miniatur|Palazzo Gottifredo in Alatri Der Palazzo Gottifredo (auch Le Case Grandi genannt) ist ein gotischer Palast aus dem 13. Jahrhundert in Alatri in der italienischen Provinz Latium. Er liegt in der Via Emanuele Lisi, 7 und ist eine der bedeutendsten mittelalterlichen Konstruktionen im Latium.
Er befindet sich am Schnittpunkt der zum Zeitpunkt seines Baus bedeutendsten Straßenachsen Alatris: Die erste, aus dem Norden, kam von der damaligen Porta San Pietro, die zweite, aus dem Westen, war die alte Via San Francesco, die durch das gleichnamige Tor führte, und die dritte, aus dem Osten, kam von der Porta San Nicola. Sowohl die Imposanz des Palastes als auch die Ausbildung der Innenräume, von denen einige bemerkenswerte architektonische Bedeutung haben, lassen glauben, dass der Kardinal Gottifredo di Raynaldo, der ihn erbauen ließ, hier mehrere Funktionen zusammenführen wollte: Verteidigung, Repräsentation und Regierung. Sein ältester Teil, der Turm an der Kreuzung der drei Straßen (die in Alatri auch „Trivio“ genannt werden), beherbergt aus Stadtmuseum, das seit 1996 durchgehend geöffnet ist.
Aufbau und Bauphasen des Palastes Der monumentale Komplex, der den Palazzo Gottifredo bildet, besteht aus einem Mittelteil – an dessen zur Anpassung an den Straßenverlauf leicht konvexer Fassade das Haupteingangstor, ausgebildet mit Spitzbogen und verziert mit doppelten Stäben, liegt – und zwei Türmen, einen am Treffpunkt der drei Straßen und einen auf der gegenüberliegenden Seite. Die Bauarbeiten müssen angesichts der Masse des Gebäudes viele Jahre lang gedauert haben, aber aus den zeitgenössischen Dokumenten kann man nicht mit Sicherheit erkennen, wann sie begannen und wann sie abgeschlossen wurden. Man weiß aber, dass Gottifredo bereits 1229 Kanoniker der Kathedrale von Alatri, und, dass er 1286, ein Jahr vor seinem Tod, zum Podestà der Stadt ernannt wurde. Somit muss sich das Projekt des Palastes höchstwahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in seiner letzten Phase befunden haben.
Der Bau miniatur|Der Turm am Kreuzungspunkt der drei Straßen, der älteste Teil des Komplexes und Sitz des Stadtmuseums Mit Blick auf das Gefüge des Mauerwerks kann man erkennen, dass der Eckturm am Treffpunkt der drei Straßen aus romanischer Zeit stammt und vor dem Mittelteil des Gebäudes errichtet wurde. An diesem ursprünglichen Block muss der Bau in einer zweiten Phase abgeschlossen worden sein; er erinnert an das typische Modell eines Wohnturms, der auch eine interne Vorhalle enthält. Man kann die vielen Zwecke des Gebäudes schon daran erkennen, dass an der Fassade sowohl kleine Fenster mit ausgeschrägten Laibungen für den Verteidigungszweck vorhanden sind als auch große Doppelfenster mit Rund- oder Spitzbögen für Zimmer, die Wohnzwecken dienten. Mit der dritten Bauphase, der weitaus bedeutendsten, verstärkte sich der vielschichtige Charakter des Palastes. Im Erdgeschoss befanden sich die Stallungen und die Räume für die Dienerschaft; im ersten Obergeschoss in der Mitte, ausgewiesen durch die drei großen Spitzbögen, befanden sich der Saal und die Wohnräume des Kardinals; das oberste Geschoss war für den großen Saal reserviert und bestand aus einem einzigen Raum; seine Decke und zugleich das Dach wurden von drei meisterhaften Spitzbögen aus Stein gestützt, deren Bausystem bereits bei verschiedenen anderen, zeitgenössischen gotischen Bauwerken in der Nähe angewandt worden war. Dies nahm hier aufgrund der Kühnheit, die seine Erbauer bewiesen hatten, eine besondere Bedeutung ein. In diesem Komplex hebt das Kompendium, das in all seinen Teilen des Gebäudes schmal ist, den vertikalen Charakter hervor und zeigt schon auf den ersten Blick einen Anblick imposanter Schönheit. Der lokale Kalkstein, der für seinen Bau genutzt und mit äußerster Sorgfalt bearbeitet wurde, verleiht dem Ort eine zweidimensionale Masse, dies sich durch strenge Reihen und einfache Linien ausdrückt. Die Fülle der Mauern überwiegt die Leerräume der Fenster- und Schießschartenanordnungen, die im Laufe der Jahrhunderte eingesetzt wurden, sodass der Palast heute noch den Eindruck einer Einheit, Kraft und Eleganz abgibt.
