miniatur|Palazzo Gallio in Alvito Der Palazzo Gallio (auch Palazzo Ducale) ist ein Renaissancepalast aus dem 16. und 17. Jahrhunderts in Alvito in der italienischen Provinz Latium. Er liegt in der Via Gallia, 13 an der Ecke zum Corso Mario Equicola, an der Piazza Guglielmo Marconi. Benannt ist er nach der Familie Gallio, die aus Cernobbio stammte und von 1595 bis 1795 die Lehensherrn von Alvito und einem großen Teil des Val Comino waren. Heute ist in dem Gebäude das Rathaus der Stadt untergebracht. Ebenfalls residiert dort (mit Eingang auf der rechten Gebäudeseite zur Piazza della Vittoria hin) die Gruppo di azione locale „Versante laziale del Parco nazionale d’Abruzzo“.

Geschichte miniatur|Palazzo Ducale von Alvito, Detail Der Palast wurde in mehreren Schritten von 1596 bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts erbaut.

Im Wesentlichen wurden laut dem Geschichtswissenschaftler Domenico Santoro die Arbeiten an dem Palast unter Francesco I. Gallio 1633 abgeschlossen.

Von der Piazza Guglielmo Marconi aus tritt man durch eine Vorhalle namens „Le logge“ – die Tolomeo II. Gallio, Sohn des oben genannten Francesco um 1668 errichten hatte lassen – ein, auf deren linken Seite im Jahre 1907 eine Tafel mit Inschrift zur Erinnerung an Mario Equicola aufgestellt wurde. Im Empfangsraum befindet sich eine faszinierende, zeitgenössische Treppe: Auf halber Höhe kann man eine letzte Inschrift sehen, die an die 21 Bewohner von Alvito erinnern soll, die 1839 den Palast kauften, um ihn der Stadt als Sitz der Stadt- und Justizverwaltung zu stiften.

Tatsächlich verblieb der Palast nach der Abschaffung des Lehenswesens (1806–1808) nominell in Besitz eines der Erben der Gallios, also Carlo Pignatelli, Herzog von Montecalvo, dem er aber enteignet und 1839 vom Zivilgericht der Terra di Lavoro mit Sitz in Santa Maria Capua Vetere versteigert wurde. Das höchste Gebot gaben zunächst mit 4701 Dukaten zwei Angehörige der Viehzüchterschaft der Abruzzen, die Cousins Pietrantonio Sipari aus Pescasseroli und Marco Graziani aus Villetta Barrea ab und gewannen die Versteigerung damit. Sie entschieden sich aber dann, da sie sich plötzlich einer Gruppe von Einwohnern von Alvito, in der Versteigerung vertreten durch Giuseppe Mazzenga, gegenübersahen, zurückzutreten.

So wurde der Palazzo Gallio von der Bevölkerung von Alvito für die Summe von 6402 Dukaten erworben.

Innenräume miniatur|Palazzo Ducale Am Ende der Treppe befindet sich der ehemalige „Thronsaal“ mit Rechteckgewölbedecke, heute der glänzende Rahmen in Rechteckform des Stadttheaters von Alvito. Auf der rechten Seite dagegen gelangt man sowohl in Büros der Stadtverwaltung als auch zur alten „Galerie“, in der die Sitzungen des Gemeinderates stattfinden. Dieser lange, schmale Saal, in dem insbesondere ein schöner, offener Kamin aus dem 18. Jahrhundert erwähnenswert ist, ist von Gemälden umgeben, die von Schülern der Schule von Luca Giordano geschaffen wurden.

Weiter auf der rechten Seite des Galeriesaales des Gemeinderates gelangt man in einen großen Raum, in dem sich die Dauerausstellung der Kryptozoologie untergebracht ist, die 1999 im Umfeld des Parco nazionale d’Abruzzo geschaffen wurde. Derselbe Raum grenzt nicht nur an das Büro des Stadtplanungsamtes, sondern hat auch eine Tür, die über eine Sprossenleiter in einen Raum führt, der einst das Schlafzimmer des Herzogs war und in dem heute das Stadtarchiv untergebracht ist.

Wenn man wieder zurückgeht und durch die Verwaltungs- und Standesamtsbüros läuft, findet man sich am Ende des ersten Obergeschosses im Büro des Bürgermeisters, des alten „Gabinetto“, an dessen Decke sich die Kopien – die Originale sind verlorengegangen – von Fresken befinden, die von dem Gedicht ‚‚Das befreite Jerusalem‘‘ von Torquato Tasso inspiriert wurden.

Einzelnachweise und Bemerkungen Die Grafschaft Alvito kaufte 1595 der Kardinal Tolomeo Gallio von Matteo di Capua, Prinz von Conca, der sie wiederum 1592 von Antonio de Cardona erworben hatte, der 1574–1592 Graf der Stadt im Valle di Comino war. Domenico Santoro: Pagine sparse di storia alvitana. Jecco, Chieti 1908. S. 163. Lorenzo Arnone Sipari: Famiglia, patrimonio, potere locale. I Sipari in Terra di Lavoro nella seconda metà dell’800 in Silvana Casmirri (Herausgeberin): Le élites italiane prima e dopo l’Unità: formazione e vita civile. Caramanica, Marina di Minturno 2000. S. 215–265. Die beiden Cousins beschlossen, aufzugeben, um nicht mit der Bevölkerung der Stadt in Konflikt zu geraten, in der sie schon seit dem 18. Jahrhundert engagiert waren und Grundbesitz hatten. Die Idee, das Gebäude, das den Gallios gehört hatte, zu kaufen, wurde also verworfen und sie ließen zwischen 1841 und 1858 ihre eigenen Residenzen errichten, den Palazzo Graziani und den Palazzo Sipari an der Hauptstraße von Alvito. L. Ricciardi, R. Di Fazio: L’Archivio Storico Comunale della Città di Alvito. Associazione culturale Media Valle del Liri, Alvito 1991.

Quellen Il Ducato di Alvito nell’Età dei Gallio. Tomo I (Atti), Banca della Ciociaria, Alvito 1997. G. Quaranta: Bagliori dal passato. Il Palazzo Gallio in Alvito e i suoi dipinti. Bardi, Rom 2003. Domenico Santoro: Pagine sparse di storia alvitana Jecco, Chieti 1908.

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