Der Sita-Air-Flug 601 (Flugnummer IATA: ST601, ICAO: STA601) war ein Regionalflug der Sita Air von Kathmandu nach Lukla. Am 28. September 2012 ereignete sich auf dem Flug ein schwerer Unfall, als die auf dem Flug eingesetzte Dornier 228-202 nach dem Start mit einem Schwarm Vögel zusammenstieß. Die Piloten versuchten daraufhin, die Maschine notzulanden, es kam jedoch zum Absturz. Bei dem Unfall kamen alle 19 Insassen ums Leben.

Maschine Bei der betroffenen Maschine handelte es sich um eine 1987 gebaute Dornier 228 aus deutscher Produktion mit der Werknummer 8123, deren Erstflug am 8. April 1987 erfolgt war. Die Maschine wurde auf die Dornier-Werke mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-CEZH zugelassen und am 18. September 1987 an die deutsche Holiday Express ausgeliefert. Am 18. August 1988 wurde die Maschine mit dem Kennzeichen VH-NSH auf den Nationalen Sicherheitsrat Australiens (NSCA) zugelassen. Im März 1990 übernahm GM Hock Construction die Maschine und ließ sie mit dem Kennzeichen N2255E zu. Am 30. November 1990 wurde die Maschine mit dem Luftfahrzeugkennzeichen F-ODZG auf Executive World Airways zugelassen, im Juni 1992 übernahm Air Caraïbes die Maschine. Ab dem 24. März 2003 war die Maschine mit dem Kennzeichen 9N-AHA auf Sita Air zugelassen. Das zweimotorige Kurzstreckenflugzeug war mit zwei Turboproptriebwerken vom Typ Garrett TPE331-10T-511D ausgerüstet.

Passagiere Den Flug von Kathmandu nach Lukla hatten 16 Passagiere angetreten. Bei den meisten von ihnen handelte es sich um Ausländer, die nach Lukla reisen wollten, um im Hochgebirge zu wandern. Die britische Botschaft in Nepal bestätigte, dass sich mindestens sieben Briten an Bord befunden hatten. Ferner waren fünf chinesische und sieben nepalesische Staatsbürger an Bord der Maschine.

Besatzung Es befand sich zudem eine dreiköpfige Besatzung an Bord. Der 42-jährige Flugkapitän flog die Dornier 228 seit Mai 2003. Er flog die Maschine bei der Fluggesellschaft zunächst in der Rolle des Ersten Offiziers, bis er im Juni 2006 zum Flugkapitän befördert wurde. Zuvor hatte er die Beechcraft 1900C und die Harbin Y-12 geflogen. Der Flugkapitän verfügte über 8.308 Stunden Flugerfahrung, wovon er 7.112 Stunden im Cockpit der Dornier 228 abgeleistet hatte. Der 24-jährige Erste Offizier wurde im Dezember 2009 von Sita Air eingestellt. Er verfügte über 772 Stunden Flugerfahrung, von denen er 519 Stunden im Cockpit der Dornier 228 absolviert hatte.

Unfallhergang mini|Die verunfallte Maschine Die Maschine startete um 06:17 Uhr Ortszeit vom internationalen Flughafen Kathmandu. Es war der erste Flug, der an diesem Tag von diesem Flughafen abhob. In einer Höhe von 15 Metern (50 Fuß) meldete der Pilot technische Probleme am Flugzeug und bat um die Erlaubnis zur Rückkehr. Die Piloten meldeten der Flugsicherung, dass das Flugzeug möglicherweise mit einem Geier kollidiert sei. Dies wurde von der Flugsicherung in Kathmandu bemerkt, da das Flugzeug zu schwanken begann und ungewöhnliche Flugmanöver flog. Drei Minuten nach dem Start, auf dem Rückflug zum Flughafen, sank die Maschine in der Nähe des Flusses Manohara. Sie stürzte dann mit der Nase voran ab, verfehlte nur knapp ein Slumviertel und zerschellte am Ufer des Flusses. Das Flugzeug fing Feuer. Der vordere Teil des Rumpfes wurde vollständig zerstört.

Unmittelbar nach dem Absturz wurde die Flughafenfeuerwehr Tribhuvan alarmiert. Dutzende Soldaten und Rettungskräfte eilten zum Unglücksort, wobei einige Berichte von über einer halben Stunde Dauer bis zum Einsatz der Feuerwehr sprachen. Die Ausgangstore des Flughafens wurden von Armeeangehörigen bewacht, die vor dem Öffnen der Tore die Erlaubnis eines Vorgesetzten einholen mussten. Diese Vorschrift sowie die Anforderung, die Straße von Armeeangehörigen zu räumen, verzögerten die Ankunft der Feuerwehrfahrzeuge an der Absturzstelle. Augenzeugen berichteten, dass mehrere Personen den Absturz überlebt und in den brennenden Trümmern um Hilfe geschrien hätten. Anwohner wollten helfen, fürchteten jedoch eine Explosion des Triebwerks, falls sie Wasser darauf schütten würden. Als die Rettungskräfte am Unglücksort eintrafen, war der Großteil des Flugzeugs völlig zerstört. Alle 19 Insassen kamen bei dem Unfall ums Leben.

