mini|hochkant=1.20|Lützen, Luftaufnahme (2017) Lützen ist eine Stadt im Burgenlandkreis in Sachsen-Anhalt.
Geographie mini|hochkant|Schloss Geographisch gehört Lützen zur Leipziger Tieflandsbucht. Die Stadt liegt etwa 10 Kilometer südwestlich der Stadtgrenze Leipzigs an der Bundesstraße 87, die von Weißenfels über Lützen und Markranstädt nach Leipzig führt. Außerdem ist Lützen über die Anschlussstelle Bad Dürrenberg (ca. 5 km entfernt) an die Bundesautobahn 9 und über die Anschlussstelle Lützen (ca. 1 km entfernt) an die A 38 angeschlossen.
Nachbargemeinden
Gemeindegliederung Ortschaft Einwohner OrtsteileSiehe Ortsteilartikel. Dehlitz ca. 540 Dehlitz, Lösau und Oeglitzsch Großgörschen ca. 816 Großgörschen, Kleingörschen, Rahna und Kaja Lützen ca. 3545 Muschwitz ca. 1300 Göthewitz, Muschwitz, Kreischau, Pobles, Söhesten, Tornau und Wuschlaub Meuchen 169 Meuchen Poserna ca. 400 Poserna Rippach ca. 650 Großgöhren, Kleingöhren, Pörsten und Rippach Röcken ca. 600 Röcken, Bothfeld, Michlitz und Schweßwitz Sössen ca. 230 Gostau, Sössen und Stößwitz Starsiedel ca. 650 Kölzen und Starsiedel Zorbau ca. 812 Gerstewitz, Nellschütz, Zorbau und Zörbitz.
Die Ortschaften von Lützen (anklickbare Karte)
Geschichte mini|Ansicht der Stadt um 1845 Die Stadt Lützen gehörte seit dem 13. Jahrhundert zum Einflussbereich des Hochstifts Merseburg und war Sitz des bischöflichen Amts Lützen. Nach der Säkularisation des Bistums Merseburg gelangte das Hochstift mit der Stadt Lützen unter die Administration des Kurfürsten von Sachsen.
In den 1580er Jahren suchten Seuchen die Region heim, so eine epidemische Hirnentzündung im Jahr 1583 und die Pest im Jahr 1585. Nachdem dieser im Spätsommer auch der Scharfrichter zum Opfer gefallen war, beschuldigte dessen Knecht den Totenträger Melchior Schimpf, den rechten Daumen des Verstorbenen zur Handinnenfläche gebogen und dabei etwas Unverständliches gemurmelt zu haben. Wegen dieses untrüglichen Indizes für Pestzauber ermittelte das Stadtgericht gegen Schimpf. Seine Frau Ursula geriet ebenfalls in den Fokus der Ermittler, weil sie mit einer unbekannten Wurzel das Leiden Pestkranker lindern konnte. Unter der Folter gestand Melchior Schimpf nicht nur, vielen weiteren Toten den Daumen in die Handfläche gebogen zu haben, sondern auch, dem Leichnam eines verstorbenen Mädchens mit der Zauberformel ein Tuch in den Mund gesteckt zu haben, wodurch 200 weitere Menschen von der Pest dahingerafft worden seien. Angestiftet habe ihn seine Frau, die eine Hexe sei. Dieser presste man durch die Folter das Geständnis der Teufelsbuhlschaft und Teilnahme am Hexensabbat ab. Außerdem gestand sie, die Pestbeulen von Toten mit Köpfen von Kaninchen und Wieseln gekocht und den Sud in die Häuser gegossen zu haben, um Menschen zu töten. Die Eheleute wurden verurteilt und am 10. November 1585 auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Im Jahr 1621 hatte die Stadt eine Kippermünzstätte, in der wahrscheinlich unter Münzmeister Wilhelm Quendel Interimsmünzen (Kippermünzen) geschlagen wurden. Bekannt sind einfache und doppelte Kipper-Schreckenberger mit dem Münzmeisterzeichen „Kreuz aus vier L“.
Lützen war 1632 Schauplatz der Schlacht bei Lützen, einer der Hauptschlachten des Dreißigjährigen Krieges. Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf ist in dieser Schlacht gefallen. Eine Kapelle und ein Denkmal erinnern an den König. Da Napoleon in der Nacht vor der Schlacht bei Großgörschen (2. Mai 1813) demonstrativ am Gedenkstein für Gustav Adolf übernachtete, umgeben von seinen Truppen, wird diese manchmal auch als Schlacht bei Lützen bezeichnet.
mini|ohne|hochkant=2.2|Lützen um 1650 mini|Unter den Inschriften am Arc de Triomphe in Paris befindet sich im obersten Teil eine Reihe von dreißig Schilden, eines davon mit der Aufschrift „LUTZEN“
Nach der Niederlage Napoleons und des mit ihm verbündeten Königreichs Sachsen musste das Königreich Sachsen nach Beschluss des Wiener Kongresses im Jahr 1815 einen großen Teil seines Gebietes an das Königreich Preußen abtreten. Das Amt Lützen wurde dabei geteilt. Der größere Westteil mit der Stadt Lützen wurde der preußischen Provinz Sachsen (Kreis Merseburg im Regierungsbezirk Merseburg) angegliedert, der kleinere Ostteil kam an das sächsische Amt Leipzig.
