und Kindern unterzubringen.
mini|hochkant|300x300px|Lazarett der „Girton and Newnham Unit“ in Salonika 300x300px|mini|hochkant|Frauen der sechsten (amerikanischen) Einheit des schottischen Frauenkrankenhauses in Ostrovo Während dieser Zeit wurde das mobile Krankenhaus in Troyes in Frankreich aufgelöst und nach Salonika in Griechenland verlegt, als die französische Division im Rahmen einer verspäteten Aktion der Alliierten ebenfalls dorthin verlegt worden war, um die bedrängten Serben zu unterstützen. Das Krankenhaus (bekannt als Girton & Newnham Unit, benannt nach den beiden Frauen-Colleges der Universität Cambridge, die es finanzierten) wurde in einer stillgelegten Seidenspinnerzucht in der Grenzstadt Gevgelija eingerichtet, musste aber aufgrund des drohenden schnellen Vormarsches der Bulgaren bald nach Thessaloniki verlegt werden. Ein Großteil der Arbeit in Thessaloniki galt dem Kampf gegen Malaria. Einige Mitarbeiterinnen starben an Ruhr.
Im August 1916 stieß die „Ostrovo-Einheit“ hinzu. Dieses Krankenhaus wurde hauptsächlich von amerikanischen Spendern finanziert und daher „American Unit“ benannt. Die Einheit zog Anfang September 90 Meilen nordwestlich von Thessaloniki zum Ostrovo-See um und unterstützte den Rückeroberungsfeldzug der serbischen Armee.
Nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien im Februar 1916 machte sich Elise Inglis daran, ein weiteres Krankenhaus in Russland aufzubauen. Es versorgte hauptsächlich die 1. Serbische Freiwilligendivision der Kaiserlich Russischen Armee. Da diese Division über keine medizinische Versorgung verfügte, stellte der SWH diese für etwa 11.000 Mann mit sieben Ärzten bereit. Mit Beginn der Russischen Revolution beendete die russische Armee ihre Kriegs-Operationen, und das Krankenhaus wurde abgezogen. Eine Division serbischer Soldaten und Offiziere, darunter auch Inglis, fuhr per Schiff von Archangelsk durch von U-Booten besetzte Gewässer nach Großbritannien. Dort starb Elsie Inglis, die schon seit einiger Zeit an Darmkrebs litt, am Tag nach ihrer Ankunft in Newcastle upon Tyne. Kurz darauf wurde die „Elsie-Inglis-Einheit“ gegründet und zur Unterstützung der serbischen Armee nach Makedonien entsandt, zusammen mit der „Girton & Newnham“- und der „American Unit“.
mini|hochkant|Brunnen im serbischen Mladenovac zur Erinnerung an den SWH und Elsie Inglis (2014) Gegen Ende des Krieges leistete die SWH in Serbien weiterhin medizinische Hilfe für Soldaten, Zivilisten und Kriegsgefangene wie auch Flüchtlinge auf Korsika und im Tuberkulosekrankenhaus in Sallanches in Frankreich. In Vranje wurde ein neues für 300 Patienten eingerichtet, das aber Anfang 1919 an die serbischen Behörden übergeben wurde. Während die meisten SWH-Mitglieder nach Kriegsende nach Hause zurückkehrten, entschieden sich einige SWH-Mitarbeiter und „Veteranen“, in Serbien zu bleiben, um dort weiterhin medizinische Versorgung zu leisten.
Ehrungen Schon 1915 wurde zu Ehren des SWH und von Elsie Inglis im serbischen Mladenovac ein Trinkbrunnen eingeweiht.
23 Frauen des SWH wurden mit dem französischen Croix de guerre ausgezeichnet.
Im Jahr 2025 wurde die Errichtung einer Statue von Elsie Inglis von Mitgliedern des Unterausschusses für Stadtentwicklung des Stadtrats von Edinburgh beschlossen. Die Statue soll die 1500 freiwilligen Helferinnen aus Schottland, Neuseeland, Australien und Kanada ehren, die für den Scottish Women's Hospitals Foreign Service tätig waren.
Archive Das Archiv von Elsie Inglis befindet sich in der „Mitchell Library“ in Glasgow. Es umfasst auch das SWH-Archiv, das von der Ehrenschatzmeisterin der Organisation, Jessie Laurie, zusammengetragen wurde. Ein großer Karton (Ref. TD1734/20/4) mit zahlreichen persönlichen Berichten über die Flucht aus Serbien befindet sich ebenfalls dort. Im Juni 2022 veröffentlichte die Archivarin Barbara Neilson im Rahmen der Reihe „Glasgow Life Times Past“ eine Zusammenfassung der SWH-Sammlung.
Weitere Archivalien werden in der „Women’s Library“ der London School of Economics aufbewahrt. Dort findet sich ein Sammelalbum mit Fotos sowie Unterlagen und Papiere weiterer SWH-Mitarbeiterinnen wie Elsie Bowerman und Vera Holme, darüber hinaus Bücher, Postkarten und Fotografien, die mit dem Scottish Women’s Hospital und einigen der dort tätigen Frauen in Verbindung stehen.
Die Sammlung „Women’s Work“ im Imperial War Museum enthält zahlreiche Fotografien des Scottish Women’s Hospital. Die National Library of Scotland besitzt Filmaufnahmen einer Einheit des SWH.
Literatur (Auswahl)
Weblinks
Einzelnachweise