Jo Ann Gibson Robinson (* 17. April 1912 in Culloden; † 29. August 1992 in Los Angeles) war eine US-amerikanische Bürgerrechtlerin. Sie war maßgeblich am Busboykott von Montgomery beteiligt.

Leben Jo Ann Robinson war die Tochter von Owen Boston Gibson und Dollie Webb Gibson. Nach dem Tod ihres Vaters verkaufte die Familie ihren Bauernhof in Culloden und zog nach Macon. Dort absolvierte sie die High School als valedictorian, also als die Stufenbeste. Sie besuchte das Fort Valley State College und machte dort 1934 ihren Bachelor, woraufhin sie Lehrerin in Macon wurde. Dort heiratete sie Wilbur Robinson, ließ sich aber nach dem Säuglingstod ihres gemeinsamen Kindes scheiden. Sie setzte daraufhin ihr Studium fort und machte ihren Master of Arts in Englisch und Literaturwissenschaften an der Atlanta University. Nach dem Besuch des Teachers College der Columbia University und der University of Southern California nahm sie eine Stelle als Leiterin des Fachbereichs Englisch am Mary Allen Junior College in Crockett wahr. Ein Jahr später wurde sie Professorin für Englisch am Alabama State College in Montgomery.

Dort schloss sie sich der Bürgerrechtsbewegung an, nachdem sie im Dezember 1949 während einer Busfahrt für ihre Hautfarbe drangsaliert wurde. Sie hatte sich nämlich auf einen der für Weiße reservierte Sitze gesetzt, obwohl sie schwarz war. Als der Busfahrer sie schlagen wollte, floh sie weinend aus dem Bus – ein Erlebnis, das sie ein Leben lang begleiten würde, wie sie in ihren Memoiren schildert. Sie wurde 1950 Vorsitzende des Women’s Political Council (WPC), einer Bürgerrechtsorganisation, der vor allem schwarze Frauen aus der Mittelschicht angehörten. Ihre Vorgängerin war Mary Fair Burks, die Gründerin des WPC. Sie protestierten gegen das rassistische Jim-Crow-System in seinen verschiedenen Ausprägungen, darunter Polizeigewalt, Sexualisierte Gewalt und insbesondere gegen die Rassentrennung in Bussen. Treffen mit der Stadtverwaltung blieben allerdings ergebnislos. Die Bürgerrechtler Montgomerys, neben Robinson auch Figuren wie Rufus Lewis und E. D. Nixon, planten daher mit einem Busboykott einen direkten Protest gegen die Rassentrennung.

Am 1. Dezember 1955 wurde die Bürgerrechtlerin Rosa Parks verhaftet, nachdem sie sich geweigert hatte, ihren Sitz für einen Weißen zu räumen. Robinson druckte über Nacht zehntausende Flugblätter, um die Afroamerikaner Montgomerys hierauf aufmerksam zu machen und sie für den Busboykott zu gewinnen. Fast alle schwarzen Bürger schlossen sich der Protestaktion an. Robinson übernahm im Verlauf des Jahres, den der Boykott währen sollte, verschiedene Führungsrollen, darunter als Herausgeberin des Newsletters der Montgomery Improvement Association (MIA). Diese Gruppierung diente der Leitung des Busboykotts und wurde in Folge zur wichtigsten Bürgerrechtsorganisation der Stadt. Vorsitzender war der junge Pastor Martin Luther King. Wie viele andere Bürgerrechtler wurde Robinson für ihren Aktivismus angefeindet oder sogar persönlich angegriffen. Der Busboykott endete am 20. Dezember 1956, als die Stadt die Rassentrennung in Bussen nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Fall Browder v. Gayle abschaffen musste. Er ging als Beginn der modernen Bürgerrechtsbewegung in die Geschichte ein.

1960 wurde Robinson mit vielen weiteren linken Professoren für ihre Beteiligung an der Bürgerrechtsbewegung aus ihrem Amt an der Alabama State gedrängt. Der Anlass waren Sit-In-Proteste, die kurz zuvor an der Alabama State stattgefunden waren. Nach einem Jahr am Grambling College unterrichtete sie bis zu ihrem Ruhestand 1976 Englisch in Los Angeles. 1987 veröffentlichte sie mit The Montgomery Bus Boycott and the Women Who Started It: The Memoir of Jo Ann Gibson Robinson ihre Memoiren, in denen sie vor allem auf den Beitrag von Frauen auf den Busboykott von Montgomery eingeht.

Schriften The Montgomery Bus Boycott and the Women Who Started It: The Memoir of Jo Ann Gibson Robinson. University of Tennessee Press, Knoxville 1987.

Literatur

Daniel Dalrymple: Robinson, Jo Ann Gibson In: Darlene Clark Hine (Hrsg.): Black Women in America Oxford University Press, 2005

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