Das Castello di Monte San Giovanni Campano ist eine Burg aus dem Ende des 10. Jahrhunderts in der Gemeinde Monte San Giovanni Campano in der italienischen Region Latium. Sie liegt in der Via Corte, 3. Die Burg besitzt zwei Türme, einen fünfeckigen und einen rechteckigen. Im 13. Jahrhundert, als die Burg den Grafen D’Aquino gehörte, war dort der Heilige Thomas von Aquin von seinen Familienangehörigen eingesperrt. Wegen seiner strategisch bedeutenden Lage erfüllte die Burg Jahrhunderte lang die Funktion der Verteidigung der Südgrenze des Kirchenstaates.
Geschichte Am 8. April 1157 gelangte die Burg in den Besitz der Grafen D’Aquino, Vasallen von Papst Hadrian IV. und 1184 wurde sie durch ein Erdbeben schwer beschädigt. In den Jahren 1244–1245 war dort der Heilige Thomas von Aquin eingesperrt.
1440 ging die Burg in den Besitz des spanischen Markgrafen Innico d’Avalos über, der Antonella d’Aquino geheiratet hatte. 1495 wurde sie von den Truppen des Königs Karl VIII. von Frankreich zerstört.
1595 kehrte sie in den Besitz des Kirchenstaates zurück und wurde Sitz eines Gouverneurs. 1703 machten die schweren Schäden, die die Burg bei einem Erdbeben erlitten hatte, den Abriss des obersten Stockwerks notwendig.
1832 gelangte die Burg in den Besitz der Grafen Lucernari und 1870 wurde sie nach der Integration in das Königreich Italien Sitz der Predura mandamentale (regionaler Gerichtsbezirk). Wegen der beim Erdbeben am 13. Januar 1915 erlittenen Schäden wurden weitere zwei Stockwerke abgerissen.
1942 kaufte Luigi Mancini die Burg und stieß bedeutende Restaurierungsarbeiten an. Einige Jahre nach seinem Tod kaufte die Familie Mastrantoni im Jahre 1990 das Anwesen und ließ weitere Restaurierungsarbeiten durchführen.
In den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts weilte der Musiker Pietro Mascagni auf der Burg und hinterließ sein wunderbares Hammerklavier als Geschenk; es ist heute noch zu sehen. Ein Raum im Restaurant der herzoglichen Burg ist dem Künstler gewidmet.
Die Versuchung des Heiligen Thomas Thomas von Aquin wurde von seinen Verwandten zwei Jahre lang, von 1244 bis 1245, in der Burg gefangen gehalten, um ihn von seiner dominikanischen Ordensberufung abzubringen und ihn dann zum Eintritt in den Benediktinerorden zu bewegen, damit er dem Projekt des Vaters folgte, der ihn zum künftigen Abt des Klosters Montecassino machen wollte, so wie einen seiner Onkel. Der Sage nach führten seine Brüder eine junge, nackte und provokante Sarazenin seinem Zimmer zu, aber der Heilige verjagte sie mit einem brennenden Holzscheit. Nach dieser Prüfung verfiel er in einen tiefen Schlaf, in dem ihm im Traum zwei Engel erschienen, die ihm die Kordel der Keuschheit anlegten und ihn für immer von seinen sexuellen Instinkten befreiten, damit er sich vollständig den theologischen Studien verschreiben konnte.
Später entfloh der Heilige dem Gefängnis, indem er sich mit einem Seil von einem Fenster an der Seite der Burg abseilte, die über der Kirche Santa Margherita lag.
Der Gefängnisraum des Heiligen ist sehr realistisch auf dem Gemälde Der Heilige Thomas von Aquin wird von Engeln getröstet des spanischen Malers Diego Velázquez dargestellt, das im Diözesanmuseum von Orihuela in Alicante aufbewahrt wird.
Plünderung 1495 fielen die Truppen des Königs von Frankreich, Karl VIII., in Italien ein, um das Königreich Neapel zu erobern. Im Februar kamen sie fast ohne Gegenwehr beim Castello di Monte San Giovanni Campano an, fanden dort aber bemerkenswerten Widerstand vor und mussten die Burg mithilfe der Artillerie einnehmen, die auf einem Hügel gegenüber der Burg platziert wurde. Als die Soldaten den Widerstand überwunden hatten, gaben sie sich dem Plündern hin, wobei sie die ganze Stadt zerstörten und nicht nur die Verteidiger, sondern auch die Frauen und Kinder massakrierten. Diese Schlacht wurde von Francesco Guicciardini im ersten Buch seiner Storia d’Italia beschrieben und kommentiert: “Andò di poi l’esercito al Monte San Giovanni, terra del marchese di Pescara, posta in su i confini del regno nella medesima Campagna, la quale, forte di sito e di munizioni, non era meno munita di difensori perché vi erano dentro trecento fanti forestieri e cinquecento abitanti dispostissimi a ogni pericolo, in modo si giudicava non si dovesse espugnare se non in ispazio di molti dì. Ma i Franzesi, presente il Re, avendolo battuto con l’artiglieria, poche ore gli dettero con tanta ferocia la battaglia che, superate tutte le difficoltà, l’espugnarono per forza il dì medesimo; dove per il furore loro naturale e per indurre con questo esempio gli altri a non ardire di resistere, commessoro grandissima uccisione. E dopo aver esercitato ogn’altra specie di barbara ferità, incrudirono con gli edifici col fuoco. Il qual modo di guerreggiare, non usato per molti secoli in Italia, empiè tutto il Regno di grandissimo terrore“(dt.: Danach zog das Heer nach Monte San Giovanni, das Gebiet des Markgrafen von Pescara, an den Grenzen der genannten Herrschaft gelegen, das, stark an Lage und Munition, nicht weniger mit Verteidigern ausgestattet war, weil es seinem Inneren 300 ausländische Infanteristen und 500 Bewohner waren, die mehr als bereit waren, sich jeder Gefahr zu stellen, und so kam man zu dem Schluss, dass man mehrere Tage benötigen würde, es zu erobern. Aber die Franzosen besiegten es in Anwesenheit ihres Königs mit Artillerie und kämpften ein paar Stunden lang mit solcher Heftigkeit, dass sie es, nachdem sie alle Schwierigkeiten überwunden hatten, in einem Tag mit Gewalt eroberten; angetrieben durch ihre natürliche Wut und, um mit diesem Beispiel die anderen dazu zu bringen, es nicht zu wagen, Widerstand zu leisten, begingen sie ein sehr großes Morden. Und, nachdem sie jede weitere Art von barbarischem Tun verübt hatten, brannten sie die Gebäude grausam nieder. Eine derartige Kriegsführung, die viele Jahrhunderte lang in Italien nicht geübt wurde, erfüllte das ganze Königreich mit großem Schrecken.)
