Irmgard Jasker, geborene Krause (* 1. Mai 1944 in Danzig), ist eine deutsche Pädagogin, Antifaschistin und Friedensaktivistin.
Leben und Wirken Irmgard Jasker wurde als Tochter des selbstständigen Schmiedemeisters Artur Krause und seiner Ehefrau in Danzig geboren. Kurz bevor die Eltern 1945 im letzten Kriegswinter des Zweiten Weltkrieges infolge der Weichsel-Oder-Operation mit ihrem wenige Monate alten Baby per Schiff vor der Roten Armee nach Dänemark flüchteten, wurde Irmgards zehn Jahre alte Schwester Hildegard bei einem Tieffliegerangriff getötet. In Dänemark lebte die Familie in einem Internierungslager für deutsche Flüchtlinge. Im Jahr 1948 kehrten sie nach Deutschland zurück und kamen bei Verwandten in Lübeck unter. Diese frühen Erfahrungen prägten Irmgards weiteres Leben.
In Lübeck durchlief sie ihre Schulzeit. Nach dem Abitur begann sie in Kiel ein Lehramtsstudium mit der Fächerkombination Deutsch, Mathematik und Religion. Ihre erste Anstellung als Lehrerin trat sie an einer Dorfschule in Dithmarschen an, bevor sie 1968 nach Wedel wechselte. Zunächst war sie an der ABC-Schule tätig, später an der Theodor-Storm-Schule. An letzterer – am Standort der heutigen Gebrüder-Humboldt-Schule – richtete sie den offenen Ganztagsunterricht ein und hatte bis zu ihrer Pensionierung 2007 die Schulleitung inne. Ihren Schulklassen brachte sie das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus nahe, indem sie beispielsweise gemeinsam mit ihnen Rosen am Mahnmal für die Opfer der Wedeler Außenstelle des KZ Neuengamme pflanzte oder mit ihnen Kartoffeln anbaute und in selbstgeklebten Tüten, beschriftet mit dem Schicksal der 1944 nach der Razzia von Putten ins Außenlager verschleppten Männer, verkaufte. Das Tütenkleben war dort deren Tätigkeit gewesen.
In einer Zeit, in der es noch keine Sprachkurse für Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache gab, gründete Irmgard Jasker Anfang der 1970er Jahre mit Mitstreitern den Arbeitskreis Eltern und Lehrer, um ausländische Schüler, die damals vor allem aus der Türkei nach Wedel kamen, zu unterstützen. Nach dem Putsch in Chile gründete sie 1973 ein Chile-Solidaritätskomitee, sammelte Spenden, organisierte Veranstaltungen und half chilenischen Flüchtlingen; das Komitee bestand bis 1998.
Im Jahr 1978 Jahren war Irmgard Jasker Mitbegründerin der Friedenswerkstatt Wedel, in der sie zusammen mit ihrem Ehemann Wolfram Jasker bis heute (Stand 2026) aktiv ist und mit der sie jedes Jahr im August zum Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki aufruft. Seit 1983 engagiert sie sich mit der Friedenswerkstatt in der Initiative Blumen für Gudendorf für das Erinnern an die sowjetischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die in einem Massengrab in Gudendorf (Dithmarschen) begraben wurden. Seit 1984 organisiert sie den Wedeler Ostermarsch. In Zusammenarbeit mit dem Stadtteilzentrum mittendrin veranstaltet sie Weihnachtsfeiern und Paketaktionen für bedürftige Mitbürger. Irmgard Jasker ist in der kirchlichen und gewerkschaftlichen Arbeit tätig, engagiert sich bei der Wedeler Tafel und ist im Vorstand der örtlichen Arbeitslosenselbsthilfe. mini|Gedenkstein für die Opfer der Außenstelle des KZ Neuengamme auf dem Wedeler Friedhof Anfang der 1980er Jahre kam sie durch Günther und Marianne Wilke zur Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Als 1989 Die Republikaner erstmals in der BRD in ein Parlament einzogen, veranlasste sie Jörg Balack, den damaligen Bürgermeister Wedels, zur Gründung des Arbeitskreises gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit. Im Jahr 2007 übernahm sie die Leitung des Arbeitskreises, der zusammen mit dem VVN-BdA und der Stadt Wedel die jährlichen Gedenkveranstaltungen zum 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz, Veranstaltungen am Gedenkstein für die Opfer des KZ Außenlagers und zum Volkstrauertag organisiert sowie Kranzniederlegungen am Mahnmal und der Totenliste an der Rissener Straße vornimmt.
Im Jahr 1990 setzte Irmgard Jasker sich für die Auszeichnung Wedels als Weltoffene Gemeinde ein. mini|Totenliste der KZ-Außenstelle, angebracht neben dem Mahnmal an der Rissener Straße Mit der niederländischen Gemeinde Putten pflegt der Arbeitskreis einen freundschaftlichen Kontakt. Regelmäßig besuchen Bürger aus Putten die Stadt und werden von Irmgard Jasker und ihren Mitstreitern betreut.
Im Jahr 2014 war Irmgard Jasker Mitinitiatorin des generationsübergreifenden und interkulturellen Kunstprojekts Engel der Kulturen in Wedel, das für Frieden, Toleranz und eine multikulturelle Gesellschaft steht.
Bis zur Kommunalwahl 2023 hatte sie ihre Partei Die Linke als „zugewählte Bürgerin“ im Sozialausschuss des Wedeler Stadtrats vertreten.
Mit ihrem Ehemann Wolfram Jasker hat sie zwei Söhne und eine Tochter.
Lebensmotto Bei ihrem jahrzehntelangen unermüdlichen Einsatz für Frieden und Toleranz lässt Irmgard Jasker sich durch den ersten Vers des Gedichts Kinderhymne von Bertolt Brecht leiten.
Auszeichnungen 2003 erhielt Irmgard Jasker die Ehrennadel der Stadt Wedel. 2013 würdigte die Stadt sie mit dem Wedeler Sozialpreis. Der SPD-Kreisverband Pinneberg ehrte sie 2019 für ihr jahrzehntelanges Engagement als Friedensaktivistin mit dem Walter-Damm-Preis. Für ihren mehr als fünfzig Jahre langen ehrenamtlichen Einsatz für Frieden und Toleranz und gegen Rechtsextremismus wurde sie 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Weblinks NDR: Bundesverdienstkreuz für Einsatz gegen Rechtsextremismus antifa – Magazin des VVN-BdA Netzwerk Friedenskooperative – Friedenswerkstatt Wedel Die Initiative Blumen für Gudendorf
Einzelnachweise
Kategorie:Pädagoge (20. Jahrhundert) Kategorie:Pädagoge (21. Jahrhundert) Kategorie:Schulleiter (Deutschland) Kategorie:Person der Friedensbewegung Kategorie:Mitglied der VVN-BdA Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1944 Kategorie:Frau