mini|Caroline Lizius, 1842, Gemälde von Joseph Karl Stieler, in der Schönheitengalerie Schloß Nymphenburg Caroline Dorothea Lizius (* 28. Mai 1824 in Aschaffenburg; † 11. Dezember 1908 in Köln) war eine bayrische Sängerin. Ihr Porträt von Joseph Karl Stieler fand 1842 Eingang in die Schönheitengalerie von König Ludwig I. von Bayern.
Leben Caroline war das fünfte Kind des Aschaffenburger Hofmusikdirektors Christoph Franz Lizius (1789–1863) und seiner Frau Katharina (1790–1868), geborene Sodi. Die Familie stammte aus Mainz, wo Carolines Großvater Caspar Josef Lizius (1760–1824) als Domkapellmeister, Musiklehrer, Organist und Komponist gewirkt hatte. Carolines Bruder, der älteste Sohn der Familie, war Bernhard Lizius, er wurde als Freiheitskämpfer, Revolutionär und Spion bekannt.
Die 16-jährige Caroline begegnete dem König im Sommer 1840 als dieser sich von Mai bis September in seiner bevorzugten Residenz Aschaffenburg aufhielt. Caroline war bald vertraut mit dem König und scheint ihm bald ihre Wünsche für ihre Zukunft mitgeteilt zu haben, denn der König schrieb am 18. August nach München und bat um eine Kostenaufstellung für Gesangsunterricht, Lebenshaltungskosten, Italienischunterricht, Schauspiel- und gegebenenfalls Tanzunterricht für die junge Frau. Zusammen mit ihrem Vater zog Caroline nach München um. Ein intensiver Briefwechsel mit dem König begann, 200 Briefe von Caroline an Ludwig sind erhalten. Cornelia Oelwein vermutet, das manche Unterrichtsstunden nur ein Vorwand für den König waren, sich mit Caroline zu treffen. Von 1844 bis 1848 war Caroline als Sopranistin Mitglied der Münchener Hofkapelle. Für sich, aber auch für ihre Familie nutzte Caroline ihr Verhältnis zum König; ihr Vater wurde befördert, die Brüder bekamen gute Stellen, der König übernahm eine Patenschaft in der Familie. Das war in der Münchner Stadtgesellschaft nicht gern gesehen und rief Neider auf den Plan. Ludwig I. ließ seine Gedichte mit der Widmung "Ludwig an Caroline" sogar veröffentlichen. Als das Interesse des Königs an Caroline allerdings nach zwei Jahren nachließ, er ihre Briefe nicht mehr beantwortete, ihr keine Treffen mehr gewährte und vor allem Lola Montez als seine Geliebte in den Vordergrund trat, änderte sich das Verhältnis. Carolines Stelle als Hofsängerin wurde gestrichen, doch gab es Ende 1848 offenbar doch noch eine Audienz. Als Ergebnis des Treffens wurde Caroline eine Leibrente ausgestellt. Als sie kurz danach – möglicherweise von Ludwig – ein Kind erwartete, wurde ihr eilig ein Ehemann verschafft. 1849 wurde dieser, Albert Stobäus (1818–1901) aus Passau, zum Kabinetts-Sekretär befördert, am 10. Februar 1849 heirateten Caroline und Albert in Kipfenberg, wo Carolines Bruder Ignaz lebte. Künftig sollte Caroline mit ihrem Mann, dem Legations-Sekretär, weit weg von München, in Rom leben. Allerdings gelangte das Ehepaar wegen politischer Unruhen gar nicht nach Rom. Unter unbekannten Umständen, ohne gesichertes Datum (zwischen Mitte August 1849 und Anfang November 1849) und an einem nicht geklärten Ort in Italien wurde Carolines Sohn Ludwig geboren, der König übernahm die Patenschaft. Caroline und ihre Familie forderten vom König über lange Jahre immer wieder finanzielle Unterstützung ein. Das Ehepaar Stobäus pendelte ohne wirkliche Aufgaben zwischen Italien und München, mit einem Zwischenspiel in Hannover und an der Nordsee. 1856 wurde Albert schließlich noch von Ludwigs Sohn, König Maximilian II. zum Generalkonsul in Genua ernannt, der König bewilligte auch Geld für den Internatsaufenthalt des Kindes. 1860 wurde Stobäus nach Bern gesandt, seine Frau blieb öfters in München. 1868 verstarb der zurückgetretene Monarch, 1869 wurde Albert Stobäus in den Ruhestand versetzt. 1901 verstarb er in München, Caroline erhielt eine Witwenpension und zog nach Köln, wo sie in ihrer Wohnung in der Brüsseler Str. 1 am 11. Dezember 1908 verstarb.
Das Porträt Caroline Lizius galt nach den Worten von König Ludwig I. im Jahre 1842 "als die schönste in München". Der Maler Joseph Karl Stieler, der das Brustbild für die königliche Schönheitengalerie anfertigte, hat Caroline zweimal porträtiert: 1841 in einem frisch wirkenden hellen Kleid und 1842 in einem sehr strengen schwarzen Kleid, mit weit ausgeschnittenem Dekolleté, jedoch ohne jeden Schmuck. Das dunkle Haar trägt sie modisch gelockt und leicht hochgesteckt. Ein feiner weißer Spitzenabschluß und schwarze Kordeln zieren das betont schlichte Kleid. Der König Ludwig ließ Caroline zweimal von Stieler portärtieren. Warum das geschah, ist nicht sicher, allerdings ist – wieder durch Klenze – überliefert, dass das erste Bild bei der Präsentation im Münchner Kunstverein 1841 nicht gut aufgenommen wurde. Das soll den König sehr erzürnt haben und der zweite Auftrag für ein Porträt an Stieler wurde erteilt. Eine Kopie des ersten Porträts, das Ludwig als Geschenk an Caroline durch Julius Zimmermann hatte anfertigen lassen, tauchte 2015 in einer Auktion auf, das Original aus dem Besitz des Königs ist bisher nicht bekannt.
Literatur Cornelia Oelwein: Nicht nur schön … Die Lebensgeschichten der Damen aus der Schönheitengalerie König Ludwigs I. 2. Auflage, Volk Verlag, München 2021, S. 268–285, ISBN 978-3-86222-354-1. Theodor Ruf, Schulen und Frauen. Ein Beitrag zu den Beziehungen zwischen Ludwig I. und Aschaffenburg, in: Aschaffenburger Jahrbuch für Geschichte, Landeskunde und Kunst im Untermaingebiet 28 (2010), S. 157–232. Rudolf Reiser, Die Schönheitengalerie König Ludwig I. im Schloß Nymphenburg, in: Nymphenspiegel 3 (2008), S. 104–182.
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