mini|Stadtschloss vom Fürstengraben aus gesehen (um 1860) mini|Plan von Jena (um 1750), oben rechts ist der Schlosskomplex abgebildet Das Stadtschloss Jena war ein Residenzschloss mit Nebengebäuden in Jena. Es wurde ab dem 13. Jahrhundert mehrmals umgebaut und befand sich in der Nordostecke innerhalb der Jenaer Stadtmauer. Anfangs als Residenzschloss genutzt, wandelte man das Schloss und seine Nebengebäude nach Aussterben der Linie Sachsen-Jena zur Bibliothek und als Museum um, auch wissenschaftliche Sammlungen waren dort untergebracht. 1905 musste das Jenaer Schloss mit seinen Nebengebäuden dem Neubau des Universitätshauptgebäudes weichen.
Lage und Gebäude mini|links|Modell des Stadtschlosses im Romantikerhaus (im Hintergrund das Hauptgebäude des Stadtschlosses (1), links davon angewinkelt der Johann-Wilhelm-Bau (6), rechts vom Stadtschloss die Wache (2), das Tor und der Turm (3), dann rechts nach vorn das Reithaus (4), links vom Reithaus der Marstall (vormals Kornhaus) (7) mit den Stallungen, zum unteren Bildrand verläuft das Amtshaus (5)) Der Schlosskomplex befand sich in der nordöstlichen Ecke innerhalb der alten Stadtbefestigung Jenas, erstreckte sich ca. 90 Meter in westliche Richtung am Fürstengraben bis zur Schlossgasse und ca. 70 Meter in südliche Richtung am Löbdergraben. Er bestand vor dem Abriss aus einem Hauptgebäude und mehreren Nebengebäuden.
Hauptgebäude (Wilhelmerbau) mini|Grundriss des dritten Geschosses (unten) und des Dachgeschosses (oben) des Hauptgebäudes (1841) von Gottfried Wiessner Das dreigeschossige, unterkellerte Hauptgebäude von 1660 bildete den Nordtrakt des Komplexes und war massiv aus Stein mit seitlichen Lisenen gebaut. Der langrechteckige Bau war etwa 40 Meter lang und 12,5 Meter breit mit 12 zu 4 Fensterachsen und maß bis zur Dachtraufe etwa 24 Meter. Der Mittelrisalit war zweiachsig. Die Fassade war sehr einfach gestaltet, nur die Fenster und Portal des Risalits waren mit Rocaillekartuschen verziert. Den ca. 8 Meter hohen Walmdachstumpf mit 10 Dachgauben bekrönte ein kreuzförmiger, begehbarer Altan mit schmiedeeiserner Balustrade. Die achtgeteilten Sprossenfenster hatten in allen drei Etagen die gleiche Höhe. Eine zehnstufige, einläufige Freitreppe führte zu einem oberen Podest. Treppe und Podest wurden von einer flachen Wangenmauer flankiert. Zu Beginn des Podestes lag links und rechts je eine steinerne Kugel von 1,5 Fuß Durchmesser auf Sockeln auf den Mauer auf. Die Kugeln wurden von Erhard Weigel angefertigt und symbolisierten den Himmels- und den Erdglobus. Das Podest führte zum Eingangsportal, über dem zwei bekrönte Wappen (links mit den Initialen EA für Ernst August II. von Sachsen-Weimar-Eisenach, unter dem die letzten Umbauten erfolgten, rechts mit dem sächsischen Wappen) mit Rokokoranken thronten. Die Eingangstür des Hauptgebäudes war als eine in vier Rechtecke und zwei Quadrate geteilte Kassettentür mit Doppeltürblatt und Rokokoranken ausgeführt. Über dem Mittelrisalit und über den mittleren Achsen der Seite am Fürstengraben erhob sich ein eingeschossiger Turmaufbau, der mit der Front in der Fassadenebene lag, also hofseitig leicht hinter die Risalitebene zurücksprang, wobei das Dachgesims beidseitig unter den Turmfronten durchlief. Der Turm, der auch als ein eingeschossiges Zwerchhaus angesehen werden kann, hatte im Gegensatz zum Mittelrisalit 3 Fenster. Das Flachdach des beidseitigen Turmaufbaus bildete gleichzeitig das Kreuzplateau des Altans. Im Erdgeschoss befand sich links ein ca. 10 × 12 Meter großer Saal, während die übrigen Zimmer im Schloss relativ kleinteilig gehalten waren.Heike Richter: Geschichte des Archäologischen Museums der Universität Jena 1846-1962. (Jenaer Archäologische Schriften 2), Reichert, Wiesbaden 2017, S. 71.