Von der Herrschaft Gottifredos bis zum Erdbeben 1349 So ausgeführt repräsentierte der Palazzo Gottifredo somit das pulsierende Herz des örtlichen, politischen Lebens und war ein Symbol der Stabilität. Die Zeit, in der er seine volle Funktionalität und Pracht entfaltete, dauerte allerdings nicht allzu lange. Der Tod des Kardinals hinterließ eine Machtlücke, der bis 1296 eine ununterbrochene Reihe von Grausamkeiten, Plünderungen, Zerstörungen und Kämpfen folgte. In der Mitte des folgenden Jahrhunderts verursachte das sehr starke Erdbeben in Mittelitalien von 1349 den Einsturz des Mittelteils des Palastes: Wegen der fehlerhaften Proportionierung der großen Bögen, die das Dach stützten, gaben die Spitzbogenstrukturen des obersten Stockwerkes nach und stürzten auf die darunterliegenden. Nachdem Baumaterialien wiederverwendet und Bautechniken angewendet wurden, die den ursprünglichen vollständig entsprachen, ist es wahrscheinlich, dass auch die späteren Bauphasen kurz vor dem Zusammenbruch standen. Anstelle des oberen Saales entstand ein Hof. Darüber hinaus wurden zwei Baukörper errichtet.
Vom Zeitalter des städtischen Niedergangs bis zum 18. Jahrhundert Mit Gottifredo erreichte die Gemeinde Alatri ihre höchste Blütezeit. Nach ihm begann der Niedergang der Stadt, gekennzeichnet durch die vollständige Unterwerfung unter das Papsttum, die die Autonomie beendete, ohne die Sicherheit zu garantieren. Das Schicksal des Palastes folgte dem der gesamten Siedlung. Vielleicht hätte Gottifredo die Residenz des Podestà weitergebaut, sicher ist aber, dass spätere Bauarbeiten, die nach weiteren, heftigsten Erschütterungen, wie dem Erdbeben von Sora 1654 und vielleicht später dem Erdbeben von L’Aquila 1703, nötig geworden waren, eher von bescheidenem Umfang waren. Es ist aber durchaus plausibel, dass im 18. Jahrhundert der Bau eines kleinen Gebäudes mit freistehender Struktur erforderlich war, die den Haupteingang zum Palazzo Gottifredo nutzte, ebenso wie der Umbau der Innenräume des hinteren Turms, der die Höhenlage der Zwischendecken im Vergleich zum Original veränderte, was auch die Formveränderung einiger Fensteröffnungen an der Fassade bedingte.
