Leokadia Justman, auch Lorraine Justman-Wiśnicki, (geboren 7. Mai 1922 in Piątek; gestorben 9. März 2002 in Aventura) war eine polnisch-US-amerikanische Überlebende des Holocaust und Autorin.
Leben Leokadia Justman wuchs in Łódź auf. Sie wurde nach der deutschen Besetzung Polens mit ihren Eltern im Warschauer Ghetto inhaftiert. Sie arbeitete dort zeitweise als Kindergartenhelferin bei Janusz Korczak. Ihrer Familie gelang zunächst die Flucht in das Dorf Gorzkowice. Als dort die Juden deportiert werden sollten, glückte ihr und ihrem Vater, sich dem Transport zu entziehen, ihre Mutter wurde im Vernichtungslager Treblinka ermordet. Justman und ihr Vater wurden im Zwangsghetto von Piotrków inhaftiert. Im März 1943 gelangten sie mit gefälschten Papieren nach Tirol, wo sie sich als Fremdarbeiter aufhalten konnten. Ihr Vater wurde nach einer Denunziation von ihr getrennt und wurde im Lager Reichenau ermordet. Justman wurde 1944 ebenfalls denunziert und im Innsbrucker Polizeigefängnis inhaftiert. Mit Unterstützung einiger Innsbrucker, darunter Wanda Bottesi, Maria Stocker und den Innsbrucker Polizeibeamten Karl Dickbauer und Anton Dietz, gelang ihr die Flucht nach Lofer, wo sie die Befreiung durch die US-Army erlebte.
Justman heiratete im September 1946 in Innsbruck den polnischen Juden Józef Wiśnicki, der mit falschen Papieren als Fremdarbeiter in Vorarlberg die Verfolgung überlebt hatte. Sie hatten zwei Kinder. Sie emigrierten 1950 in die USA.
Justman begann gleich nach der Befreiung, das Erlebte in Polnisch aufzuschreiben. Ein Auszug aus den Manuskripten wurde postum 2003 von ihrem Sohn in englischer Übersetzung in den USA veröffentlicht. Eine Neubearbeitung der Manuskripte und Übersetzung ins Deutsche wurde 2025 von Dominik Markl und Niko Hofinger beim Tyrolia Verlag in Innsbruck herausgegeben.
Schriften The saga of Janusz Korczak. Claims Conference Holocaust Survivor Memoir Collection, USHMM, 1984 Mit Blut und Leid. Gedichte aus den Jahren 1944/45. Innsbruck, 2000 Lorraine Justman-Wisnicki: In quest for life – ave pax. Bloomington, Indiana: Xlibris, 2003 Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol. Eine autobiografische Überlebensgeschichte. Übersetzung aus dem Englischen Birgit Salzmann und Susanne Costa. Hrsg. Dominik Markl, Niko Hofinger. Innsbruck: Tyrolia, 2025 Alwin Hecher: Lodzia und Marysia. Die Graphic Novel zu Leokadia Justmans Erzählung "Brechen wir aus!" Hrsg. Dominik Markl, Niko Hofinger. Kufstein: SIMB Verlag, 2025
Literatur Stephan Löwenstein: Es gab schlimme Täter, aber auch einige Gerechte, FAZ, 24. Januar 2025
Weblinks
Leokadia Justman. Brechen wir aus! Als polnische Jüdin auf der Flucht in Tirol, Ausstellungsbericht, Diözese Innsbruck, 28. Januar 2025 Lorraine Wisnicki, Nachruf in der New York Times, 12. Mai 2002 "Brechen wir aus!" Leokadia Justmann. Salzburgwiki, Abruf am 30. Januar 2026 Eine Flucht mit vielen bewegenden Momenten, Meinbezirk.at Die unglaubliche Überlebensgeschichte der Leokadia Justman, bei Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes , 20. Mai 2025
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