Johann-Wilhelm-Bau mini|Grundriss des zweiten Obergeschosses des Johann-Wilhelm-Baus (Wiessner (1841)); wie auch in den anderen zwei Etagen waren hier die Zimmer kleinteilig gehalten Der Johann-Wilhelm-Bau, der rechtwinklig nach Westen zum Hauptgebäude stand, hatte eine Grundfläche von 20 mal 11,5 Meter. Er war mit einem Kellergewölbe errichtet und hatte links und rechts vier in Stein gehauene Fensterachsen und in der Mitte befand sich aus dem Gebäude halb hervorstehend ein runder Treppenturm mit Rautenfenstern und Kegeldach. Die Hofseite war dreigeschossig ausgeführt. Am Treppenturm befand sich eine Platte mit der Inschrift IM IAR 1570 DEN 24 TAG MAII IST DIS HAUS IM GRUNDE ANGEFANGN, die beim Abriss des Gebäudes gesichert wurde und heute im Innenhof des Universitätshauptgebäudes angebracht ist. Links neben dem Treppenturm befand sich der Eingang mit einem Rundbogenportal aus der Renaissance. Zu abgewandten Seite des Schlosshofes war noch abgewinkelt in der Achse des Kornhauses ein zweistöckiger ca. 10 mal 5 Meter großer Gebäudeteil mit Halbwalmdach angebaut. Das Erdgeschoss wurde zuletzt als Steueramt, die Obergeschosse für die herzogliche Familie bei ihrem Aufenthalt in Jena bzw. für die fürstlichen Prinzen während ihres Studiums in Jena genutzt. In dem Gebäude befand sich auch die Wohnung des Kastellans.
Ein kleines Gebäude, das Hauptgebäude und Johann-Wilhelm-Bau verband, ließ Herzog Bernhard auch 1660 errichten, damit er aus dem neuen Wilhelminer Schloss einen freien Gang in das Johann Wilhelmer Schloss habe. Das Untergeschoss dieses Gebäudes wurde später als Spritzenhaus genutzt.
Hauptwache Das rechts vom Hauptgebäude gelegene, zuletzt als Hauptwache genutzte, einstöckige Gebäude von 1660 beherbergte früher die Hofküche und wurde später auch als Gefängnis genutzt. Bedeckt mit einem Satteldach mit je 5 Gauben war rechts beidseitig ein Zwerchhaus in Fachwerkbauweise angebracht. Rechts neben dem Gebäude befanden sich noch Reste der alten Stadtmauer und ein Eingangstorbogen, durch den man von Nordosten in den Hof des Schlosses gelangen konnte.
Torturm mini|Foto des Torturmes mit dem Schloßeingangsportal (um 1890) Neben dem Torbogen befand sich der runde Torturm mit einem Durchmesser von ca. 12 Metern. Dessen Erdgeschoss, in das vom Schlosshof her eine Rundbogentür führte, stammte vom Grunde her noch aus der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Das Obergeschoss war aus Fachwerk ausgeführt. Rechts vom Obergeschoss des Turmes führte an der noch vorhandenen Stadtmauer ein Laubengang zum Reithaus. Unter dem Laubengang führte zusätzlich eine Treppe ins Erdgeschoss des Reithauses. Der Aufbau des Torturmes wurde ringsherum von hohen rechteckigen Fenstern durchbrochen und von einem Ringpultdach begrenzt. Über dem Dach, in welchen sich vier elliptische Gauben in kielbogigen Giebeln befanden, stieg ein oktogonaler Aufsatz mit Dachhaube und Turmknauf auf. Jede der acht Seiten enthielt ein Fenster. In dem Turmknauf, der sich etwa in Höhe des Altans des Hauptgebäudes befand, fand man bei den Abrissarbeiten 1905 eine Bauurkunde aus dem Jahr 1682. Im Turm befand sich im Erdgeschoss zuletzt das Archiv des Justizamtes, das Obergeschoss wurde von 1795 bis 1820 für katholische Gottesdienste genutzt. Später wurde dann dort das Germanische Museum eingerichtet.
Reithaus Das eine Grundfläche von 35 mal 15,5 Metern einnehmende Reithaus wurde 1668 anstelle einer Reitbahn und der ehemaligen Hofschmiede erbaut, umfasste zwei Geschosse und trug ein steiles Walmdach. Die unteren Fenster zum Schlosshof waren rechteckig, die zum Löbdergraben hingegen rundbogenartig. Die oberen zwölfgeteilten Sprossenfenster waren äußerst hoch, wodurch sie schmaler wirkten. Die Dachhöhe entsprach etwa der des Hauptgebäudes. In der oberen Etage wurden Sitzungen des Konsistoriums der Universität abgehalten und es befand sich hier ein Hörsaal für den Bereich Anatomie der Universität. Zuletzt waren dort die Sammlungen für vergleichende Osteologie und Präparate des anatomischen Kabinetts aufgestellt. Hinter dem Reithaus außerhalb des Schlosskomplexes am Löbdergraben befand sich das vier Jahre vorher vom Landesbaumeister Johann Moritz Richter als Privathaus erbaute sogenannte Griesbachsche Wohnhaus.
