Das Hilfswerk Rüb (ursprünglich Hilfswerk für evangelische Umsiedler aus Bessarabien und der Dobrudscha kurz: Hilfswerk für Schwabenumsiedler) war eine nach dem Zweiten Weltkrieg von Karl Rüb in Stuttgart gegründete und geleitete Selbsthilfeorganisation der Bessarabiendeutschen. Das Hilfswerk spielte eine entscheidende Rolle bei der gezielten Ansiedlung von Flüchtlingen aus Bessarabien sowie der Dobrudscha in Südwestdeutschland und schuf die dokumentarische Basis des späteren Bessarabiendeutschen Vereins mit Museum und Archiv.

Gründung und rechtlicher Rahmen 1945 In der unmittelbaren Nachkriegszeit war die Gründung von politischen oder landsmannschaftlichen Verbänden in den westlichen Besatzungszonen untersagt. Der Ingenieur Karl Rüb, der aus Lichtental in Bessarabien stammte und bereits vor 1939 beruflich in Stuttgart ansässig war, nutzte seinen Standortvorteil. Am 2. Juli 1945 gründete er als erste Flüchtlingshilfsorganisation in den vier Besatzungszonen das Hilfswerk unter dem Dach der Evangelische Landeskirche in Württemberg. Durch diesen karitativen Status konnte die Organisation trotz des Koalitionsverbots ihre Arbeit aufnehmen. Das Hilfswerk bot der Stadt Stuttgart 40 Pferdegespanne von Bessarabiendeutschen zur Trümmerbeseitigung in der Innenstadt an.

Die „Schwabenumsiedlung“ Das Hauptprojekt des Hilfswerks war die sogenannte „Schwabenumsiedlung“. Karl Rüb vertrat die Ansicht, dass die Integration der bessarabien- und dobrudschadeutschen Flüchtlinge – die nach der Flucht 1944/45 oft in Norddeutschland (heutiges Niedersachsen, Schleswig-Holstein) verteilt waren – am besten im deutschen Südwesten gelingen würde. Er argumentierte gegenüber den Behörden mit der kulturellen Nähe (Auswanderungsgebiete) und sprachlichen Verwandtschaft (schwäbischer Dialekt). In der Geschäftsstelle des Hilfswerks waren zeitweise bis zu 50 Personen beschäftigt. Es beschaffte Zuzugsgenehmigungen für das damalige Württemberg-Baden und soll für den Zuzug von ca. 15.000 Personen gesorgt haben. Diese Aktion führte zur heutigen Konzentration der Bessarabiendeutschen im Raum Stuttgart, der heutigen Patenstadt des Bessarabiendeutschen Vereins.

Integration in das Hilfskomitee 1946 Mit der Gründung des bundesweiten Hilfskomitee der Evangelisch-lutherischen Kirche aus Bessarabien im Sommer 1946 wurde das Hilfswerk Rüb als Landesstelle in die größere Verbandsstruktur integriert. Damit ging die Phase der individuellen Initiative in eine institutionalisierte Form über.

Aufgaben und Wirken Karl Rüb begann bereits während der Tätigkeit des Hilfswerks mit der systematischen Sicherung von Ortsplänen und Fotografien. Er rettete Informationen über die Verwaltung der Heimatorte, darunter Details zur Struktur der Waisenkassen, die als Vorbild für die soziale Selbsthilfe galten. Diese Sammlungen bilden heute den Kernbestand des Heimatmuseums in Stuttgart.

Datenerhebung und Suchdienst Unmittelbar nach dem Krieg führte das Hilfswerk eine großangelegte Fragebogenaktion durch. Dabei wurden über 30.000 Fragebogen gesammelt, in denen Namen, Adressen und Herkunftsorte erfasst wurden. Diese Datensammlung war die erste verlässliche Grundlage für:

Die Zusammenführung von während der Flucht getrennten Familien. Die Erstellung von Suchlisten für Vermisste. Die statistische Erfassung der Verluste im Zweiten Weltkrieg der Volksgruppe.

Bedeutung des Hilfswerks Das Hilfswerk Rüb gilt als die „Stunde Null“ der bessarabiendeutschen Nachkriegsorganisation. Durch die Weichenstellung von Karl Rüb wurde Stuttgart zum administrativen und kulturellen Zentrum der Gemeinschaft in Deutschland. Die heutige Existenz des Bessarabiendeutschen Vereins und des Heimatmuseums in Stuttgart wird auf die Vorarbeit des Hilfswerks Rüb zurückgeführt.

Literatur Ute Schmidt: Die Deutschen aus Bessarabien. Eine Minderheit aus Südosteuropa (1814 bis heute). 2. durchgesehene Auflage. Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-05004-0, S. 345, 346. Heinz Fieß: Karl Rüb – ein Mann der ersten Stunde in Mitteilungsblatt des Bessarabiendeutschen Vereins, 11/2008, S. 8 (Online) Hilfskomitee der ev.-luth. Deutschen aus Bessarabien (Hrsg.): Rückkehr in die Heimat der Vorfahren in: Heimatkalender – Jahrbuch der Deutschen aus Bessarabien, Jahrgang 2015, (S. 145 ff.). Hartmut Knopp: Karl Rüb – Pionier, Wegbereiter und Visionär – Teil 1 in: Mitteilungsblatt des Bessarabiendeutschen Vereins e. V., Heft 12, Dezember 2020, S. 15–17 (Online) Hartmut Knopp: Karl Rüb – Pionier, Wegbereiter und Visionär – Teil 2 in: Mitteilungsblatt des Bessarabiendeutschen Vereins e. V., Heft 1, Januar 2021, S. 15–17 (Online)

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