Johannes Albert Friedrich Ferdinand Kanitz (* 25. März 1878 in Bromberg; † 23. November 1939 in Lübeck) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher, Hauptpastor an St. Gertrud in Lübeck und Abgeordneter der Lübecker Bürgerschaft (DNVP).
Leben Johannes Kanitz war ein Sohn des gleichnamigen Superintendenten Johannes Kanitz und dessen Frau Elisabeth, geb. Taube. Emil Heinrich Taube war sein Großvater.Biographische Daten bis 1922 im Wesentlichen nach Kanitz, Johannes, in: Wer ist's? 8 (1922) S. 755
Er besuchte das Gymnasium in Bromberg bis zum Abitur und studierte Evangelische Theologie an den Universitäten Würzburg, Genf, Jena, Amsterdam, Erlangen und Marburg. Die beiden Theologischen Examnia bestand er vor dem Konsistorium der Kirchenprovinz Posen. Kanitz leiste seinen Wehrdienst als Einjährig-Freiwilliger beim Infanterie-Regiment „Großherzog Friedrich Franz II. von Mecklenburg-Schwerin“ (4. Brandenburgisches) Nr. 24 in Neuruppin. Er besuchte das Predigerseminar in Naumburg am Queis und war zeitweilig als Hauslehrer in Sankt Petersburg tätig. 1903 wurde er zunächst Hilfsprediger, dann Pfarrer in Altraden, Kreis Mogilno, Provinz Posen.
1915 wechselte er in den Dienst der Evangelisch-Lutherische Kirche in Lübeck und übernahm eine Pfarrstelle an der St.-Lorenz-Kirche.
mini|hochkant|St. Gertrud 1920 wurde er als Nachfolger des zum Senior ernannten Johannes Evers Hauptpastor der St.-Gertrud-Kirche in der gleichnamigen Vorstadt Lübeck-St. Gertrud. Neben seiner Gemeindepfarrstelle war Kanitz vielfältig engagiert. Von 1920 bis 1928 war er für die Militärseelsorge in Lübeck zuständig; als Ersatz für die früheren Garnisonsgottesdienste im Lübecker Dom feierte er einen monatlichen Militär- und Gemeindegottesdienst in St. Gertrud.Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1, S. 120 Er setzte sich für die evangelische Diaspora ein und war Vorsitzender des Lübecker Hauptvereins des Gustav-Adolf-Werks. Auch im Verein für Krankenpflege durch evangelische Diakone (Diakonieverein) war er als Mitglied und Lübecker Vorsitzender aktiv.
Kanitz war Mitglied der DNVP und hatte ihre Ortsgruppe in Lübeck mitbegründet.Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1, S. 111 Bei der ersten Bürgerschaftswahl der Weimarer Republik wurde er 1919 in die Lübecker Bürgerschaft gewählt,Lübeckisches Adressbuch 1920, S. 3 die bis zum Verlust der Eigenstaatlichkeit Lübecks im Groß-Hamburg-Gesetz 1937 den Status eines Landesparlaments hatte. Er gehörte ihr bis zum Ende der Legislaturperiode im Dezember 1921 an.
Im Kirchenkampf schloss sich Kanitz im Herbst dem Pfarrernotbund und der Bekennenden Kirche an.Karl Friedrich Reimers: Lübeck im Kirchenkampf des Dritten Reiches. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1965, S. 83 Er gehörte ihrem Lübecker Leitungsgremium, dem Landesbruderrat an.Karl-Heinz Fix: Handbuch der deutschen evangelischen Kirchen 1918 bis 1949 - Organe – Ämter – Personen. Band 2: Landes- und Provinzialkirchen, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2017, ISBN 978-3-647-55794-6, S. 304 Versuche der Deutschen Christen, ihn im Oktober 1933 aus dem Amt zu drängen, schlugen zunächst fehl.Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1, S. 120 1935 ließ Kanitz sich pensionieren. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Hützen (* 1904).
Kanitz war seit 1909 verheiratet mit Martha Josephine Karoline von Spiegel (Freiin Spiegel von und zu Peckelsheim, 1884–1928). Das Paar hatte zwei Töchter: Ruth (* 1912) und Elisabeth (* 1914) sowie zwei Söhne Joachim Kanitz (1910–1996) und Hans Kanitz (1918–1996), die beide Pastoren wurden.
Literatur Kanitz, Johannes, in: Wer ist's? 8 (1922) S. 755 Hansjörg Buss: "Entjudete" Kirche. Die Lübecker Landeskirche zwischen christlichem Antijudaismus und völkischen Antisemitismus (1918–1950). Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-506-77014-1 Julian Freche: Milieus in Lübeck während der Weimarer Republik (1919–1933). Kiel/Hamburg: Wachholtz 2019, ISBN 978-3-529-09452-1
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Einzelnachweise
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