mini|Die Luckauer Christmette – Blick von der Orgelempore Die Christmette in Luckau ist ein traditioneller Weihnachtsgottesdienst, der jährlich am frühen Morgen des 25. Dezember in der evangelischen St.-Nikolai-Kirche gefeiert wird. Der Brauch gehört zu den ältesten liturgischen Traditionen der Niederlausitz und lässt sich bis ins 14. Jahrhundert zurückverfolgen.
In ihrer heutigen Form wird die Mette seit rund 250 Jahren begangen und zieht jedes Jahr etwa 1500 Besucher an, darunter auch Gäste aus Berlin und dem übrigen Brandenburg.
2025 wurde die Christmette als immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen.
Seit 2026 ist das Quempas-Singen als Teil der Christmette immaterielles Kulturerbe.
Ablauf Die Luckauer Christmette beginnt in völliger Dunkelheit. Bereits ab fünf Uhr morgens kommen die ersten Besucher in die Kirche, um beim Anzünden der rund tausend Kerzen mitzuwirken. Elektrisches Licht wird nicht verwendet, da die Mette seit den frühen 1960er Jahren wieder ausschließlich im Schein von Kerzen gefeiert wird.
Um sechs Uhr eröffnet der Chor den Gottesdienst mit dem Lied „Hymne an die Nacht“ von Ludwig van Beethoven, gefolgt von Franz Grubers „Stille Nacht, heilige Nacht“. Anschließend singt die Gemeinde „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“, bevor Chor und Orchester zur Aufführung der Weihnachtskantate übergehen. Nach einer kurzen Predigt folgt das traditionelle Quempas-Singen, bei dem die Gemeinde in vier räumlich getrennte Chöre aufgeteilt ist. Zum Abschluss erklingt das Lied „O du fröhliche“.
Im Anschluss an die Mette ist es Brauch, in den umliegenden Cafés und Gaststätten zum gemeinsamen Frühstück und Frühschoppen zusammenzukommen.
Kantate von Andreas Müller Der zentrale Bestandteil der Christmette ist die Aufführung der Weihnachtskantate „Das Wort ward Fleisch“ von Kantor Andreas Müller. Das Werk mit der liturgischen Bestimmung „Festo Nativitatis Christi“ („Am Fest der Geburt Christi“), uraufgeführt 1736, bildet den musikalischen Höhepunkt des Gottesdienstes. Besonders hervorgehoben wird die Arie „Gott wird Mensch und wird mir gleich“ (Nr. 5), die als emotionaler Kern des Werkes gilt.
Die Kantate besteht aus folgenden Teilen:
Sinfonia Terzetto – Das Wort ward Fleisch Coro – Gott wird Mensch Terzetto – Und wir sahen seine Herrlichkeit Aria – Gott wird Mensch und wird mir gleich Corale – Bist mir willkommen, elder Gast
Bis auf die Arie, welche in D-Dur geschrieben ist, steht das gesamte Werk in C-Dur.
Quempas-Singen mini|Auf der Nordempore befindet sich der Schusterchor. Ein weiterer Höhepunkt des Gottesdienstes ist das Quempas-Singen, ein mittelalterlicher Wechselgesang, der in Luckau in besonders ausgeprägter Form gepflegt wird. Die Gemeinde wird dabei in vier Chöre aufgeteilt, die sich an Orgelempore, Schusterchor, Hochaltar und Soldatenchor gegenüberstehen. Jede Strophe wird von einem anderen Chor angestimmt, bevor alle gemeinsam den Kehrvers singen. Währenddessen werden rund 50 Lichterscheren entzündet und bewegt, ein Brauch, der ursprünglich heidnische Wurzeln besitzt und symbolisch das Vertreiben des Bösen darstellen sollte.
Der Schusterchor besteht traditionell aus den Bewohnern der Sandoer Vorstadt und den Noppern vom Töpferende, während der Soldatenchor aus den Bewohnern der Calauer Vorstadt besteht.
Einzelnachweise
Kategorie:Christentum in Luckau Kategorie:Veranstaltung im Landkreis Dahme-Spreewald Kategorie:Veranstaltung (Weihnachten) Kategorie:Feste und Brauchtum (Christentum)