mini|Adam Clayton Powell (vor 1910) Adam Clayton Powell sr. (* 5. Mai 1865 bei Martin's Hill, Virginia; † 12. Juni 1953 in New York City) war ein US-amerikanischer Pastor. Unter seiner Leitung wurde die Abyssinian Baptist Church in Harlem, New York, zur größten protestantischen Gemeinde der USA. Mit seinen theologischen Erkenntnissen war Powell u. a. ein Mentor Dietrich Bonhoeffers. Er beteiligte sich an der Bekämpfung der Armut und Arbeitslosigkeit unter der schwarzen Bevölkerung und galt als Vorkämpfer gegen den Rassismus in den USA.
Leben Adam Clayton Powell wurde unter prekären Verhältnissen in der Region Piedmont (Virginia) geboren. Seine damals 23-jährige Mutter Mildred („Sally“) Dunning hatte afroamerikanische, indianische (Cherokee) und deutsche Wurzeln; der Vater Llewellyn Powell fiel während des amerikanischen Bürgerkriegs kurz vor Adams Geburt. Neueren Forschungen zufolge soll der Vater trotz seines angelsächsisch klingenden Namens ebenfalls ein Deutschamerikaner gewesen sein. Nach Adams Geburt heiratete seine Mutter den ehemaligen Sklaven Anthony Bush und bekam mit ihm weitere 16 Kinder. Die Familie wohnte seit 1880 in West Virginia.
Kindheit und Jugend Powells waren von harter Arbeit, Spielsucht und Gewaltkriminalität geprägt. Als er in die Erschießung eines Weißen verwickelt war, flüchtete er nach Rendville im Bundesstaat Ohio, aus Furcht, deswegen gelyncht zu werden. Hier fand er Arbeit in einer Kohlemine, während er weiterhin dem Glücksspiel nachging.
Im Jahr 1885, als Adam 19 Jahre alt war, wurde ein baptistisches sog. „Revival Meeting“, eine Erweckungsversammlung, zu einem radikalen Wendepunkt in seinem Leben. Er bekehrte sich zum Christentum und gab seinen bisherigen Lebenswandel auf. Fortan bezeichnete er sich als wiedergeborenen Christen.
Sein Wunsch, Anwalt zu werden, ging nicht in Erfüllung, da er an der Howard University School of Law nicht angenommen wurde. Daraufhin vertiefte er sich ein Jahr lang ins persönliche Studium der Bibel. 1888, drei Jahre nach seiner Bekehrung, hatte er im Zusammenhang mit intensivem Gebet ein weiteres Erlebnis mit Gott, das er mit den Worten beschrieb: „Mein Sinn wurde plötzlich und vollständig vom Gesetz zum Evangelium gewendet.“ („My mind was suddenly and completely turned from the law to the Gospel.“) Wenig später nahm er am Wayland Seminary (heute Teil der Virginia Union University) in Washington, D. C. ein Theologiestudium auf und schloss es vier Jahre später mit Auszeichnung ab.
Im Anschluss übernahm Powell die Leitung verschiedener afroamerikanischer Gemeinden, ehe er 1908 seine letzte Pastorenstelle antrat. Es war dies die Abyssinian Baptist Church im New Yorker Stadtteil Manhattan (242 West 40th Street). Vor seiner Amtseinführung regte sich dort Widerstand einer einflussreichen Minderheit gegen seine Person und seine Pläne. Deren Wortführerin erlitt jedoch am Tag vor der entscheidenden Aussprache einen tödlichen Schlaganfall, so dass der Widerstand gegen Powell völlig in sich zusammenfiel.
Der Standort der Kirche befand sich damals im Rotlichtbezirk der Stadt, wo Prostituierte auf dem Straßenstrich regelmäßig nach den Gottesdiensten auf Freier unter deren Besuchern warteten. Diesem Unwesen sagte Powell von Anfang an den Kampf an und predigte zunächst jeden Abend. Innerhalb weniger Wochen löste sich der Straßenstrich auf, und eine Reihe von Zuhältern, Prostituierten und Barbetreibern wurden von den Versammlungen angezogen, bekannten sich zum Glauben und ließen sich taufen. Allerdings bekam Powell in der Folge mehrere Morddrohungen.