Beschreibung Die herzogliche Burg hatte ursprünglich fünf Stockwerke und war damit höher als der Hauptturm. Die oberen drei Stockwerke wurden aber nach Beschädigung durch verschiedene Erdbeben abgerissen. An der Hauptfassade zeigen die Mauern aus örtlichem Stein eine Dicke von über zwei Metern an der Basis.
Im Untergeschoss sind die Kerker mit Kritzeleien der Insassen an den Wänden erhalten. Das Stockwerk darüber beherbergte die Wohnräume des Gefängniswärters, die heute als Bibliothek genutzt werden.
Darüber hinaus sind zwei Räume erhalten, die als Gefängnis des Heiligen Thomas von Aquin dienten: Der innere, in dem der Heilige eingesperrt war, wurde im 16. Jahrhundert in eine Kapelle umgewandelt. Die Räumlichkeiten erreicht man über eine steile Treppe und man tritt durch ein Portal ein. Die Kapelle zeigt einen Bodenbelag aus kleinen, türkisen und weißen Majolikaquadraten im Schachbrettmuster. Über dem Altar ist ein Triptychon aus dem 16. Jahrhundert nach Art der neapolitanischen Schule, gemalt auf Tafeln angebracht; es zeigt Episoden aus dem Leben des Heiligen.
Der Bergfried mit quadratischem Grundriss aus dem 12. Jahrhundert, 20 Meter hoch und mit einer Zugangstüre auf etwa der halben Höhe, überragt den Hofplatz. Die Mauern sind an der Basis 3,3 Meter dick und der Turm ist mit einer angeschrägten Bastion umgeben, die wegen der Schießscharten für Geschütze auf eine spätere Epoche zu datieren ist.
Nordöstlich dieses Komplexes ragt der fünfeckige Turm auf, der auf das 13. Jahrhundert datiert wird; er besitzt große Spitzbogenfenster auf der Seite zum Innenhof hin. Sein Inneres besteht aus zwei übereinander liegenden Räumen, die mit einer lichtdurchfluteten Treppe verbunden sind. Diese Räume sind mit alten Möbeln unterschiedlicher Stile und Herkunft ausgestattet. Unterhalb des Turms befindet sich ein Baptisterium.
Zwischen den beiden Türmen gab es eine unterirdische Verbindung. Ein weiterer, unterirdischer Gang führte vom fünfeckigen Turm zu einem 400 Meter vom Gebäude entfernten Ausgang.
Unweit des fünfeckigen Turms steht ein Renaissancepalast, der sich als separater Baukörper darstellt und die Säle für Feste, Konzerte und Spiele, und die Tafernwirtschaft mit Dekorationen, Möbeln und Einrichtungsgegenständen enthält. Vom Atrium führt eine große Marmortreppe zu den Wohnräumen der Herrschaft.
Vor dem Eingang zum Palast befindet sich ein Brunnen mit der Statue einer Frau mit einem Becken in der Hand; es ist eine postume Rekonstruktion, die die Familie Mancini anfertigen ließ. Man muss anführen, dass die gesamte Rekonstruktion (man kann nicht von einer Restaurierung sprechen) vollständig aus billigem Stahlbeton besteht, wirklich nicht auf das 12. Jahrhundert zurückzuführen ist und sogar ein Becken besitzt. Die Zugangstreppen zu dem Kirchlein des Heiligen Thomas im Gebäude sind in gleicher Art und Weise in Stahlbeton gefertigt, wie die Details der Zugangsbögen zur Burg. Insgesamt ist dies eine Art der „Heimwerkerrestaurierung“, die die gesamte historische Struktur des Herrenhauses beschädigt hat. Die Restaurierungsarbeiten am „alten Teil“, der in seiner ganzen stolzen Schönheit unversehrt geblieben ist, sind dagegen angemessen.
Bildergalerie
Einzelnachweise Francesco Guicciardini: Storia d’Italia. Buch I. Presso Giorgio Angelieri, 1561.
Weblinks und Quellen
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