Quellen:

Die Mainländebahn Kitzingen war eine zwischen 1890 und 2005 in Betrieb befindliche Bahnstrecke, die zunächst von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen und zuletzt von der Deutschen Bahn betrieben wurde. Sie lag in der unterfränkischen Stadt Kitzingen in Bayern und verband mehrere Unternehmen entlang des Mains mit dem Bahnhof Kitzingen an der Bahnstrecke Fürth–Würzburg.

Geschichte Erstmals ist in einer Anfrage an die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen vom 10. August 1888 von einer Mainländebahn die Rede. Der Kitzinger Bürgermeister Ferdinand Sertorius schrieb darin, dass einige Holzhandlungen in der Stadt sich eine Bahnstrecke wünschten, über die sie ihre Anlagen „ohne Schwierigkeiten mit dem Bahnhof durch ein Schienengleis in Verbindung“ bringen können. Kurzfristig kam es vonseiten des Eisenbahnunternehmens allerdings zu keiner Zusage in dieser Sache. Deshalb übernahmen die Verantwortlichen auf Stadtseite die Projektierungsarbeiten auf eigene Rechnung. Dabei bemühte sich insbesondere der Gemeindebevollmächtigte Friedrich von Deuster in München um eine schnelle Umsetzung.Gerhard Bauer: Aufstieg und Niedergang der Mainländebahn. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2016. Im Bannkreis des Schwanbergs. Verlag J. H. Röll, Dettelbach 2015, ISBN 978-3-89754-471-0. S. 90. Liste der angeschlossenen Betriebe Mainmühle „Frankenwerke“ (später Samen Fetzer) Johan Jacob Vohwinckel Pfirschinger Mineralwerke Gebr. Wildhagen & Falk Bonbonfabrik A. Wildhagen & Co Kohlensäurewerk Kitzingen BayWa-Lagerhaus (Altbau) BayWa-Lagerhaus (Neubau) Dressel & Sohn Spedition Böhm Stahlcenter Wilhelm Gauer Betonwerk Lenz-Ziegler-Reifenscheid REKA-Kartonagen Am 24. April 1890 erhielten die Kitzinger ein Telegramm, in dem Zusage für den Bau der Mainländebahnen in Kitzingen, Marktbreit und Ochsenfurt gegeben wurde. Die vorgelegten Baupläne wurden bis in den Oktober 1890 genehmigt. Der erste Bauabschnitt zwischen dem Bahnhof und dem Floßhafen wurde bis Ende Oktober 1890 realisiert und ein Jahr später machten Ideen zur Erweiterung der Ländebahn in nördlicher Richtung bis in die Stadt die Runde. Nachdem einige Grundstücke entlang des Flusses erworben wurden, konnte dieser Bauabschnitt bis 1892 fertiggestellt werden. Damit war die Mainländebahn auf eine Länge von erwa 2900 Metern angewachsen. Allein 1929 setzten die Unternehmen in Flussnähe täglich bis zu 130 Wagenladungen Holz aus dem Frankenwald um.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Mainländebahn von den US-amerikanischen Besatzungsbehörden genutzt. Die Mainländebahn diente dazu, 110.000 Tonnen Kriegsmaterial über Main und Rhein nach Rotterdam zu bringen, um es zu veräußern oder in die Vereinigten Staaten zu transportieren. Die Transporte dauerten bis ins Jahr 1954 und führten zu einer neuerlichen Erweiterung der Gleisanlagen. Am südlichen Streckenende waren fünf parallel verlaufende Gleise zu finden. Daneben lief die Holzverladung in der Nachkriegszeit wieder an. 1955 waren 13 Betriebe angeschlossen. Insbesondere die nördlichen Gleisbauten waren bereits in den 1950er Jahren von Rückbau bedroht.

Zunächst wurden die vorhandenen Gleisanlagen genutzt, die weiter in den Süden verlängert wurden, um den Schleusenbau im Zuge des Ausbaus des Mains zur Großschifffahrtsstraße umsetzen zu können. In den 1960er Jahren gaben immer mehr Betriebe auf, da der Holz-, Sand- und Kiesumschlag aus der Altstadt in den Hafen verlegt wurde. 1975 wurden viele Gleise zurückgebaut. An ihrer Stelle entstand das neue Feuerwehrhaus und ein Parkhaus. In den 1970er Jahren waren noch sieben Betriebe an die Mainländebahn angeschlossen. Die Deutsche Bahn nutzte die von ihr betriebenen Anlagen im Jahr 1986, um Gleisschotter für den Ausbau der Bahnstrecke Fürth–Würzburg zu verladen.

