mini|Arsenale Institute for Politics of Representation (2024) Self-Portrait as a Coffee Pot (deutsch: Selbstporträt als Kaffeekanne) ist eine neunteilige Episodenfilmserie des südafrikanischen Künstlers William Kentridge. In jeder Folge erörtern zwei Versionen von Kentridge ein philosophisches Thema und demonstrieren die Entstehung von Kunstwerken. Die Serie entwickelte sich über zwei Jahre während der COVID-19-Lockdowns im Jahr 2020. Sie ist inspiriert vom Stummfilmkino, Charlie Chaplin und Dziga Vertov. In einer Sammlung eigenständiger, aber miteinander verbundener Episoden werden die Themen Humor, Philosophie, Politik und Künstlerische Freiheit diskutiert. „Ich wollte die Filme so machen, wie ich eine Zeichnung anfertigen würde“, erklärt Kentridge in einem Interview mit designboom, „ohne Drehbuch, dem Impuls folgend, den Prozess sich natürlich entfalten lassend.“
Nach Sondervorführungen beim Toronto International Film Festival, dem International Documentary Film Festival Amsterdam und dem London Film Festival wurde 2024 Self-Portrait as a Coffee Pot im Arsenale Institute for Politics of Representation auf der Biennale di Venezia in voller Länge uraufgeführt. 2025 wurde der Episodenfilm auf Ausstellungen im Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst, Cottbus, im Folkwang Museum Essen und in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden aufgeführt.
Die neun Episoden 1. A Natural History of the Studio / Eine Naturgeschichte des Studios Der südafrikanische Künstler William Kentridge erforscht das Leben im Atelier. Er stellt sich sein Atelier als vergrößerten Kopf vor, in dem vielfältige Dialoge zwischen ihm und seinem Doppelgänger stattfinden. Kentridge beginnt, sein Ebenbild zu interviewen. Schon bald ist das gesamte Atelier von Kentridges vielen Ichs bevölkert.
2. Self-Portrait as a Coffee-Pot / Selbstporträt als Kaffeekanne William Kentridge erforscht die Entstehung eines Selbstporträts als einen Weg zur Selbsterkenntnis. Er empfängt auch den Tänzer Dada Masilo in seinem Atelier. Während Kentridge versucht, seine eigene Figur mit einem an der Spitze eines langen Stocks befestigten Pinsel zu zeichnen, beobachtet sein Alter Ego das unvollkommene Ergebnis aus der Ferne.
3. Vanishing Points / Fluchtpunkte William Kentridge untersucht, wie Erinnerung mit Ort verbunden ist. Auf zwei großen, leeren Blättern Papier zeichnet der Künstler eine fiktive Koloniallandschaft, ähnlich jenen, die er in seiner Kindheit im Esszimmer hängen sah. Sein Alter Ego zeichnet derweil, was es in Johannesburg tatsächlich gesehen hat.
4. Finding One's Fate / Das eigene Schicksal finden William Kentridge erinnert sich an eine Geschichte, die ihm sein Vater in seiner Kindheit erzählt hatte – von Perseus, der versehentlich seinen Großvater tötete – und sinniert über die Unausweichlichkeit des eigenen Schicksals. Er untersucht die Legende der Sibylle von Cumae, der sich das Schicksal der Menschen in Blättern offenbarte, die von einem Baum fielen.
5. AS IF / ALS OB William Kentridge beginnt, schwarze, geschwungene Pinselstriche zu malen, die sich – allerdings nur aus einem bestimmten Blickwinkel – zur Form eines Pferdes zusammenfügen. Er diskutiert mit seinem Doppelgänger, der auf einem hohen Holzpferd sitzt. Kentridge und ein Team von Mitarbeitern beginnen mit der Arbeit an einer großen abstrakten Skulptur.
6. Harvest of Devotion / Ernte der Hingabe William Kentridge stellt Proben für frühere Aufführungsstücke nach. Er liest ein phonetisches Gedicht mit den Darstellern Hamilton Dlamini, Mncedisi Shabangu, Nhlanhla Mahlangu und Mica Manganye. Im Kontrast dazu lesen sie John Chilembwes Brief von 1915 an die Nyasaland Times, in dem er sich für die Gleichstellung der Bürger in Malawi einsetzt.
7. Metamorphosis / Metamorphose Während William Kentridge die Metamorphose erforscht, werden Klänge durch Malerei visualisiert, ein Schatten verwandelt sich in eine Skulptur, die Zeit in einen Filmstreifen und ein abstrakter Fleck in ein Bild. Parallel dazu inszenieren die Performerinnen Joanna Dudley und Ann Masina einen Mythos aus Ovids Metamorphosen.
8. Oh To Believe In Another World / Oh, wie schön, an eine andere Welt zu glauben! Kleine Papierpuppen und maskierte Schauspieler tanzen endlos in einem fiktiven sowjetischen Museum, während William Kentridge die Entstehung seiner Installation Oh to Believe in Another World aus dem Jahr 2022 dokumentiert, die als Antwort auf die 10. Symphonie des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch entstand.
9. In Defence of Optimism / Zur Verteidigung des Optimismus William Kentridge erkundet den Optimismus des Schaffens – wie es selbst unter schwierigsten Umständen Menschen gibt, die spielen, gestalten und singen. Er engagiert eine lokale Blaskapelle, um einen fröhlichen Umzug aus dem Studio nach Johannesburg anzuführen. Doch werden Kentridges zwei gespaltene Persönlichkeiten zu einer Einigung gelangen?
Veröffentlichung William Kentridge: Self-Portrait as a Coffee Pot, Thames & Hudson, 8. Juli 2025, (englisch) ISBN 978-3-9074-9312-0.
Einzelnachweise
Kategorie:Episodenfilm Kategorie:Experimentalfilm Kategorie:Stop-Motion-Film Kategorie:Webserie Kategorie:Online seit 2024