Die Eisenschmelz ist eine Denkmalzone im Ortsteil Hochstein der Gemeinde Winnweiler im Donnersbergkreis in Rheinland-Pfalz. Es handelt es sich um die Überreste zweier Werke zur Eisenverhüttung der Pfälzer Unternehmerfamilie von Gienanth. Das Werksgelände samt Herrenhaus diente als Stammsitz des Unternehmens. Heute dient die Anlage hauptsächlich als Wohnplatz.
Geschichte 1742 wurde in Winnweiler die erste Eisenschmelze von Niclas Guinand mit Hochofen, Großhammer, Gießerei, Arbeiterwohnungen erbaut, im Mittelpunkt stand das dreiflügelige Herrenhaus mit Park. Guinand entstammte einer Hugenottenfamilie. Der Name wurde später in Gienanth germanisiert. 1835 wurde die Familie geadelt.
In unmittelbarer Nähe wurde 1747/49 als Kupferhütte der Imsbacher Kupferbergsgewerkschaft die sogenannte Kupferschmelze errichtet. Deren Betrieb wurde allerdings bereits 1754 eingestellt. Bereits 1770 waren 200 Arbeiter im Werk beschäftigt.
Ab 1806 wurde dieses Gelände auch von der Familie Gienanth benutzt, zunächst als Eisenhammerwerk. 1886 entstand hier eine neue Gießerei. Die Familie förderte auch den Eisenbahnbau in der Region und bekam entsprechend Anschluss an die Alsenztalbahn.
Die Eisenschmelz diente ab dem 19. Jahrhundert als Stammsitz der in der ganzen Pfalz aktiven Unternehmerfamilie. Es bestand unter anderem auch ein Werk in Schönau, das Eisenwerk in Maihof-Drahtzug bei Altleiningen, das zuletzt als Drahtzug in Betrieb war und ein Stahlwerk in Kaiserslautern.
Ab 1889 entstand neben dem bisherigen Eisenschmelzwerk ein neuer Werksteil, der aufgrund seiner Lage auf der Gemarkung Schweisweiler auch Schweisweiler Werk genannt wird. 1938 wurde der Werksbetrieb in die zwei Kilometer südöstlich liegende Kupferschmelz verlagert. Ab 1941 wurde bis Ende der 1990er Jahre ein Teil der Werksanlage von den Seitz-Werken aus Bad Kreuznach zur Automatenherstellung genutzt. Das Werk in der Kupferschmelz war noch bis 2004 als Eisenwerk in Betrieb. Zuletzt firmierte das Werk als „Gienanth AG Eisengießerei“.
Das Unternehmen der Familie von Gienanth firmierte ab 1923 als Aktiengesellschaft.
Aktueller Zustand Die ehemalige Gießerei wurde 1948 abgerissen. Alle weiteren Gebäude der Anlage sind weitgehend erhalten und stehen als Ensemble auf der Liste der Kulturdenkmäler in Winnweiler.
Der Industriepark ist von der L 392 aus zu erreichen. Die Ruine wird auch als Neues Werk bezeichnet. Es handelt sich um eine teilweise erhaltene Mauer mit hohen Rundbogenfenstern. Von der 1932 zur UmgehungSstraße umgebauten B 48 aus kann man auf den wenig gepflegten Park um das ehemalige, heute rot verputzte Herrenhaus blicken. Die ehemaligen Ställe werden heute ebenfalls zu Wohnzwecken genutzt. Die ehemalige Alsenzstraße, die mitten durch das Werk führte, ist als durchgängiger Fußweg vorhanden, von der B 48 zweigt ebenfalls ein Weg durchs Werk ab.
Während die Fußwege öffentlich zugänglich sind, ist das Werksgelände nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Herrenhaus und Felsengarten Das heute noch erhaltene Herrenhaus war wie ein Schloss gestaltet. Markant ist der quadratische Turm mit Uhr und Glocke, der das zweieinhalbgeschossige Gebäude dominiert.
Zum Park des Herrenhauses gehörte der sogenannte „Felsengarten“, welcher auf Zeichnungen, Plänen und Fotos nachweisbar ist. Es ist weder bekannt, wann der Garten angelegt wurde noch wann er genau verschwand. Zuletzt hielt Carl Gienanth im Jahr 1833 den Garten in seinem Skizzenbuch mit Darstellungen des Werks Eisenschmelz und seine Umgebung fest. Der Garten lag am Steilhang zwischen den 12 m hohen, markanten „Engels- und Teufelsfelsen“ und war durch die Alsenztalstraße und die in Richtung Imsbach führende Straße („Gienanthstraße“) vom nordöstlichen Parkbereich getrennt. Die terrassierte Anlage umfasste einen Pavillon und einen Aussichtspunkt auf der Höhe zwischen den beiden Felsen. Ähnlich gestaltet war der Landschaftspark Friedrich von Gienanth in Eisenberg.
Wahrscheinlich wurde der Garten in der Zeit zwischen dem Ersten Weltkrieg und Zweiten Weltkrieg aufgegeben. Heute ist das Gelände des ehemaligen Parks schwer zugänglich und nicht mehr als Parkanlage zu erkennen. Teile der Anlage wurden bei der Straßenverbreiterung in den 1970ern Jahren zerstört. Eine der Felsen im Gelände ist heute ein Naturdenkmal.
Wissenswertes Die am Eingang ins Werksgelände angebrachte Erinnerungstafel, die an den sogenannten Frühindustriepark Gienanth erinnert, wurde in einem Geschichtsleistungskurs des Wilhelm-Erb-Gymnasiums in den Jahren 1999/2000 konzipiert.
Unweit der Anlage verläuft der 82 m lange Kupferschmelz-Tunnel, der kürzeste Tunnel der Strecke der Alsenztalbahn.
Literatur W.R.: Parks, Wildparks, Gartenanlagen der Familie (von) Gienanth o. O. 2012. Andreas Koppelmann: Gartenhistorische Untersuchung Parkanlage Eisenschmelz Mainz, 2012.
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Einzelnachweise
Kategorie:Winnweiler Kategorie:Denkmalzone (Rheinland-Pfalz)