Die vorhandenen Gleisanlagen wurden in den 1990er Jahren von den „Eisenbahnfreunden Kitzingen“ genutzt. So verkehrte aus Anlass des Bahnhofsfestes zur 125-Jahr-Feier des Anschlusses an das Bahnnetz ein DB-Schienenbus der Baureihe VT 98, der zwischen dem Bahnhof und der Alten Mainbrücke pendelte.

Im Jahr 1995 stellte die Deutsche Bahn die regelmäßige Bedienung der Mainländebahn ein. Der Verkehr durch die Unternehmen schlief in den folgenden Jahren ein. Am 15. Dezember 2002 wurde der sogenannte Gelegenheitsbetrieb ebenfalls eingestellt.

Um diesen Betrieb aufrechtzuerhalten, hätte die Stadt Kitzingen zwischen 12.000 und 20.000 Euro im Jahr für die Miete der Anschlussgleise an die Deutsche Bahn bezahlen sowie für den Unterhalt aufkommen müssen.

Heute erinnert lediglich eine alte Weiche in der Nähe des BayWa-Lagerhauses an die Mainländebahn Kitzingen, die 105 Jahre in Betrieb war.

Streckenbeschreibung Die Mainländebahn Kitzingen bestand aus drei Abschnitten, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Der erste Bauabschnitt vom Bahnhof Kitzingen bis zum im Süden gelegenen Floßhafen, den heutigen Häfen Kitzingen, wurde erstmals im März 1891 von einer Lokomotive befahren. Ein zweiter Bauabschnitt vom Floßhafen bis zur Stadt wurde ein Jahr später fertiggestellt. Die notwendige Überwindung des Höhenunterschieds wurde über eine Spitzkehre gewährleistet. Die einzelnen Firmen wurden über Stumpfgleise bedient. Zwischen 1950 und 1955 wurde der südliche Abschnitt um fünf parallel laufende Gleise entlang des Mainufers ergänzt.

Die einzelnen Abschnitte der Mainländebahn wurden von Norden nach Süden aufgegeben. Zuerst wurde 1975 der Gleisabschnitt zwischen Alter und Neuer Mainbrücke zurückgebaut. Diesem folgte bis 1986 der Abschnitt zwischen Neuer Mainbrücke und Eisenbahnbrücke. Die Verlängerung der Mainländebahn bis zur Mainschleuse Kitzingen war bereits in den 1950er Jahren wieder zurückgebaut worden.

Fahrzeugeinsatz Die Mainländebahn Kitzingen wurde in der Nachkriegszeit von drei Dampflokomotiven bedient, die rund um die Uhr im Einsatz waren. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um mindestens eine Lokomotive der Baureihe 945–17 und zwei Loks der Baureihe 898, die den Verschiebedienst übernahmen. Nach dem ersten Rückbau im Jahr 1975 wurde nur noch eine kleine Rangierlok der Baureihe Köf II und später Köf III eingesetzt. Ab 1995 kam eine Lokomotive der Baureihe 290 zum Einsatz.

Im Jahr 1986 fuhren die Nürnberger Eisenbahnfreunde im Rahmen einer Rundreise durch Unterfranken auch auf der Mainländebahn und wurden hier mit einem Triebwagen der Baureihe 614 befördert. Die nördlichen Streckenabschnitte der Mainländebahn wurden ab den 1990er Jahren in unregelmäßigen Abständen durch die Eisenbahnfreunde Kitzingen für den Tourismus- und Ausflugsverkehr befahren. Dabei kamen Schienenbusse der Baureihe 798 zum Einsatz, wobei im Jahr 1993 eigens ein Bahnhof „Altstadt“ eingerichtet wurde.

Literatur Gerhard Bauer: Aufstieg und Niedergang der Mainländebahn. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2016. Im Bannkreis des Schwanbergs. Verlag J. H. Röll, Dettelbach 2015, ISBN 978-3-89754-471-0. S. 89–99.

Einzelnachweise

Kategorie:Bahnstrecke in Bayern Kategorie:Verkehrsbauwerk im Landkreis Kitzingen Kategorie:Verkehr (Landkreis Kitzingen) Kategorie:Hafenbahn