mini|hochkant|Anne Elisabeth Horenburg Anna Elisabeth Horenburg (geboren um 1642 in Wolfenbüttel; gestorben am 16. Januar 1718 in Braunschweig) war eine deutsche Stadthebamme in Eisleben, Mansfeld und Braunschweig sowie Autorin.

Leben Anna Elisabeth Güldenapfel war das jüngste von acht Kindern des Nicolaus Gülden-Apfel († um 1649). Ihr Vater stammte aus Böhmen und war Regimentsfeldscher, der zur Zeit ihrer Geburt in Wolfenbüttel tätig oder stationiert war, wo er auch ihre Mutter geheiratet hatte. Nach dessen Tod kam sie im Alter von sieben Jahren in die Familie von Bartensleben in Wolfsburg, beziehungsweise zu deren Tochter einer verehelichten von Werdern. Hier verblieb sie für sechs Jahre und erlernte das Nähen und Sticken. Anschließend trat sie als Näherin in den Dienst einer Herzogin am Hof Plötzkau. Dies könnte die Herzogin Sophie-Eleonore (geborene Gräfin von Stolberg-Wernigerode, 1628–1675, Tochter des Heinrich Volrad zu Stolberg-Wernigerode, 1590–1641 und dessen Frau Margaretha [geborene Gräfin zu Solms], 1604–1648) gewesen sein, die seit 1655 die Frau des Herzogs Lebrecht von Anhalt-Plötzkau (1622–1669) war.

In dieser Zeit begann sie sich für die medizinische Praxis zu interessieren und nutzte sowohl die medizinischen Kenntnisse ihrer Dienstherrin als auch deren umfangreiche Bibliothek, in der sich Bücher zur Heilkunde und Hebammenbücher befanden. Sie arbeitete als Mittlerin zwischen den Patienten und der Herzogin, indem sie sich die Symptome beschreiben ließ, sie ihrer Herrin überbrachte und anschließend mit der Diagnose und der Empfehlung der Medikation und Behandlung zu ihnen zurückkehrte. Die Herzogin betrieb eine Apotheke für ihre Untertanen.

Im Alter von 17 Jahren verließ sie den Hof und reiste zu Verwandten nach Blankenburg, wo ihr Vetter als Prediger tätig war. Hier vermählte sie sich mit dem schlesischen Rittmeister Hans Christoph von Horenburg, einem Korporal zu Pferd und führte fortan das Leben einer Soldatenfrau. Sie begleitete ihn im Tross der Feldzüge und gewann so erste Erfahrungen in der Geburtshilfe. Sie entschloss sich nach einer eigenen komplizierten Entbindung die Hebammenkunst zu erlernen. Nach dem Abschied ihres Mannes vom Militär zogen sie nach Eisleben, wo sie die nächsten 20 Jahre lebte. Seit 1662 hatte sie selbst acht Kinder geboren und arbeitete in den letzten fünf Jahren als Stadthebamme (Wehe-Mutter). Danach war sie vier Jahre lang als Stadthebamme in Mansfeld tätig. Ihr Mann war zwischenzeitlich nach Radensleben bei Neuruppin gezogen und sie quittierte ihren Dienst und zog zu ihm in die Mark Brandenburg. Als diese gestorben war, kam sie nach Braunschweig, wo ihre Schwestern lebten. Hier ließ sie sich in den 1690er Jahren durch den Braunschweiger Stadtphysicus Held examinieren und nahm vor dem Jahr 1700 wieder eine Anstellung als Stadthebamme an.

Neben anderen in dieser Zeit aktiven Hebammen schrieb sie eine Anleitung für die Unterweisung der Frauen in der Geburtshilfe. Weitere waren Justine Siegemund (Die Chur-Brandenburgische Hoff-Wehe-Mutter, das ist: Ein höchst-nöthiger Unterricht von schweren und unrecht-stehenden Gebuhrten) und Barbara Wiedenman (Kurzen Anweisung christlicher Hebammen). Auch Veronika Iber und Elisabeth Margretha Keil († 1699) verfassten ähnliche Schriften, die jedoch nicht im Druck erschienen. Im Jahr 1700 veröffentlichte sie ihr Hebammenanleitungsbuch, das sie in Form eines Katechismus mit Fragen und Antworten verfasst hatte.Claudia Kauertz: Horenburg, Anna Elisabeth. In: Dieses Werk fand als eines der wenigen von einer Frau verfassten Hebammenanleitungen Anerkennung bei ihren männlichen Zeitgenossen und wurde sogar ins Niederländische übersetzt.

Nach den Angaben eine französischsprachigen Biografie aus dem Jahr 1834 soll sie erst 1675 in Eisleben geboren sein, was aber ihren eigenen Angaben zum Lebenslauf im Vorwort ihres Lehrbuchs widerspricht.

Schriften (Auswahl) Wohmeynender und nöhtiger Unterricht der Heeb-Ammen, so wohl in natürlichen und glücklichen, als auch in unnatürlichen, unglücklichen, schweren und unrecht stehenden Gebuhrten, in einer einfältigen und kurtzen Unterredung einer Wehemutter und ihrer Schwester vorgestellet. Freytag, Hannover / Wolfenbüttel 1700 (digitale-sammlungen.de).

Literatur

Agnes Risko: „Gott zu ehren dem neben=christen zu nutz“ : Anna Elisabeth Horenburg’s manual for midwives. The Ohio State University, 1998 (englisch, Dissertation). Claudia Kauertz: Horenburg, Anna Elisabeth. In: Hana Jadrná Matějková: „Neznalé“ báby a „vzdělaní“ lékaři? Nakladatelství Lidové noviny, Prag 2016 (tschechisch, „Unwissende“ Hebammen und „gebildete“ Ärzte? Über die Geschichte der Geburtshilfe 1690–1735).

Einzelnachweise

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