Siqueiranthus cinereus ist die einzige Art der Pflanzengattung Siqueiranthus in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie der Bromeliengewächse (Bromeliaceae). Es ist ein Endemit im brasilianischen Bundesstaat Alagoas.

Beschreibung Vegetative Merkmale Deinacanthon urbanianum wächst lithophytisch als ausdauernde krautige Pflanze. Im Laufe der Jahre werden meist steife, aufrechte bis niederliegende Sprossachsen aus dem zentralen Vegetationspunkt an der Basis der Blütenstände und weiteren Vegetationspunkten entlang der Sprossachse gebildet, sie weist eine Länge von 18 bis 160 Zentimetern sowie einen Durchmesser 1,7 bis 2,8 Zentimetern auf. An 5 bis 99 Zentimeter langen Rhizomen, die einen Durchmesser von 1,7 bis 2,8 Zentimeter aufweisen, befinden sich Kindel.

Die 30 bis 49 gleichmäßig an der Sprossachse verteilt angeordneten Laubblätter sind in Blattscheide sowie -spreite gegliedert. Die an den älteren Teilen der Sprossachsen lange haltbaren, stark ledrigen, gelblichen Blattscheiden sind bei einer Länge von 2,8 bis 3,5 Zentimetern sowie einer Breite von 4,4 bis 6 Zentimetern fast kreisförmig bis nierenförmig-trapezförmig und kahl nahe ihrer Basis und grün oder rötlich sowie mit dicht asch-grauen Saugschuppen auf der Fläche und hauptsächlich auf der Unterseite stark gerippt und sie sind dicht stachelig bewehrt am oberen Bereich. Diese 0,2 bis 3 Millimeter von einander entfernten, vorwärts oder rückwärts gerichteten Stacheln sind bei einer Länge von 0,5 bis 3 Millimetern dreieckig, gerade. Die einfachen, derben, parallelnervigen, fast aufrechten bis ausgebreiteten oder besonders während der Anthese zurückgebogenen Blattspreiten sind bei einer Länge von 17 bis 57 Zentimetern sowie einer Breite von 4 bis 4,7 Zentimetern schmal dreieckig-lanzettlich mit spitzzulaufenden-zugespitztem oberen Ende. Der gerade oder etwas gewellte, gesägte Blattrand ist nahe der Spreitenbasis dicht und zum oberen Ende locker bestachelt. Diese weit auseinanderliegenden Stacheln sind bei einer Länge von 0,5 bis 3 Millimetern sowie einer Breite von 2 bis 14 Millimetern dreieckig vorwärts gerichtet. Die Blattspreiten sind grün oder wenn sie der vollen Sonne ausgesetzt sind rötlich-kastanienfarben. Die Blattoberseite ist dicht mit asch-grauen Saugschuppen bedeckt und kann die eigentliche Spreitenfarbe verdecken und die -unterseite ist dicht mit asch-grauen Saugschuppen bedeckt und verdecken die eigentliche Spreitenfarbe, die sich bei Trockenheit hell-grün verfärbt und verkahlt teilweise.

Generative Merkmale Es ist kein Blütenstandsschaft erkennbar; der Blütenstand von Siqueiranthus cinereus ist sitzend. Der mit einer Länge von 4 bis 6 Zentimetern verhältnismäßig kurze, kompakte, zusammengesetzte, schirmrisige oder knäuelig rispige Blütenstand (Infloreszenz) weist einen Durchmesser von 4 bis 4,5 Zentimetern auf und enthält in den seitlichen Teilblütenständen wenige weiblich sowie männliche Blüten und im zentralen-oberen Teilblütenstand 19 bis 25 männliche Blüten. Von den mehr oder weniger laubblattähnlichen Tragblättern sind die äußeren um ein vielfaches länger als die Teilblütenstände, die inneren sind abrupt kleiner und überragen die Teilblütenstände kaum. Die schmal-dreieckigen Tragblätter sind grün oder färben sich rosa- bis rotweinfarben während der Anthese und bilden einen auffälligen Ring um den Blütenstand im Kontrast mit der vorherrschen asch-grau-grünen Farbe des oberen Bereiches und beide Flächen sind dicht mit asch-grauen Saugschuppen bedeckt, ihre geraden bis gewellten Ränder sind im unteren Bereich dicht bis nach oben hin locker mit 1 bis 10 Millimeter von einander entfernten, vorwärtsgerichteten 0,5 bis 3 Millimeter langen Stacheln bewehrt. Die fünf bis sieben seitlichen fast sitzenden bis kurz gestielten Teilblütenstände sind bei einer Länge von 40 bis 45 Millimetern sowie einer Breite von 20 bis 25 Millimetern flach, fächerförmig und enthalten zwei bis vier seitliche sterile Tragblätter und zwei bis sieben zwittrige und/oder männliche Blüten. Die fast flachen Blütenstandsschäfte dieser Teilblütenstände sind 5 bis 6 Millimeter lang sowie 4 bis 5 Millimeter breit. Die Deckblätter sind fast linealisch bis schmal dreieckig-lanzettlich, kahnförmig, nahe ihrer Basis durchscheinend bis grünlich-weiß sowie bis zum oberen Ende grün bis rosafarben und bis zum oberen Ende dicht sowie grob mit weißen Saugschuppen bedeckt; ihre Ränder sind glatt oder unauffällig und spärlich gezähnt. Die Deckblätter der seitlichen Teilblütenstände weisen eine Länge von 20 bis 34 Millimetern sowie eine Breite von 5 bis 13 Millimetern auf mit spitzem oberen Ende und sie können gekielt sein. Die Deckblätter der männlichen Blüten des zentralen-oberen Teilblütenstandes weisen eine Länge von 20 bis 27 Millimetern sowie eine Breite von 5 bis 7 Millimetern auf mit zugespitzem oberen Ende und sie sind nicht bis unauffällig gekielt. Es sind keine Blütenstiele erkennbar.

