mini|hochkant=1.4|Dorfkirche Erdmannshain von Norden gesehen (2021), links das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, rechts das Fahrrad als Symbol für die Radfahrerkirche Die Dorfkirche Erdmannshain ist eine evangelisch-lutherische Kirche im Ortsteil Erdmannshain der Stadt Naunhof im Landkreis Leipzig in Sachsen. Die Ursprünge der Kirche reichen bis um das Jahr 1200 zurück. Seit 2006 dient sie als Radfahrerkirche an der Parthe-Mulde-Radroute. Sie steht unter Denkmalschutz und ist baugeschichtlich und ortshistorisch bedeutend.
Lage Die Kirche steht auf dem Friedhof in Erdmannshain an der Eichaer Straße 19, etwa 14 Kilometer südöstlich von Leipzig. Die Parthe-Mulde-Radroute führt direkt an der Kirche vorbei.
Geschichte Um das 1200 wird erstmals eine romanische Kapelle erwähnt. Die Kirche entstand vermutlich im 13. oder 14. Jahrhundert als Tochterkirche von Albrechtshain. Ursprünge könnten ins 11./12. Jahrhundert reichen, erkennbar an roh behauenen Holzpfeilern im Inneren. 1497 findet Ertmarshain Erwähnung im Lehnbuch des Antoniterklosters Eicha. 1509 wurde die Kirche Filiale von Naunhof. 1512 erfolgte der Einbau der Nordempore, was die Jahreszahl an dieser belegt. Die Kirche erhielt 1525 eine Glocke vom Turm des ehemaligen Klosters Eicha. Von 1530 bis 1930 war die Kirche Filiale von Albrechtshain.
Im Jahr 1703 wurde der Turm neu erbaut und erhielt eine Wetterfahne. 1727 erfolgte ein weiterer, bedeutender Umbau der Kirche, bei dem eine westliche und eine südliche Empore (durch Jahreszahl am Pfeiler der Südempore belegt) sowie eine Kanzel eingebaut wurden. 1815 wird die Kirche von August Schumann als Filialkirche von Albrechtshain beschrieben. 1840 fertigte Wilhelm Wegner Zeichnungen der Kirche an, die den Turm noch mit einer Zwiebelhaube zeigen.
Die Kirche wurde im Jahr 1858 innen renoviert und erhielt im selben Jahr ein Altarbild geschenkt. 1884 erhielt der Turm eine schlanke Spitze anstelle der bisherigen Zwiebelhaube, die Fahne und die Turmkugel wurden abgenommen und erneuert. Für die vier im Ersten Weltkrieg gefallenen Erdmannshainer wurde 1923 eine Gedenktafel aufgestellt. 1925 wurde eine zweite Glocke eingebracht. Die Kirche wurde 1930 wieder Filiale von Naunhof. 1933 erfolgte eine Erneuerung des Turmes mit einer Kupferblechverkleidung, und 1939 wurde eine Turmuhr beschafft. Im Jahr 1946 wurde eine Gedenktafel für die 29 im Zweiten Weltkrieg gefallenen Erdmannshainer eingeweiht.
Im Jahr 1989 begann die Restaurierung der Kirche. Dabei wurden das Turmgebälk erneuert und der Kirchturm mit Kupfer neu eingedeckt. Am 23. Juni 1991 erfolgte die Turmbekrönung der Kirche mit goldener Turmkugel und Wetterfahne. 1999 wurden alte Malereien im Innenraum freigelegt. Die Kirche wurde am 7. Juni 2006 als Radfahrerkirche geweiht, da der Parthe-Mulde-Radweg direkt an ihr vorbei führt.
Architektur Die Kirche ist ein verputzter Bruchsteinbau und entstand ursprünglich als romanische Chorturmkirche mit Apsis . Sie umfasst ein flach gedecktes Langhaus, einen rechtwinkligen Chor mit halbkreisförmiger Apsis und einen runden Triumphbogen. Chor und Apsis wurden nachträglich (vermutlich 1512) bis zur Saalhöhe erhöht. Der Dachreiter trägt eine Wetterfahne von 1703. Der Vorbau ist in Fachwerkbauweise ausgeführt.
