Die Universitätssternwarte Helsinki, originalsprachig und , war ein Observatorium, das nach dem Brand von Åbo (Åbo brand/Turun palo) und dem Umzug der damaligen Königlichen Akademie in Åbo nach Helsinki, der neuen Hauptstadt des Großherzogtums Finnland, errichtet wurde. Das Observatorium befindet sich auf dem sogenannten Sternwartenhügel (Tähtitorninvuori/Observatorieberget), am südlichen Ende der von Helsinkis Nord-Süd-Achse Unioninkatu. Der Standort ermöglichte auch eine freie Sicht auf den Südhafen und konnte so auch ein Zeitsignal für die Überprüfung der Schiffschronometer senden.
Geschichte
Nach dem Großen Brand von Turku 1827 wurde die Akademie von Turku nach Helsinki verlegt und daraus die Universität Helsinki gegründet. Bereits einige Jahre zuvor war die Hauptstadt des Großherzogtums Finnland von Turku nach Helsinki verlegt worden, da Helsinki mit seiner Seefestung Sveaborg aus der Sicht der Russen besser gegen das verfeindete Schweden zu verteidigen war. Russland war allerdings auch die schwedische Prägung Turkus ein Dorn im Auge. Mit dem Umzug der Universität entstand auch der Plan für die Errichtung eines modernen Planetariums. Das Gebäude war, wie bereits das Gebäude für das Observatorium Turku, ein Entwurf des Architekten Karl Ludwig Engel und wurde in den Jahren 1834 bis 1835 erbaut. Die Forschungsarbeiten konnten im Jahr der Fertigstellung beginnen. Unter der Leitung des ersten Direktors Friedrich Wilhelm Argelander avancierte das neue Observatorium zu einer respektierten Forschungseinrichtung. Zu den ersten Forschungsbereichen gehörten Positionsastronomie von Sternen und Planeten sowie die Zeitbestimmung durch Sterntransite, da die damalige maritime Navigation auf präzise Zeitangaben angewiesen war. Weitere wichtige wissenschaftliche Beiträge leistete das Observatorium bei dem geodätischen Großprojekt Struve-Bogen, das von dem deutschbaltischen Astronomen Friedrich Georg Wilhelm Struve von der Universität Dorpat durchgeführt wurde. Die Astronomen und Geodäten bildeten Vermesser aus und unterstützen die Feldmessungen, daneben wurden von der Sternwarte aus die finnischen Messkampagnen unterstützt. 1890 wurde das Observatorium um einen zusätzlichen Turm erweitert. Das Observatorium beteiligte sich an dem Projekt Carte du Ciel und benötigte diesen zusätzlichen Turm für die Aufstellung des speziell dafür angeschafften Doppelrefraktors mit einer Öffnungsweite von 13 Zoll, dabei wurden Astrographien auf Glasplatten angefertigt. Diese Glasplatten wurden so sorgfältig aufbewahrt, dass sie 2016 für eine erneute Auswertung und den Vergleich mit Astrographien des ESA-Weltraumteleskops Gaia verwendet werden konnten.
1901 wurde mit einem Beobachtungspavillon die nächste Erweiterung realisiert. Zweck dieses Pavillons war die ungestörte Beobachtung der Sterne in der Nähe des Polarsterns. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden langsam die Auswirkungen des Wachstums der Stadt Helsinki spürbar, die Lichtverschmutzung nahm zu, allerdings verlangten auch die Fortschritte in der Forschung wie zum Beispiel in der Astrophysik nach größeren Instrumenten und dunkleren Standorten.
Während der Luftangriffe der Sowjets auf Helsinki 1944 blieb das Observatorium von größeren Schäden verschont, lediglich der Turm für Photometrie wurde beschädigt. Mit dem weiteren Wachstum der Stadt und der Zunahme der Lichtverschmutzung nahm die Forschung im Observatorium ab und wurde im Laufe der Zeit an andere Standorte wie dem Tuorlan observatorio verlagert. Das Observatorium diente ab Mitte der 1950er Jahre der Verwaltung und der Lehre sowie der Lagerung von Instrumenten, ab den 1970ern wurden die Beobachtungs- und Forschungsarbeiten in das 30 Kilometer entfernte Metsähovi Observatorium in Kirkkonummi verlegt. Später wurden manche Aktivitäten in die internationalen Observatorien auf den Kanaren und in Chile verlegt. Inzwischen werden auch Weltraumteleskope wie Odin oder SOHO unter finnischer Beteiligung für die Forschung verwendet. Auch die Studentenunruhen 1969 gingen nicht spurlos an dem Observatorium vorbei. So wurde 1970 beispielsweise die Forderung der Studenten, das Gebäude nur für Forschung und Lehre zu nutzen, umgesetzt, indem man von Engel entworfene Unterkünfte für die Professoren in eine Bibliothek und Arbeitsräume umwandelte, der Westflügel diente als Werkstatt zur Herstellung und Reparatur von Instrumenten. 1984 wurden, rechtzeitig zum 150-jährigen Bestehen des Observatoriums, die Ost- und Westrotunde, der Hörsaal und die Türme renoviert. Der Raum für die Meridianmessungen wurde zum Ausstellungsraum umgebaut.
Forschungen Bereits in den Anfangsjahren gehörte die Universitätssternwarte Helsinki zu den führenden Forschungseinrichtungen. Unter ihrem ersten Direktor Friedrich Wilhelm Argelander konnte sich die junge Sternwarte ein internationales Renommee erwerben. Zu seinen wichtigsten Forschungsbereichen gehörten die Eigenbewegung der Sonne sowie die systematische Erforschung von veränderlichen Sternen. Seine in Helsinki und Turku entwickelten Methoden bildeten die Basis für die Bonner Durchmusterung.
Unter der Leitung von Anders Donner war die Universitätssternwarte an einem der ersten großen internationalen Forschungsprojekte beteiligt. Für das Carte-du-Ciel-Projekt wurde ein spezieller Photorefraktor installiert, mit diesem wurde dann der Bereich des Himmels, für den das Observatorium Helsinki verantwortlich war, fotografiert. Die Vermessung von 159.000 Sternen war dabei so exakt, dass sie noch Jahrzehnte später für die Kalibrierung von Weltraummissionen verwendet werden konnten. Bei diesem Projekt wurden erstmals im großen Stil Frauen für astronomische Berechnungen eingesetzt.
Karl Sundman gelang die Lösung des Dreikörperproblems 1912, das führende Mathematiker wie Henri Poincaré vor ihm für ein unlösbares Problem gehalten hatten.
Einzelnachweise
Weblinks
Webseite des Observatoriums auf der Homepage des Museums
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