Die kürzliche Restaurierung des großen Saales und des Daches miniatur|Der große Saal mit Spitzbögen im obersten Stockwerk des Palazzo Gottifredo; er wurde 2010 restauriert. miniatur|Panorama des Ortszentrums Alatri mit dem Palazzo Gottifredo vor Beginn der Restaurierungsarbeiten miniatur|Dasselbe Panorama nach dem Wiederaufbau des Daches Das letzte Jahrhundert war durch einige zu kritisierende Bauarbeiten gekennzeichnet, von denen die bedeutendste zwischen 1920 und 1930 vorgenommen wurde, vielleicht direkt vom staatlichen Bauingenieurwesen. Aber ab 2006 wurde die bemerkenswerteste Restaurierungsaktion begonnen: Man nahm die Analysen und Ansichten von Enrico Pavone wieder auf, der 40 Jahre vorher auf den vollständigen Wiederaufbau der eingestürzten Gebäudeteile gehofft hatte; die Architekten Giovanni Fontana und Alfredo Spalvieri haben deren Korrektheit bestätigt, aber, anders als Pavone, wollten sie die grundlegende Rolle nicht übersehen, die die Bauten aus dem 18. Jahrhundert im nachfolgenden Leben des Palastes gespielt haben. Ihr Projekt rettete alle vorher existierenden Bauwerke von Bedeutung, wobei gleichzeitig die ursprüngliche Tragstruktur aus Bögen wiederhergestellt wurde. Nach mehr als 650 Jahren wurde so das oberste Stockwerk vollständig wiederaufgebaut, während die Bögen im mittleren Stockwerk sichtbar gelassen wurden und somit die Räume, die aus dem 18. Jahrhundert stammen, erhalten wurden. Auf diese Weise kann man bei einem Besuch des Gebäudes seinen gesamten geschichtlichen Zyklus neu erleben und gleichzeitig ist es möglich, den ursprünglichen Aufbau vollständig zu verstehen. Die Restaurierungsarbeiten, die noch im Gange sind, werden die Sicherstellung der funktionalen Sanierungsbedürfnisse der Räumlichkeiten ermöglichen, um ihre kulturelle und wirtschaftliche Aufwertung zu gewährleisten, ohne die Gründe für die Zersplitterung der Gebäudeteile innerhalb des Komplexes zu berücksichtigen, der sich größtenteils in Privatbesitz befindet.
Die Innenräume Wenn man nicht die Räumlichkeiten im Erdgeschoss betrachtet, die ursprünglich als Remisen und Stallungen dienten und in denen heute kleine Ladengeschäfte untergebracht sind, kann man sagen, dass der Palazzo Gottifredo im Wesentlichen in zwei Teile unterteilt ist, die heute vollkommen getrennt sind: Ein äußerer Wohnturm, in dem man vom Corso Cavour aus gelangt, der Teil des kommunalen Erbes ist und das Museum beherbergt, und den anderen Teil, der den verbleibenden und größten Teil des Palastes umfasst, den Haupteingang durch das große Portal an der Via Emanuele Lisi enthält und verschiedenen Bürgern gehört; er besteht aus dem inneren Turm, dem kleinen Palast aus dem 18. Jahrhundert und dem gotischen Mittelbau mit dem großen Saal, der mit den Spitzbögen ausgestattet ist.
Das Stadtmuseum Das Stadtmuseum, das 1934 im Erdgeschoss des Palazzo Conti-Gentili gegründet wurde, wurde 1935 in die Räume des Palazzo Gottifredo umgezogen. Es war zeitweise und sogar über längere Zeiträume für die Öffentlichkeit geschlossen. Seit 1996 ist es durchgehend geöffnet.
Es erstreckt sich über fünf Stockwerke, die auch für Personen mit eingeschränkter Beweglichkeit zugänglich sind, und über 12 Säle (A–L). Im Erdgeschoss (Saal A) befinden sich der Eintrittskartenverkauf, der Empfangsraum und die Tafeln, die in die Geschichte von Alatri einführen. Im ersten Obergeschoss ein Saal (Saal B) für Multimedia eingerichtet; dort können Konferenzen abgehalten werden. Weiter gelangt man in eine reiche Ausstellung von Epigraphen (Saal C), die 26 altrömische Inschriften enthält; die bedeutendste davon ist die von Lucius Betilienus Varo. Die Säle D und E enthalten das archäologische Erbe der Stadt, das verschiedenen Ausgrabungen entstammt. Schließlich befindet sich auf demselben Stockwerk eine permanente Ausstellung von Fundstücken der Guardia di Finanza: korinthische, etruskische und attische Keramiken, sowie solche aus Mittel- und Süditalien vom klassischen Zeitalter bis zum Hellenismus. Das zweite Stockwerk ist Diensträumen vorbehalten. Im dritten Stockwerk beherbergen die Säle I und L eine reiche anthropologische Sammlung mit etwa 1000 Ausstellungsstücken. Das letzte Stockwerk ist für Besucher unzugänglich, da sich dort die Büros befinden.
Die Wohnräume aus dem 18. Jahrhundert Diese befinden sich derzeit in Restaurierung. Sie besitzen Decken aus Balken, Trägern und Planken aus Stieleichen- und Kastanienholz in Regolo-per-Convento-Anordnung und dort sind dekorative Fresken und Stuckarbeiten aus dem 18. Jahrhundert erhalten.
Die Associazione Gottifredo