alt=etwa 40 Jahre alte Frau mit ernstem Gesichtsausdruck, mit hochgesteckten lockigen Haaren, sehr hohem Rundkragen und einem über der Brust gerafften Kleid|mini|Ivande Kaija
Ivande Kaija (geboren am 13. Oktober 1876 in Jumpravmuiža; gestorben am 2. Januar 1942 in Riga) war der Autorenname von Antonija Lūkina, geboren als Antonija Meldere-Millere. Die lettische Schriftstellerin und Frauenrechtlerin war eine prominente Kämpferin für die lettische Unabhängigkeit. 1926 wurde sie mit dem Drei-Sterne-Orden, der höchsten Ehrung Lettlands, ausgezeichnet.
Biographie Antonija Meldere-Millere wurde am 13. Oktober 1876 in Jumpravmuižā, Gouvernement Livland, Russisches Kaiserreich, als Tochter von Miķelis Millere-Meldere und Matilde geb. Flintman geboren. Ihr Vater war ein wohlhabender Geschäftsinhaber und Gutsbesitzer. Die Familie zog nach Torņakalns bei Riga, wo Antonija 1881 ihre Schulausbildung begann. Nach Abschluss der Grundschule besuchte sie das Lomonossow-Frauengymnasium in Riga. Während ihrer Schulzeit am Lomonossow-Institut lernte sie auch Fēlikss Lūkins kennen, den sie später heiratete. 1892 veröffentlichte sie mit 16 Jahren ihren ersten Roman „Trīs jaungada naktis“ (Drei Silvesternächte). Nach dem Abitur im Jahr 1895 studierte sie Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Bern und der Universität Leipzig. Sie nutzte die Gelegenheit, Museen und Kunstgalerien zu besuchen, und lernte Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Latein und Russisch. 1901 brach sie ihr Studium ab und heiratete Lūkins, der Augenarzt geworden war und später die Lettische Ärztevereinigung gründen sollte. In den nächsten Jahren arbeitete Lūkina als Journalistin und bekam drei Kinder. Während eines Aufenthalts in der Schweiz wählte sie für sich das Pseudonym „Kaija“ [dt.: Möwe], nach einem Denkmal, das sie auf einem Friedhof in Lugano gesehen hatte.
Sie beschloss, ihr Studium wieder aufzunehmen und ging nach Frankreich, um an der Sorbonne Journalismuskurse zu belegen. Um 1911 bemerkte sie erstmals eine Beeinträchtigung des Gehörs, die sich zunehmend verschlimmerte. Sie schrieb Leitartikel für das „Collège de France“ und bereiste Frankreich, Italien und die Schweiz, bevor sie 1913 nach Riga zurückkehrte. Im selben Jahr veröffentlichte sie „Iedzimtais grēks“ [dt.: Die inhärente Sünde] und begann, das Pseudonym Kaija zu verwenden. Das Buch beschäftigte sich mit Unzufriedenheit in der Ehe und freier Liebe und sorgte mit einer damals ungewohnt offenen Darstellung der sexuellen Befreiung der Frau für Aufsehen. Sie veröffentlichte weitere frauenbetreffende Artikel zu bürgerlichen, politischen und sozialen Themen in Zeitschriften wie „Dzimtenes Vēstnesis“ [dt.: Heimatblatt] und „Latviešu izglītības biedrības gadagrāmata“ [dt.: Almanach des Lettischen Bildungsverbandes].
Während des Ersten Weltkriegs wurde Kaijas Ehemann als Chirurg eingezogen, seine Familie folgte ihm auf die Krim, nach Moskau und Petrograd. Eine Epidemie der bakteriellen Augenkrankheit Conjunctivitis trachomatosa hinderte Lūkins fast vier Jahre lang daran, nach Lettland zurückzukehren, während Kaija 1917 mit ihrer Tochter zurückging. Sie schrieb Artikel, die sich für die Unabhängigkeit einsetzten, und arbeitete bis Kriegsende als Sozialarbeiterin. Als Unterstützerin der lettischen Unabhängigkeit war sie stellvertretende Kandidatin für die erste Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung und half bei der Zusammenstellung des Ministerkabinetts in 1918. Im selben Jahr unterstützte sie die Gründung der Latvijas Sieviešu Asociācija [dt.: Lettische Frauenvereinigung], die sich für das Frauenwahlrecht einsetzte. Die Unabhängigkeit Lettlands wurde im November 1918 erklärt, der Friedensvertrag mit der Sowjetunion wurde jedoch erst 1920 unterzeichnet. Gleichzeitig mit der Unabhängigkeit erhielten die Frauen das Wahlrecht. Zwischen 1919 und 1920 richtete Kaija den Zelta-Fonds [Goldfonds] ein und rief die Frauen dazu auf, Schmuck, Silberwaren und andere materielle Vermögenswerte für die neue Nation zu spenden; diese wurden hinterlegt und bildeten nach dem Krieg die Goldreserve der Regierung.