Lützen war bis zur Verwaltungsreform der DDR im Jahr 1952 Teil des Landkreises Merseburg. Dann gehörte die Stadt zum Kreis Weißenfels im Bezirk Halle (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt). Seit der Kreisreform 2007 liegt die Stadt im Burgenlandkreis.
Eingemeindungen Am 1. Juni 1973 wurde Meuchen eingemeindet.
Am 1. Juli 2009 wurde die vormals eigenständige Gemeinde Röcken eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009
Am 1. Januar 2010 wurde die Stadt Lützen aus dem Zusammenschluss Lützens mit den bis dahin selbstständigen Gemeinden Großgörschen, Muschwitz, Poserna, Rippach und Starsiedel neu gebildet.StBA: Gebietsänderungen vom 01. Januar bis 31. Dezember 2010
Am 1. Januar 2011 wurden die Gemeinden Dehlitz, Sössen und Zorbau eingemeindet.
Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 3.973 2005 3.653 2010 9.250 2015 8.625 2020 8.458 Jahr Einwohner 2021 8.443 2022 8.259 2023 8.244 2024 8.242 2025 8.207
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Der starke Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Religion 16 % der Einwohner sind gemäß Zensus 2011 evangelisch-landeskirchlich, 2 % römisch-katholisch.
Die evangelischen Kirchen in Bothfeld, Dehlitz, Großgörschen, Großgöhren, Kleingörschen, Lützen, Meuchen, Pobles, Pörsten, Poserna, Röcken, Starsiedel und Treben bilden den Pfarrbereich Lützener Land im Kirchenkreis Merseburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die Kirchen in Gerstewitz, Nellschütz und Zorbau gehören zum Pfarrbereich Weißenfels-Südost im selben Kirchenkreis. Die Kirchen in Göthewitz und Muschwitz sind dem Pfarrbereich Hohenmölsen im Kirchenkreis Naumburg-Zeitz zugeordnet.
Die katholische Pfarrei Lützen, die bereits 1866 als Missionspfarrei gegründet worden war, wurde 2010 aufgelöst. Die 1895/96 erbaute katholische St.-Joseph-Kirche in Lützen wurde im Jahre 2013 profaniert und befindet sich in Privatbesitz. Die wenigen Katholiken in der Stadt sind jetzt der Pfarrei St. Elisabeth mit Sitz in Weißenfels, Bistum Magdeburg, zugeordnet.
Politik Stadtrat Der Stadtrat von Lützen besteht aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 67,9 % (2019: 59,3 %) zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Bürgerliste Lützen 36,6 % 7 35,9 % 7 CDU 20,0 % 4 29,2 % 6 SPD 14,7 % 3 15,7 % 3 Einzelbewerberin Dorothee Berthold – – 5,4 % 1 dieBasis – – 5,0 % 1 Einzelbewerberin Christine Krößmann – – 4,8 % 1 FDP 5,3 % 1 4,1 % 1 Die Linke 8,9 % 2 – – Bündnis 90/Die Grünen 8,0 % 2 – – NPD 6,5 % 1 – – Insgesamt 100 % 20 100 % 20
Bürgermeister mini|Rathaus
2018–2025: Uwe Weiß (SPD) seit 2025: Mirko Kother (parteilos)
Weiß wurde in der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017 mit 53,2 % der gültigen Stimmen gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 15. Oktober 2017
Kother wurde in der Bürgermeisterwahl am 13. Oktober 2024 mit 56,6 % der gültigen Stimmen zu seinem Nachfolger gewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 13. Oktober 2024 Er trat sein Amt am 18. Januar 2025 an. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Das Wappen wurde am 25. Januar 2010 durch den Landkreis genehmigt.
Die Farben der Stadt sind Blau - Gelb.
Flagge Die Flagge ist blau - gelb (1:1) gestreift (Längsform: Streifen senkrecht verlaufend, Querform: Streifen waagerecht verlaufend) und mittig mit dem Wappen der Stadt belegt.
Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Lützen, Luftaufnahme (2017) mini|Gustav-Adolf-Gedenkstätte
Schloss Das Lützener Schloss wurde Ende des 13. Jahrhunderts von den Merseburger Bischöfen erbaut. Seit 1928 beherbergt es das Stadt- und Regionalgeschichtliche Museum. In diesem wird an die beiden weltpolitisch bedeutenden Schlachten bei Lützen erinnert. Dies ist einmal die Schlacht bei Lützen von 1632, in der der legendäre Schwedenkönig Gustav II. Adolf sein Leben ließ. Ein Großdiorama mit 3.600 Zinnfiguren zeigt die Schlacht. Die andere ist die Schlacht bei Großgörschen von 1813, welche in einem noch größeren Diorama (5.500 Zinnfiguren) dargestellt wird. Eine weitere Ausstellung des Museums ist dem Dichter und Schriftsteller Johann Gottfried Seume gewidmet. Das Gebäude beherbergt auch das historische Stadtarchiv.
Gustav-Adolf-Gedenkstätte Die Gedenkstätte ist dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf gewidmet, der während der Schlacht bei Lützen fiel. Schon im Jahr 1632, im Todesjahr, wurde am Todesort ein großer Findling als erstes Denkmal aufgestellt. Im Jahr 1837 erfolgte dann die Einweihung des von Karl Friedrich Schinkel entworfenen, gusseisernen Baldachins, welcher über dem sogenannten „Schwedenstein“ errichtet wurde. Im Jahr 1907 kam die vom schwedischen Konsul Oskar Ekman und seiner Frau Maria gestiftete Gustav-Adolf-Kapelle hinzu. Später folgten noch zwei typisch schwedische Holzhäuser. Bei den gelegentlichen Behauptungen, das Grundstück gehöre dem schwedischen Staat oder sei gar exterritoriales Gebiet, handelt es sich um eine moderne Legende. Tatsächlich wurde die Gedenkstätte von 1932 bis Mitte der 1990er-Jahre von der privaten schwedischen Stiftelsen Lützenfonden (Lützenstiftung) mit Sitz in Göteborg betrieben. Seither sorgen die Stiftung und die Stadt Lützen gemeinsam für den Unterhalt.Nina Fehrlen: Die Konzeption der »Schwedenstraße« als deutsch-schwedischer Erinnerungsort des Dreißigjährigen Krieges. In: Janina Fuge u. a.: Gedächtnisräume. Geschichtsbilder und Erinnerungskulturen in Norddeutschland. V&R unipress, Göttingen 2014, S. 385–404, auf S. 400. mini|Das Massengrab im Museum Lützen 1632 Museum Lützen 1632 Im November 2024 eröffnete das Museum Lützen 1632, das die Gedenkstätte ergänzt. Dieses informiert auf 870 m2 über die Schlacht von 1632 und erinnert an die Opfer. Der markante Betonbau mit einem Pultdach entstand nach Entwürfen von Peter Zirkel Architekten (Dresden) und Naumann Wasserkampf Architekten (Weimar).
Gustav-Adolf-Gedenkkirche in Meuchen Die ursprünglich romanische Kirche Meuchen wurde im 15./16. Jahrhundert gotisch umgebaut und im Jahr 1912 als Gustav-Adolf-Gedenkkirche neu gestaltet. Hinter dem Altar befindet sich ein alter hölzerner Tisch, auf dem der Leichnam Gustav II. Adolfs bei der Säuberung gelegen haben soll. Ein Farbfenster und ein Bronzerelief des schwedischen Königs sind weitere Ausstellungsstücke.
Denkmäler der Schlacht bei Großgörschen 1813 Das Scharnhorst-Denkmal, die Schinkel-Pyramide, das Denkmal des Prinzen Leopold von Hessen-Homburg und das Marschall-Ney-Hausscharnhorstkomitee.de sind die wichtigsten Denkmäler, die an die Schlacht erinnern.
Rathaus Das Rathaus wurde 1884/1885 im Stil der Neurenaissance erbaut. Von der ursprünglichen Ausstattung sind noch der Sitzungssaal, das Amtszimmer des Bürgermeisters sowie drei erhalten gebliebene Gefängniszellen vorhanden. Die Westseite des Rathauses ziert ein Standbild Gustav Adolfs.
Stadtkirche St. Viti mini|Stadtkirche St. Viti, Luftaufnahme (2017)
Der Bau der spätgotischen Kirche St. Viti Lützen wurde 1488 auf dem Areal eines romanischen Vorgängerbaus aus dem 13. Jahrhundert begonnen, 1513 wurde die Kirche geweiht. Der Bau des Turms begann 1513 und wurde 1531 abgeschlossen. Nach einem Blitzeinschlag im Jahr 1778 wurde der zunächst 77 m hohe Turm um 10 m gekürzt.
Weitere Gedenkstätten Nietzsche-Gedenkstätte in Röcken