mini|Bohuslav Novotný (links) im Gespräch mit Eckhard Schubert auf einer internationalen Konferenz in Budapest (1977)
Bohuslav Novotný (* 3. Oktober 1921 in Polabec, heute Teil von Poděbrady; † 31. Oktober 1996 in Bratislava) war ein tschechoslowakischer Prähistoriker und Hochschullehrer. Er zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der slowakischen Nachkriegsarchäologie und war maßgeblich am Aufbau der universitären Archäologieausbildung in der Slowakei beteiligt.
Leben Novotný wurde in Polabec bei Poděbrady in Mittelböhmen geboren. Nach dem Abitur (1939) begann er ein Studium am Tschechische Technische Universität in Prag, das infolge der Schließung der tschechischen Hochschulen durch die nationalsozialistische Besatzungsmacht unterbrochen wurde. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete er in der Industrie und beteiligte sich im Mai 1945 am Prager Aufstand.
Nach 1945 studierte er Ur-, slawische und Klassische Archäologie an der Karls-Universität Prag, wo er unter der Leitung von Jan Filip und Jan Eisner promovierte. Bereits während des Studiums arbeitete er mit Museen in Poděbrady und Kolín zusammen.
Von 1945 bis 1949 war er Kurator der prähistorischen Sammlungen des Museums der Hauptstadt Prag und beteiligte sich am Wiederaufbau der archäologischen Dauerausstellung sowie an der systematischen Inventarisierung der Bestände.
Akademische Laufbahn 1952 heiratete er die slowakische Archäologin Mária Novotná und ließ sich dauerhaft in der Slowakei nieder. Von 1952 bis 1957 war er am Archäologischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften in Nitra tätig.
Seit 1953 wirkte er an der Philosophischen Fakultät der Comenius-Universität Bratislava. 1956 habilitierte er sich, 1965 wurde er zum Professor für Archäologie ernannt. Über mehrere Jahrzehnte leitete er das archäologische Arbeitszentrum am Lehrstuhl für Allgemeine Geschichte und bildete zahlreiche slowakische und ausländische Archäologen aus.
In den 1990er Jahren war er zudem an der Universität Trnava tätig, wo er von 1994 bis 1996 das Amt des Prorektors bekleidete.
Wissenschaftliches Werk Im Zentrum von Novotnýs Forschung standen das Neolithikum und das Eneolithikum in der Slowakei und im mitteleuropäischen Raum. Seine Arbeiten trugen wesentlich zur Präzisierung der Chronologie und Periodisierung dieser Epochen bei und leisteten wichtige Beiträge zur Interpretation von Siedlungsstrukturen, Wirtschaftsformen und sozialer Organisation prähistorischer Gesellschaften.
Zu seinen bedeutenden Leistungen zählt der Nachweis neolithischer Siedlungen in Höhenlagen über 700 m ü. NN.
Zu seinen wichtigsten Veröffentlichungen gehört die Encyklopédia archeológie (Bratislava 1986), eine breit angelegte Synthese zur Archäologie.
Literatur Ľubomír Novotný (Hrsg.): Bohuslav Novotný 1921–1996. Biografia, bibliografia, spomienky. Trnava 2004, ISBN 80-8082-011-2. Václav Spurný: Odešel Bohuslav Novotný. In: Archeologické rozhledy 49, 1997, H. 1, S. 180–181. Vladimír Podborský: Životní jubileum prof. dr. Bohuslava Novotného. In: Sborník prací Filozofické fakulty brněnské univerzity. 35, 1986, S. 179–180. Biografický lexikón Slovenska. Bd. VI (M–N). Martin 2017, S. 785–786.
Schriften (Auswahl)
Einzelnachweise
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