Ab 1920 arbeitete Kaija im Außenministerium der Republik Lettland als Kommentatorin der französischen Presse und war Leiterin der Kunst- und Literaturabteilung von „Latvijas Sargs“ [dt.: Lettische Garde]. 1919 veröffentlichte sie einen weiteren Roman, „Jūgā“ [In Knechtschaft], in dem sie die Institution der Ehe bewertete. Im folgenden Jahr erschien „Sfinksa“ [Sphinx], in dem sie das Thema einer Frau auf der Suche nach der perfekten Liebe erneut aufgegriff. 1920 veröffentlichte sie außerdem „Dzintarzeme“ [Bernsteinland], einen historischen Roman über die alten Völker des Baltikums. Im März 1921 kehrte Lūkins nach einem Sanatoriumsaufenthalt wegen Tuberkulose endlich nach Hause zurück. Einige Monate später hielt Kaija in Valmiera eine seltene Rede über die sozialen Probleme der Nation, was ihr aufgrund ihrer Schwerhörigkeit schwerfiel. Kurz nach dem Vortrag erlitt sie einen Schlaganfall und verlor ihr verbliebenes Gehör, ihre Sprechfähigkeit und ihre Mobilität. Sie verbrachte drei Jahre in Rehabilitation und erlangte ihre Gehfähigkeit wieder, doch ihr rechter Arm blieb gelähmt. Ihr Gehör kehrte nicht zurück, doch sie konnte weiterhin korrespondieren und schreiben, indem sie lernte, linkshändig zu schreiben.
1926 wurde Kaija mit dem Triju Zvaigžņu ordenis ausgezeichnet, dem höchsten lettischen Orden. Zwischen 1928 und 1931 veröffentlichte sie eine Sammlung ihrer Werke in zehn Bänden. Es fiel ihr zunehmend schwer, weiter zu schreiben und gab nach 1936 ihre Arbeit fast ganz auf. Nach der Sowjetischen Besetzung Lettlands wurden Kaijas Werke aus den Bibliotheken entfernt und ihre Werke verunglimpft. Am Heiligabend 1941 erlitt sie auf dem Heimweg vom Gottesdienst bei einem Autounfall schwere Verletzungen, denen sie bald nach dem Jahreswechsel 1942 erlag. Kaija wurde auf dem Waldfriedhof in Riga begraben.
Rezeption Nach Kaijas Tod wurden ihre Werke in der Sowjetunion offiziell weiter abgewertet, erlebten jedoch in der Folgezeit eine Renaissance. 2006 wurde ihr 130. Geburtstag in Mālpils (dt. Lemburg) mit einem Literaturfestival gefeiert.
2024 wurde Teile von Kaijas Tagebücher unter dem Titel „Es esmu …“ [dt. Ich bin ...] veröffentlicht. In den Aufzeichnungen, die zwischen 1911 und ihrem Schlaganfall im April 1921 entstanden, beschreibt sie neben ihrem gesellschaftlichen Engagement und Entwicklungen im Privatleben die nahe Bekanntschaft zum lettischen Dichter, Dramatiker und Politiker Rainis und seiner Ehefrau Aspazija, die sie als Initiatorin der lettischen Frauenbewegung würdigte. Veröffentlichungen (Auswahl)
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Einzelnachweise
Kategorie:Frauenrechtler (Lettland) Kategorie:Autor Kategorie:Journalist (Lettland) Kategorie:Absolvent der Universität Bern Kategorie:Absolvent der Universität Leipzig Kategorie:Träger des Drei-Sterne-Ordens Kategorie:Pseudonym Kategorie:Lette Kategorie:Geboren 1876 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Frau