Jais ist ein deutscher Familienname, der im deutschsprachigen Alpenraum, insbesondere in Tirol, belegt ist.

Verbreitung Für Tirol weist die vom Tiroler Landesarchiv dokumentierte Familiennamenerhebung 1940/41 den Namen Jais in mehreren Gemeinden nach, darunter Hall in Tirol, Imst, Innsbruck, Kauns, Nassereith, Silz, Sölden, Stams und Steinach am Brenner. In derselben Erhebung erscheint Jaist als separat geführte Namensform; dies deutet auf regionale Schreib- und Lautvarianten hin.

Herkunft und Deutung

Ableitung von Jodocus (Jodok) Nach dem Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) ist Jais ein patronymisch gebildeter Familienname, der auf eine oberdeutsche Kurzform des Rufnamens Jodocus (u. a. Jodok, Jost) zurückgeht. Nach dem DFD gelangte der Rufname im Mittelalter durch die Verehrung des bretonischen Heiligen Jodocus in der französischen Form Josse in den deutschen Sprachraum; als lautlicher Bildungsweg wird Jodocus → Josse → Jais angesetzt. Im Alpenraum ist die Verehrung des Heiligen unter anderem durch Orts- und Patroziniennamen wie St. Jodok am Brenner fassbar.

Alternative Deutungen und Namensvettern In der Tiroler Namenforschung wurde von Karl Finsterwalder eine alternative Herleitung aus dem Rufnamen Matthäus diskutiert. Dabei nahm er einen lautlichen Kettenweg über die Kurzform Theis und regionale Anlautverschiebungen (Zais/Zeis zu Jais) an.Karl Finsterwalder: Tiroler Familiennamenkunde. Sprach- und Kulturgeschichte von Personen-, Familien- und Hofnamen. Universitätsverlag Wagner, Innsbruck 1977.

Unabhängig von dem oberdeutschen Namen existiert der Nachname Jais (oft auch Jaïs geschrieben) im französischen und nordafrikanischen Raum, hat dort jedoch gänzlich andere etymologische Wurzeln. Er geht dort entweder als metonymischer Berufsname auf das französische Wort jais (schwarzes Pechgestein, Gagat) zurück oder ist eine an das Französische angepasste Schreibweise des sephardisch-arabischen Rufnamens Yaïch („lebendig“).Marie-Thérèse Morlet: Dictionnaire étymologique des noms de famille. Perrin, Paris 1991, ISBN 2-262-01350-0. Eine historische oder sprachliche Verwandtschaft zu den Namensträgern aus dem Alpenraum besteht nicht.

Namensträger Andreas Jais (1685–1753), Mittenwalder Geigenbauer; als früher Schüler von Matthias Klotz genannt Aegidius Jais (1750–1822), Benediktinerpater, römisch-katholischer Theologe und Hochschullehrer Josef Jais (1716–18. Jahrhundert), Freskomaler aus Imst Maximilian Jais (1891–1957), deutscher Generalmajor

Literatur

Weblinks Jais im Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) Theis im Digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD) Familiennamen in Tirol und Vorarlberg (Erhebung 1940/41) beim Tiroler Landesarchiv Familiennamen J (Erhebung 1940/41) beim Tiroler Landesarchiv Matthias Klotz und der Mittenwalder Geigenbau (PDF; 1,2 MB), Geigenbaumuseum Mittenwald

Einzelnachweise

Kategorie:Familienname