Siqueiranthus cinereus ist andromonözisch, es gibt zwittrige und rein männliche Blüten an einem Pflanzenexemplar. Die während des Tages geöffenten Blüten sind radiärsymmetrisch und dreizählig mit doppelter Blütenhülle. Der enge Blütenbecher ist 5 bis 8 Millimeter lang. Die zwittrigen Blüten besitzen inklusive der Kronblätter eine Länge von 45 bis 52 Millimetern. Die männlichen Blüten besitzen inklusive der Kronblätter eine Länge von 30 bis 48 Millimetern. Die drei dünnen, einfachen Kelchblätter sind schmal-lanzettlich mindestens schwach gekielt mit zugespitzem oberen Ende; sie sind nahe ihrer Basis weißlich, in Richtung oberen Ende grün bis rosafarben und dicht sowie grob mit im Zentrum braunen Saugschuppen bedeckt und sie verdecken die Kelchfarbe im oberen Bereich. Die Kelchblätter der zwittrigen Blüten sind 21 bis 22 Millimeter lang sowie 3 bis 5 Millimeter breit und an ihrer Basis für 2,4 bis, meist 5 bis 6 Millimeter verwachsen. Die Kelchblätter der männlichen Blüten sind 16 bis 22,2 Millimeter lang sowie 3 bis 5 Millimeter breit und an ihrer Basis für 4 bis 5 Millimeter verwachsen. Die drei – außer dem fast aufrechten oberen Ende – aufrechten, freien oder für nur weniger als 1 Millimeter verwachsenen Kronblätter sind bei einer Länge von 20 bis 26 Millimetern sowie einer Breite von 4 bis 6 Millimetern schmal verkehrt-eiförmig bis verkehrt-lanzettlich mit gerundetem bis etwas ausgerandetem oberen Ende. Jedes Kronblatt besitzt gut entwickelte Schüppchen (Ligulea) und zwei deutliche Längsschwielen, die etwa die Mitte der Staubfäden erreichen. Diese über ihrer Basis 3 bis 5 Millimeter dicken Schüppchen sind schildförmig mit einer Tendenz zu napfförmig und ihr oberer sowie unterer Rand sind unauffällig sowie unregelmäßig gewellt und nicht drüsig. Es sind zwei Kreise mit je drei Staubblättern vorhanden, sie überragen die Blütenkrone nicht, sind aber während der Anthese in der Blütenkrone sichtbar. Die untereinander freien, ungleichen, weißen Staubfäden sind bei einer Länge von 11 bis 18 Millimetern stielrund. Die Staubfäden des äußeren Kreise für eine Länge von 1 bis 3 Millimeter mit den Kronblättern und die des inneren Kreises sind nicht mit den Kronblättern verwachsen. Die 2,5 bis 5 Millimeter langen Staubbeutel sind an ihrer Basis tief zweilappig und an der Basis des Konnektiv zwischen diesen Basallappen fixiert, also basifix; ihr oberes Ende ist stumpf sowie unbedeutend bespitzt und sie sind während der Anthese nicht seitlich abgeflacht; sie öffnen sich nach innen gebiegend. Bei Siqueiranthus sind die sulcaten Pollenkörner bei einer Größe von etwa 55 μm kugelig und reticulat. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen Fruchtknoten verwachsen. Bei den zwittrigen Blüten ist der weiße Fruchtknoten dreikantig und bei einer Länge von 15 bis 19 Millimetern sowie einem Durchmesser von 6 bis 8,2 Millimetern eiförmig und kahl bis unauffällig spärlich mit weißen gefransten Trichomen bedeckt. In jeder Fruchtknotenkammer der zwittrigen Blüten befinden sich 18 bis 25 stumpfe Samenanlagen in apikaler Plazentation. In den männlichen Blüten ist der Fruchtknoten bei einer Länge von 10 bis 16 Millimetern sowie bei einem Durchmesser von 4 bis 6 Millimetern zylindrisch. In den männlichen Blüten ist der Griffel vollständig reduziert und im Fruchtknoten sind weniger bis keine Samenanlagen angelegt. In den zwittrigen Blüten ist der Griffel 20 bis 25,5 Millimeter lang. Die weiße, einfach- aufrechte mit einer Tendenz zu einfach-ausgebreitete Narbe ist dreilappig. Die fast aufrechten Narbenlappen sind bei einer Länge von 2 bis 2,2 Millimetern sowie einer Breite von etwa 1 Millimeter länger als breit, im Umriss elliptisch oder schmal verkehrt-eiförmig, kahnförmig, v-förmig mit einer zentralen Furche und feinen transversalen Rillen von der Mitte bis zum Rand mit etwas gewellter Fläche und unauffällig gekerbten Rand und ist spärlich mit fadenförmigen Trichomen bedeckt.