Powell wurde nun immer öfter eingeladen, um auf großen evangelistischen Veranstaltungen zu sprechen. Unter seiner Verkündigung bekehrten sich Menschen in großer Zahl. Seine Art zu predigen wurde beschrieben mit den Worten: „Leben und Feuer“.
Im Jahr 1920 ließ Powell für seine wachsende Gemeinde eine neue Kirche bauen, und zwar in Harlem, dem Wohnort vieler Mitglieder. Der neugotische Bau bot Platz für 2000 Besucher, sowie Nebenräume für Kindergottesdienste etc. sowie Spiel- und Sportmöglichkeiten für die Heranwachsenden. Bald erwies sich auch hier der Platz nicht als hinreichend.
1930/31, während seines Studienaufenthaltes in den USA, besuchte Dietrich Bonhoeffer auch die Abyssinian Baptist Church. Er bezeichnete die Erlebnisse in der „Negerkirche“ als seine einzige Erfahrung wirklicher Religion in den USA und fasste Vertrauen zu Powell, der für ihn ein wichtiger Mentor wurde. Bonhoeffer betätigte sich auch in der Gemeindearbeit als Sonntagschullehrer.
Als Powell sein Pastorenamt 1936 niederlegte, war seine Gemeinde auf 14000 Mitglieder angewachsen und damit die größte protestantische Gemeinde in den USA. Sein Amtsnachfolger war sein Sohn Adam Clayton Powell jr.
Im Alter von 88 Jahren starb Powell in Flushing im New Yorker Stadtteil Queens. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem dortigen Friedhof.
Theologie und gesellschaftliches Engagement Powells Theologie war geprägt von einer Betonung des gelebten persönlichen Glaubens. Insbesondere das Gebet verstand er als Grundlage eines in Gott verankerten Lebens. Sein weiteres Anliegen war die Seelsorge. Er kämpfte gegen ein verweichlichtes Christentum, dem dank „billiger Gnade“ vermeintlich das ewige Leben garantiert war.
Powell engagierte sich über die Predigt hinaus vielfältig bei der Versorgung der Armen und der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit unter den Schwarzen. Darüber hinaus machte er sich auch in politischer Hinsicht als Mitglied der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) und der National Urban League für die Sache der Farbigen stark.
Persönliches Am 30. Juni 1889 heiratete Powell die siebzehnjährige Mattie Fletcher Shaffer geb. Buster (* 4. Februar 1872; † 22. April 1945). Der Unterschied zwischen dem Mädchen- und dem aktuellen Namen der Frau vor der Heirat rührt daher, dass ihre Mutter Eliza sich von ihrem ersten Mann, Samuel Buster, scheiden ließ und wenige Wochen vor Matties Geburt William Shaffer heiratete. Ob Samuel Buster, wie weithin angenommen, wirklich Matties leiblicher Vater war, ist daher angezweifelt worden. Beide Schwiegereltern Powells waren Landarbeiter mit gemischtethnischem Hintergrund. Adam und Mattie hatten sich als Schulkameraden kennengelernt, als er 16 und sie 13 Jahre alt waren; in seiner Autobiographie beschrieb Powell sie als einen der wenigen Lichtblicke während dieser überaus harten Jahre in Virginia.
Das Paar bekam zwei Kinder: Die Tochter Blanche (1898–1926) heiratete 1917 Clarence D. King aka Rhodes, wurde 1922 Mutter einer Tochter, starb aber bereits 1926 mit 27 Jahren, vermutlich an einer fehldiagnostizierten Blinddarmentzündung, die zum Durchbruch führte. Der Sohn Adam Clayton Powell jr. (1908–1972) wurde Politiker und Bürgerrechtler.
Am 22. April 1945 starb Mattie Powell im Alter von 73 Jahren nach 56-jähriger Ehe. Gut zehn Monate später, am 5. Februar 1946, ging ihr Mann eine weitere Ehe ein, und zwar mit Inez Cottrell.
Powell fühlte sich aufgrund seiner Herkunft lebenslang der farbigen Bevölkerungsgruppe zugehörig, obwohl seine äußerlichen Merkmale nicht darauf hindeuteten: Er war hellhäutig mit blauen Augen und brünetten Haaren. Ähnliches traf auf seine Frau und folglich auch seine Kinder zu. Durch diese Diskrepanz geriet der Sohn Adam Clayton junior als junger Erwachsener in eine Identitätskrise.
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