Die Provinz Yucatán (Spanisch: Provincia de Yucatán, oder das Generalkapitanat Yucatán) war eine Verwaltungseinheit des Vizekönigreichs Neuspanien auf der Halbinsel Yucatán. Es umfasste ab 1617 die Gebiete der heutigen mexikanischen Bundesstaaten Yucatán, Campeche, Quintana Roo, Tabasco sowie von Belize und Guatemala. Mit den bourbonischen Reformen wurde die Provinzverwaltung 1786 in eine Intendencia überführt.
Geschichte Wahrscheinlich erreichten die Spanier die Halbinsel Yucatán erstmals in der zweiten Hälfte des Jahres 1508 während der Pinzón-Solís-Expedition. Die ersten spanischen Bewohner Yucatáns waren Gonzalo Guerrero, Jerónimo de Aguilar und ihre gestrandeten Kollegen, die 1511 nach einem Schiffbruch an der Pedro Bank südwestlich von Jamaika auf die Halbinsel gespült und anschließend von einem Batab oder Fürst der Fürstentums Ekab aufgenommen oder gefangen worden waren. Die Berichte der Expeditionsteilnehmer über großartige Maya-Städte führten zu weiteren spanischen Expeditionen aus von Kuba an die Golfküste, die insbesondere zur Eroberung des Aztekenreichs zwischen 1519 und 1521 führten.
Am 8. Dezember 1526 gewährte Karl I. von Spanien Francisco de Montejo eine capitulación de conquista oder Patenturkunde für die Eroberung der Maya-Staaten auf der Halbinsel Yucatán. Dem aus Salamanca stammenden Konquistador wurden damit die Titel und Ämter eines Adelantado, Gouverneurs, Generalkapitäns und Alguacil Mayor von Yucatán verliehen. Montejo brach Ende Juni 1527 mit vier Schiffen und über 250 Mann von Sevilla aus auf und erreichte Ende September 1527 Cozumel in Ekab. Die spanische Eroberung begann 1527 mit der Gründung von Salamanca de Xelha in Ekab und zog sich aufgrund des hartnäckigen Widerstands der Maya bis in die 1540er Jahre hin.
Das Generalkapitanat von Yucatán wurde 1617 gegründet, um der Halbinsel mehr Autonomie zu verleihen, die zuvor direkt von einem einfachen Gouverneur unter der Gerichtsbarkeit der Real Audiencia von Mexico regiert wurde. Ihre Gründung war Teil des letztlich vergeblichen Versuchs der Habsburger Ende des 16. Jahrhunderts, das Eindringen ausländischer Mächte in die Karibik zu verhindern, wozu auch die Einrichtung von Generalkapitanaten in Puerto Rico, Kuba und dem benachbarten Guatemala gehörte. Mit der Verleihung des Titels eines Generalkapitäns an den Gouverneur von Yucatán erlangte die Provinz größere Autonomie in Verwaltungs- und Militärangelegenheiten. Das Generalkapitanat blieb Teil des Vizekönigreichs Neuspanien und umfassten das Gebiet, das heute die Bundesstaaten Campeche, Quintana Roo, Tabasco, Yucatán und nominell die nördlichen Gebiete von Petén und Belize umfasst.
Ein 1680 in den Leyes de Indias veröffentlichtes Gesetz, beruhend auf einem Dekret von Philipp IV. von 1627, legte fest, dass der Generalkapitän von Yucatán der Weisungsbefugnis des Vizekönigs von Neuspanien unterstand, für Rechtsangelegenheiten blieb die Real Audiencia von Mexico zuständig. Im Jahr 1786 richtete die spanische Krone im Rahmen der bourbonischen Reformen eine Intendanz von Yucatán ein, deren Gebiet dem der Provinz entsprach. Die Intendanz übernahm die Kontrolle über die staatlichen und militärischen Finanzen und verfügte über weitreichende Befugnisse zur Förderung der lokalen Wirtschaft.
Am 15. September 1821 erklärte Yucatán im Ratssaal der Stadt Mérida seine Unabhängigkeit von Spanien. Fast unmittelbar darauf entsandte Gouverneur Juan María Echeverri zwei Vertreter, um über den Beitritt Yucatáns zum Mexikanischen Kaiserreich zu verhandeln. Der Beitritt zum Mexikanischen Kaiserreich erfolgte am 2. November 1821.
Verwaltung Die absolute Autorität lag beim spanischen Monarchen, der von der Casa de Contratación und dem Consejo de Indias beraten und unterstützt wurde. De Facto gab der König seine Macht stellvertretend an den Gouverneur bzw. Generalkapitän von Yucatán ab, der über die Exekutiv-, Legislativ- und Judikativgewalt in der Provinz verfügte. Das spanische Yucatán war in municipios oder Gemeinden unterteilt, die jeweils von einem bestimmten cabildo oder Stadtrat verwaltet wurden. Diese Gemeinden waren weiter unterteilt in Maya- oder encomienda-Siedlungen, die von einem encomendero und einem ansässigen cacique verwaltet wurden, und spanische oder Nicht-encomienda-Siedlungen, die von einem cabildo verwaltet wurden. Verwaltungsgrenzen beruhten teilweise auf den Grenzen der Kuchkabal der präkolumbianischen Periode.
Wirtschaft Die Spanier bemühten sich durch verschiedene Vergünstigungen Siedler aus dem Mutterland anzulocken. Durch das encomienda-System wurde die indigene Bevölkerung ausgebeutet und musste Zwangsarbeit erbringen. Die Konquistadoren hatten ursprünglich gehofft, auf der Halbinsel Yucatán bedeutende Vorkommen an Gold und Edelmetallen zu finden. Im Laufe der Eroberung wurde jedoch immer deutlicher, dass dies nicht der Fall sein würde. Infolgedessen wurde die Landwirtschaft zur wichtigsten wirtschaftlichen Aktivität im spanischen Yucatán. Entwickeln konnte sich außerdem der Handel mit Färbepflanzen.
Maya-Baumwollmantas wurden Ende 1542 als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen.
Einzelnachweise
Kategorie:Geschichte Mexikos Yucatán Kategorie:Yucatán (Halbinsel)