Die Kirche vereint verschiedene Baustile: Die romanischen Ursprünge aus dem 13. oder 14. Jahrhundert wurden durch barocke Elemente aus dem 18. Jahrhundert und historistische Ergänzungen aus dem 19. Jahrhundert überformt.
Der Innenraum zeichnet sich durch eine Felderdecke und eine dreiseitige Empore (mit Jahreszahlen 1512 und 1727) aus. Charakteristisch für die frühe Bauzeit sind die roh behauenen Holzpfeiler im Innenraum, die auf den Ursprung im 11./12. Jahrhundert hinweisen.
Ausstattung Der schlichte Altar enthält eine Ölgemälde-Kopie (Größe 90 × 123 cm) der „Abnahme Christi vom Kreuze“ nach Rubens (um 1700). Weitere Elemente sind ein renaissancezeitliches Taufgestell (bunt bemalt, restaurierungsbedürftig), eine Renaissancekanzel (1727 eingebaut, übermalt mit Bibelsprüchen) und eine Sakramentsnische (vermutlich romanischen Ursprungs und nachreformatorisch erhalten). Buntglasfenster mit abstrakten oder einfachen farbigen Flächen vermutlich neueren Ursprungs als Ersatz für in Kriegen zerstörte Glasfenster.
Eine einmanualige Orgel von Johann Christian Friedrich Flemming (1798), wahrscheinlich um 1900 aus einer Leipziger Schulaula eingebaut, ist restaurierungsbedürftig.
Nutzung und Gemeinde Die Dorfkirche Erdmannshain gehört zur Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Naunhof, Erdmannshain, Klinga und Ammelshain. In der Kirche finden regelmäßig Gottesdienste statt. Seit 2006 fungiert die Kirche als Radfahrerkirche. Von Ostern bis zum Reformationsfest ist sie täglich geöffnet. Dies wird durch die „Erdmannshainer Kirchenhüter“ ermöglicht.
Denkmalstatus Die Kirche mit ihrer Ausstattung, der Kirchhof mit Kirchhofstor und das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs stehen unter Denkmalschutz. Sie sind als baugeschichtlich und ortshistorisch bedeutend eingestuft.
Literatur
August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. Band 3. Zwickau 1815. Albert Schiffner: Handbuch der Geographie, Statistik und Topographie des Königreiches Sachsen. Leipzig 1828. Hermann Schmidt: Sachsens Kirchen-Galerie. Band 9. Dresden 1844.
Weblinks
Daten zur Geschichte der Erdmannshainer Kirche auf stadtkirche-naunhof.de Architektur der Ev. Pfarrkirche Erdmannshain auf architektur-blicklicht.de Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen auf denkmalpflege.sachsen.de
Einzelnachweise Kirchgemeinde Naunhof: Radfahrerkirche Erdmannshain. Abgerufen am 29. Januar 2026. Architektur Blicklicht: Parthe-Mulde-Radroute – Dorfkirche Erdmannshain. Abgerufen am 29. Januar 2026. August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. Band 3. Zwickau 1815, S. 227. Zeittafel: Die Kirche zu Erdmannshain. Bild der Zeittafel rechts neben dem Kirchhoftor Bestattungshaus Hänsel: Friedhof Erdmannshain - Kurzer Abriss der Geschichte. Abgerufen am 29. Januar 2026. Denkmalliste Landesamt: Denkmalliste des Landesamts für Denkmalpflege Sachsen. Abgerufen am 29. Januar 2026.
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Leipzig Kategorie:Kulturdenkmal in Naunhof Kategorie:Kirche in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens Kategorie:Chorturmkirche Kategorie:Saalkirche in Sachsen Kategorie:Romanische Kirche Kategorie:Bauwerk der Romanik in Sachsen Kategorie:Barockisierte Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Sachsen Kategorie:Erbaut im 12. Jahrhundert Kategorie:Kirchengebäude in Europa