Die Blütenformel lautet:

Die weißen – außer den grünlich oder rötlich-grünen oberen Bereichen – Beeren bei einer Länge von 18 bis 25 Millimetern sowie einem Durchmesser von 7 bis 8, selten bis zu 9,2 Millimetern verkehrt-eiförmig bis ellipsoid, dreikantig kahl bis unauffällig weiß beschuppt. An den Früchten sind die haltbaren Kelchblätter noch vorhanden; sie sind dann strohfarben und der obere Bereich ist oft verwelkt und die Rest sind sechs- bis siebenmal kürzer als die Länge der Beeren. Jede Frucht enthält 10 bis 20 Samen. Die asymmetrischen, bei Reife braunen Samen sind bei einer Länge von 2 bis 3,5, selten bis zu 4 Millimetern sowie bei einem Durchmesser von 1,5 bis 3 Millimetern fast quadratisch, fast nierenförmig oder fast trapezförmig und deutlich gerillt.

Vorkommen Siqueiranthus cinereus kommt nur im nordöstlichen brasilianischen Bundesstaat Alagoas vor.

Siqueiranthus cinereus wächst lithophytisch auf oberen Bereichen von Granitaufschlüssen, aus dem umgebenden Weideland im Gebiet des Atlantischen Wald. Sie ist bisher nur von einem Fundort in der Gemeinde Ibateguara nördlich des Rio São Francisco bekannt.

Systematik Die Erstbeschreibung erfolgte 2020 unter dem Namen (Basionym) Cryptanthus cinereus durch Débora Maria Cavalcanti Ferreira und Rafael Batista Louzada in Systematic Botany, Volume 45, S. 460. Die Neukombination zu Siqueiranthus cinereus durch Elton M. C. Leme, Georg Zizka, Everton H. De Souza und Juraj Paule In: Elton M. C. Leme, Georg Zizka, Everton H. De Souza, Juraj Paule, J. D. T. De Carvalho, J. E. A. Mariath, Heidemarie Halbritter und Otávio B. C. Ribeiro: New genera and a new species in the “Cryptanthoid complex” (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on the morphology of recently discovered species, seed anatomy, and improvements in molecular phylogeny. in Phytotaxa, Volume 544, 2022, S. 159–160.

Der Gattungsname Siqueiranthus setzt sich aus dem Namen des brasilianischen Botaniker José Alves de Siqueira Filho, als Ehrung und dem altgriechischen Wort anthos für „Blüte“ zusammen. Das Artepitheton cinereus bedeutet „asch-grau“ und nimmt Bezug auf die Trichome der Blattspreiten und Hochblätter.

Siqueiranthus cinereus ist die einzige Art der Pflanzengattung Siqueiranthus in der Unterfamilie Bromelioideae innerhalb der Familie der Bromeliaceae.

Quellen Literatur Débora Maria Cavalcanti Ferreira, Rafael Batista Louzada: A New Species of Cryptanthus (Bromeliaceae, Bromelioideae) in the Brazilian Atlantic Forest north of the São Francisco River, and its Contribution to the Taxonomy of the Genus. In: Systematic Botany, Volume 45, Number 3, August 2020, S. 460–465. doi:10.1600/036364420X15935294613491 PDF. Elton M. C. Leme, Georg Zizka, Everton H. De Souza, Juraj Paule, J. D. T. De Carvalho, J. E. A. Mariath, Heidemarie Halbritter, Otávio B. C. Ribeiro: New genera and a new species in the “Cryptanthoid complex” (Bromeliaceae: Bromelioideae) based on the morphology of recently discovered species, seed anatomy, and improvements in molecular phylogeny. In: Phytotaxa, Volume 544, 2022, S. 128–170. doi:10.11646/phytotaxa.544.2.2

Einzelnachweise