Ursache Die nepalesische Zivilluftfahrtbehörde wurde mit der Untersuchung des Absturzes beauftragt und wurde dabei von der britischen Flugunfalluntersuchungsbehörde unterstützt. Die Ermittler begannen mit der Beweissicherung. Sowohl der Flugdatenschreiber als auch der Cockpit-Voice Recorder wurden geborgen. Zum Zeitpunkt des Startlaufs herrschten in Tribhuvan gute Wetterbedingungen und gute Sicht. Laut Augenzeugenberichten stand das Flugzeug beim Absturz in Flammen.

Ein Verwandter des Kopiloten der Maschine gab an, dieser habe gewarnt, dass die Flüge der Fluggesellschaft regelmäßig überladen seien und ein nahegelegenes Slumgebiet Vögel auf die Start- und Landebahn locke. Sagar Acharya, der Leiter der Flugsicherheit von Sita Air, bestritt jedoch, dass das Flugzeug überladen gewesen sei. Die meisten Berichte besagten, dass die Maschine kurz nach dem Start in Tribhuvan von einem Vogel getroffen wurde. Widersprüchliche Berichte sprachen von einem schwarzen Adler, andere von einem Geier. Der Bericht über den Vogelschlag wurde vom diensthabenden Fluglotsen bestätigt. Dieser gab an, der Pilot habe den Tower von Tribhuvan wegen „technischer Probleme“, möglicherweise verursacht durch einen Vogelschlag, kontaktiert und eine Notlandung angekündigt. Laut den Aussagen der Fluglotsen könnte das rechte Triebwerk der Maschine von einem Vogel getroffen worden und in Brand geraten sein. Die Ermittler konzentrierten sich später auf die Theorie des Vogelschlags.

Die Ermittler gaben später an, der Aufprall des Vogels habe den Piloten möglicherweise zu unüberlegten Handlungen bewogen. Später geriet das Flugzeug in Brand, und beim Versuch, das Feuer zu löschen, versuchte der Pilot eine Notlandung auf dem Fluss Manohara, geriet aber aus ungeklärter Ursache in einen Sturzflug und die Maschine stürzte auf einen Fußballplatz ab.

Laut Ladeliste hatte die Maschine mit einer Startmasse von 5.834 Kilogramm und einer geschätzten Landemasse von 5.698 Kilogramm abgehoben. Die Ladeliste wies kein Gepäck aus, Überwachungsvideos zeigten jedoch, dass etwa 80 Kilogramm Gepäck verladen und vor dem Abflug nicht wieder ausgeladen worden waren. Daher wurde das Startgewicht unter Verwendung der nepalesischen Standardgewichte für Passagiere auf 5.914 Kilogramm korrigiert, womit das Flugzeug überladen war. Die Überladung allein erklärte jedoch nicht das Leistungsproblem, da weitere Analysen ergaben, dass ein stark überladenes Flugzeug während des Unfallfluges eine bessere Leistung als 9N-AHA gezeigt hätte.

Die Auswertung der Cockpit-Sprachaufzeichnung und der Flugdatenaufzeichnungen ergab, dass der vom Propeller erzeugte Widerstand den erzeugten Schub überstieg. Der Untersuchungsbericht stellte später fest: „Der Widerstand eines Triebwerks im Leerlauf ist größer als der Widerstand eines ausgefallenen Triebwerks (OEI). Im Fall der 9N-AHA, bei der der Kraftstoffdurchfluss im Leerlauf fälschlicherweise zu niedrig eingestellt war, wäre der Widerstand im Leerlauf sogar noch größer gewesen. Es war daher möglich, dass bei einem Gesamtgewicht von etwa 6.200 kg und einem Triebwerk unter Volllast sowie einem Triebwerk im Leerlauf der Schub nicht ausreichte, um 77 Knoten zu halten.“

Im Abschlussbericht der nepalesischen Flugunfalluntersuchungskommission (NAICC) wurde vermerkt, dass es während des Startlaufs zu einem Schubabfall kam, die Ursache dieser Anomalie konnte jedoch nicht ermittelt werden. Die anschließende Unfähigkeit der Besatzung, die Geschwindigkeit über der Überziehgeschwindigkeit zu halten, und die unzureichende Flughöhe führten schließlich zum Absturz des Flugzeugs.

Quellen Unfallbericht Dornier 228, 9N-AHA, Aviation Safety Network Betriebsgeschichte der Maschine, planelogger.com Abschlussbericht Crash of a Dornier DO228-202 in Kathmandu: 19 killed, B3A – Bureau of Aircraft Accidents

Kategorie:Flugunfall 2012 Kategorie:Flugunfall in Nepal Kategorie:Dornier 228 Kategorie:Kathmandu