Der Flugunfall einer de Havilland Twin Otter DHC-6 Twin Otter bei Jumla ereignete sich am 21. Juni 2006. An dem Tag stürzte eine auf dem Flug von Nepalganj nach Jumla mit Zwischenlandung in Surkhet befindliche de Havilland DHC-6 Twin Otter nach einem Kontrollverlust ab. Bei dem Unfall kamen alle neun Insassen ums Leben.

Maschine Bei der Maschine handelte es sich um eine de Havilland Canada DHC-6-300 Twin Otter mit der Werknummer 708. Die Maschine wurde im Jahr 1980 im Werk von de Havilland Canada in Downsview, Ontario endmontiert. Der Erstflug der Maschine wurde am 20. August 1980 absolviert. Die Maschine wurde am 29. August 1980 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen G-BHTK an die britische Loganair ausgeliefert. Am 21. August 1985 übernahm die niederländische Schreiner Airways die Maschine und ließ sie mit dem Kennzeichen PH-STH zu. Am 4. September flog die Maschine von Rotterdam über Innsbruck nach Kairo, wo sie an den Leasingnehmer Petroleum Air Services übergeben wurde. Am 24. Juni 1987 kehrte die Maschine in die Flotte der Schreiner Airways zurück. Die Maschine wurde anschließend an Lesotho Airways verkauft, bei der sie am 2. März 1988 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen 7P-LAO zugelassen wurde. Im Mai 1992 wurde die Maschine an World Jet Aircraft International aus Fort Lauderdale, Florida verkauft. Im Mai 1993 wurde die Maschine wiederum an die äthiopische RRC-Relief & Rehabilitation Air Service aus Addis Abeba verkauft, bei der sie am 24. März 1993 das Kennzeichen ET-AKJ erhielt. Am 18. November 1997 wurde die Maschine an JAS Aircraft Sales & Leasing aus Jacksonville, Florida, verkauft, im Mai 1998 wiederum an die kanadische Borek & Binder Aero Leasing aus Calgary, bei der sie am 12. Mai 1998 mit dem Luftfahrzeugkennzeichen C-GBQD zugelassen wurde. Die Maschine wurde beim Auslieferungsflug über Prestwick und Reykjavik nach Calgary geflogen. Am 8. Mai 1998 wurde die Maschine durch die nepalesische Garud Air bestellt und mit dem nepalesischen Kennzeichen 9N-AEQ versehen, jedoch nie übernommen. Am 19. Mai 1998 wurde die Maschine schließlich durch Lumbini Airways geleast. Der Auslieferungsflug am 21. Mai 1998 führte von Gander unter anderem über Egilsstaðir und Marseille in Richtung Nepal. Im April 2001 wurde die Maschine an Skyline Airways verkauft, im November 2004 an Yeti Airlines. Das zweimotorige Zubringerflugzeug war für 19 Passagiere zugelassen und mit zwei Wellentriebwerken des Typs Pratt & Whitney Canada PT6A-27 ausgestattet. Bis zum Zeitpunkt des Unfalls hatte die Maschine etwa 23.392 Betriebsstunden absolviert, auf die 36.092 Starts und Landungen (= Flugzyklen) entfielen.

Passagiere und Besatzung Den inländischen Linienflug hatten sechs Passagiere angetreten. Es befand sich eine dreiköpfige Besatzung an Bord der Maschine, bestehend aus einem Flugkapitän, einem Ersten Offizier und einer Flugbegleiterin. Im Cockpit befanden sich der Flugkapitän Krishna Malla sowie der Erste Offizier Dipak Pokhrel.

Unfallhergang mini|Die betroffene Maschine während ihrer Betriebszeit bei Skyline Airways, 2001 Das zweimotorige Flugzeug startete vom Flughafen Nepālganj zu einem Inlandsflug nach Jumla mit Zwischenstopp in Surkhet. An Bord befanden sich sechs Passagiere, drei Besatzungsmitglieder und Säcke mit Getreide mit einem Gesamtgewicht von 941 Kilogramm. Im Anflug auf den Flughafen Jumla wurde die Besatzung darüber informiert, dass Landebahn 27 bei einem Wind aus 240 Grad mit 4 Knoten in Betrieb war. Aus unbekannten Gründen leitete der Kapitän um 12:01 Uhr Ortszeit den Anflug auf Landebahn 09 ein. Mit überhöhter Geschwindigkeit verfehlte er die Landebahn, leitete ein Durchstartmanöver ein und flog rechts am Kontrollturm vorbei. Anschließend leitete er eine steile Linkskurve ein, wodurch das Flugzeug an Höhe und Geschwindigkeit verlor und 500 Meter östlich des Flughafens auf einem Feld abstürzte. Es ging in Flammen auf. Das Flugzeug wurde durch den Aufprall und den anschließenden Brand vollständig zerstört, alle neun Insassen kamen ums Leben.

Ursache Die Unfallermittler sahen den Grund für den Unfall im Versuch der Besatzung, kurz vor der Schwelle von Landebahn 09 in sehr geringer Höhe ein Durchstarten durchzuführen und anschließend einen engen Platzrundenflug mit übermäßiger Querneigung einzuleiten, der zum Strömungsabriss geführt habe. Aufgrund der unzureichenden Höhe für ein effektives Abfangen der Maschine stürzte die Twin Otter zu Boden. Die überstürzte Entscheidung zum Landebahnwechsel habe die Arbeitsbelastung der Besatzung in einer kritischen Phase zusätzlich erhöht, was durch mangelnde Disziplin im Cockpit noch verschärft wurde. Weitere unfallursächliche Faktoren seien der Verstoß der Flugbesatzung gegen die Standardbetriebsverfahren des Unternehmens, eine unzureichende Überwachung des Flugtrainingsprogramms und des Linienbetriebs durch das Management von Yeti sowie eine unzureichende Aufsicht der nepalesischen Luftfahraufsichtsbehörde über Yeti Airlines gewesen.

Nachwirkungen Der Tod ihres Mannes inspirierte Anju Khatiwada, die Witwe des Ersten Offiziers Dipak Pokhrel, ebenfalls eine Karriere als Pilotin zu beginnen. Anju Khatiwada starb 16 Jahre später als Erste Offizierin auf dem Yeti-Airlines-Flug 691.

Quellen Crash of a De Havilland DHC-6 Twin Otter 300 in Jumla: 9 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accident Archives Unfallbericht DHC-6, 9N-AEQ im Aviation Safety Network Betriebsgeschichte der Maschine, Twin Otter Archive

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