Kornhaus mini|Rückansicht des Kornhauses (Zeichnung von Gottfried Wiessner (1841)) Das etwa 36 Meter lange und 10 Meter breite Kornhaus ist 1585 erbaut worden und wurde später als Marstall genutzt. Es besaß ein dreifach abgetrepptes Gurtgesims, welches das obere Geschoss von den beiden unteren trennte, und hatte unregelmäßig angeordnete Fenster. Das steile Satteldach wurde durch zwei Reihen gegeneinander versetzter Schleppgauben belebt. An der vom Schlosshof abgewandten Gebäudefront war sichtbar, dass der Bau in Holzfachwerk ausgeführt war. Hinter dem Kornhaus befanden sich Stallungen für Pferde.
Amtshaus Das 1620 mit einem Grundriss von 29 mal 10 Meter erbaute dreigeschossige Amtshaus beherbergte das Amtsgericht bzw. das Justizamt. Der Bau unter einem Walmdach war mit einem Treppenturm auf der Hofseite ausgestattet. Links vom Treppenturm befand sich das rechteckige Hauptportal. Die Fenster des Gebäudes waren, wie beim Johann-Wilhelm-Bau, unregelmäßig verteilt. Die südwestliche Ecke zwischen Amtshaus/Marstall und dem Johann-Wilhelm-Bau war mit einer Mauer mit einem verzierten Rundbogentor aus dem 16. Jh. zur Durchfahrt in den Schlosshof verbunden. Zusätzlich war dort eckseitig noch ein Fußgängerdurchgang vorhanden.
Vorgängerbauten Schon im 13. Jahrhundert bestand auf dem Gelände des Stadtschlosses eine Wasserburg. Hier feierte Herzog Wilhelm der Tapfere Montag nach St. Viti 1446 mit Anna, der Tochter des Kaisers Albrecht II., die eine Mitgift von 300.000 ungerische Gulden oder Ducaten mitbrachte, das sogenannte Beilager mit großer Pracht und ungeheuerm Aufwande.
Da dieses Schloss alt und baufällig war, wurde es 1471 abgerissen und neu aufgebaut, wie eine Inschrift im Grundstein belegte. Im Jahr 1547 besuchte Kaiser Karl V. diese Residenz. Am 2. Februar 1558 speiste hier das übrige Gefolge anlässlich der Gründung des Collegium Jenense, aus dem sich später die Universität Jena entwickelte, während die Herzöge, der Stadtrat und die Professoren im Rathaus ihr Mahl zu sich nahmen.Johann Carl Eduard Schwarz: Das erste Jahrzehnt der Universität Jena. Frommann, Jena 1858, S. 92ff.
Um 1570 wurde anstelle des mittelalterlichen Westtrakts unter Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Weimar der sogenannten Johann-Wilhelm-Bau errichtet. Den Nordtrakt ließ wiederum Herzog Johann Ernst I. von Sachsen-Weimar 1620 teilweise neu errichten.
Geschichte Umbau zum Residenzschloss für das Herzogtum Sachsen-Jena mini|Ansicht von Jena (1674) mit dem Stadtschloss links (Nr. 13) und dem Himmelsglobus (Nr. 14) Vor seinem Tod teilte Herzog Wilhelm von Sachsen-Weimar sein Herzogtum unter seinen vier Söhnen auf. Sein jüngster Sohn Bernhard sollte Herzog im neu gebildeten Herzogtum Sachsen-Jena werden. Deshalb wurden in den Jahren 1659–1661 umfangreiche Umbauten und Erweiterungen im Schloss (Nordbau) unter Nutzung der nördlichen Stadtmauer durchgeführt, um für ihn dieses als seine neue Residenz auszubauen. Bei der vorherigen Bauausführung im Nordtrakt 1620 hatte man aber schwache Träger und Balken verwendet, weshalb Herzog Wilhelm den Bau durch ein massives neues Schlossgebäude ersetzen ließ, das nach sehr kurzer Bauzeit schon am 1. Januar 1661 dem Auftraggeber übergeben werden konnte. Mit dem Bau beauftragte Herzog Wilhelm den sächsisch-weimarischen Landesbaumeister Johann Moritz Richter. Der Johann-Wilhelm-Bau blieb dabei erhalten.
Einem Neujahrswunsch des Herzogs entsprechend ließ der Professor für Mathematik an der Alma Mater Jenensis, Erhard Weigel, auf dem Altan des Schlosses unter freiem Himmel ein großes astronomisches Objekt nach seinen Angaben errichten, von dem gesichert nur bekannt ist, dass es aus Eisen gefertigt war und den kugelförmigen Umriss von etwa 5,6 m Durchmesser aufwies. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine kleine geschlossene Kugel, die von einer Armillarsphäre umgeben war. Im Jahr 1692 wurde sie aus statischen Gründen wieder, „unter dem Vorwand, daß es das Gebäude zu sehr belästige“, abgenommen.